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Philosophieren nichts. Die preußische Militärmonarchie hat das
Reich gegründet und sie hat sich in ihm den ersten Platz ge—
sichert. Am Felsen dieser Tatsache zerrinnt alles Raisonnement
wie lockere Brandung. Wir haben nicht zu fragen, wie es hätte
werden können, sondern müssen erkennen, was geworden ist und
was wir nun weiter zu tun haben.
Nach einem bekannten Naturgesetz verlieren Organe, die wenig gebraucht
werden, allmählich ihre frühere Gestalt und Leistungsfähigkeit.
Der Bestand deutscher Bundesfürsten, der 1866/70 in das Reich eintrat,
hatte eine sonveräne Dergangenheit mit eigener Diplomatie und relativ
eigener Deerführung. Aus dieser Seit ragen noch jetzt Gestalten wie der
AUônig Georg von Sachsen, der Großherzog Friedrich Wilhelm Ludwig
von Baden und auch Hrinzregent Luitpold von Bapern in die politische
Gegenwart hinein. Auf ihnen liegt noch etwas vom Glanze der früheren
Seit. Es ist aber nach aller menschlichen Erfahrung anzunehmen, daß
die politische Zedeutung ihrer Nachfolger geringer sein wird als ihre eigene.
Sie werden einen obersten Adel deutscher Nation bilden, nicht aber Sammelpunkte
politischer Elektrizität sein. Was an fürstlichem Glanze und Einflusse
in Deutschland möglich ist, sammelt sich an der einen Stelle, deren
Aktionen soviel weittragender sind als die aller übrigen.
Deshalb ist zwar unsere Reichsverfassung äußerst kompliziert, die
Sachlage aber äußerst einfach. Es gibt zwei Faktoren, die im
Deutschen Reiche miteinander zu rechnen haben: der Kaiser und
der Beichstag. Dom Reichstag haben wir in früheren Kapiteln gesprochen
und gesehen, daß er sich am Droblem der Moajoritätsbildung
abmüht. Dätten wir einen Zeichstag mit Sweiparteiensvstem, so würde
der Reichstag dem Kaiser politisch gleichwertig gegenüberstehen können,
dann würde er eigene gesetzgeberische Initiative besitzen und durch die
Geschlossenheit seines Auftretens eine ihm genehme Regierung erzwingen
können. In diesem Falle würde auch das Zecht wiederholter Auflösung
nicht allzuviel bedeuten. Don dem GSweiparteienspstem sind wir
aber noch ungeheuer weit entfernt. Unser Harlamentarismus ist jung und
arbeitet mit einer Kräftevergeudung und Serspaltenheit, die ein parlamentarisches
System selbst in einer Republik schwer möglich machen würde,