Veterinärpolizei. 199
Beschreibung der Löserdürre oder Rinderpest, genannt Typhus disentericus,
" nach Dr. Lorinsen.
DOie Krankheit beginnt mit Trägheit, Mattigkeit, Traurigkeit, Mangel an
Freßlust, Aufhören des Wiederkäuens. Das Haar sträubt sich in der Gegend des
letzten Rückenwirbels, wo die Kranken beim Druck erhöhte Empfindlichkeit zeigen.
Beim Athmen werden die Nasenflügel weit ausgedehnt und husten die Kranken in
ziemlich langen Zwischenräumen mit einem einzelnen tief aus der Brust kommenden
Stoße. Bald tritt leichtes Frösteln mit Sträuben der Haare oder allgemeiner
und heftiger Frostschauer ein, dem eine allgemeine jmäßig erhöhte Wärme folgt,
wobei indeß die Wärme der Ohren und Hörner wechselnd bleibt. Die Freßlust
nimmt mehr und mehr ab, das Wiederkäuen fehlt ganz oder zeigt sich nur mit
Unterbrechung und mangelhaft; der Durst ist vermehrt und tritt eine auffallende
Niedergeschlagenheit und Mattigkeit ein. Die Kranken stehen gewöhnlich von der
Krippe entfernt, die Füße mehr unter den Bauch gestellt und Kopf und Ohren
schlaff herabhängend. Die Haut liegt fest an, das Auge hervorgedrängt glänzend
und stier, die Bindehaut des Auges bald mehr, bald weniger geröthet. Die
Thränen fließen meist reichlich und wasserhell; das Maul ist heiß und mit wasserhellem
Schleime gefüllt; die sichtbaren Schleimhäute sind höher geröthet; der Urin
wird sparsam und von flammend rother Farbe abgesetzt. Der Mistabsatz erfolgt
unter sichtbarem Zwange und zwar in kleinen, tiefgefurchten, dunkelschwarzen,
trockunn Klumpen. Die Milchabsonderung nimmt ab, alle Kranken zeigen beim
Druck auf die Lendengegend große Empfindlichkeit. Der Puls ist hart, klein und
70 bis 75 Schläge die Minute; das Athmen, bei welchem die Bauchmuskeln und
Nasenflügel lebhafter arbeiten, ist nur wenig beschleunigt. Bei weiterer Entwickelung
der Krankheit nimmt die Traurigkeit, Mattigkeit und Abstumpfung rasch zu, die
Kranken liegen viel, die Freßlust und das Wiederkäuen verschwindet ganz bei gleichzeitiger
Abnahme des Durstes. Angestrengtes, beschleunigtes, stöhnendes Athmen
bei häufigerem Husten als früher. Der Puls steigt zu 80 bis 90 Schlägen in
der Minute und bildet das aus der Ader gelassene Blut jetzt eine dunklere, schwärzliche,
nicht gerinnende Masse. Das Hinblicken der Kranken nach dem Hinterleibe
geschieht öfter und deutet das häufige Trippeln den zunehmenden Schmerz im
Hinterleibe an. Das Haar ist struppig; die Augen sinken in die Augenhöhlen
zurück, der Blick wird traurig und die Bindehaut verliert ihre frühere Röthung ;
die Thränen werden zähe und verhärten sich um das Auge als Augenbutter. Aus
der Nase stellt sich ein Ausfluß von zähem, klebrigem, gelbgrünem Schleime ein.
Der aus dem Maule reichlich fließende Schleim zieht Faden. Bei dieser Krankheitsentwickelung
tritt stets anhaltender Durchfall ein, übelriechend, anfangs durch reichhe
Oeimschung von Galle dunkel gefärbt, später dünnflüssiger, bräunlicher und
inkend.
In der Höhe der Krankheit, etwa am 4. bis 5. Tage, liegen die Kranken
abgestumpft und abgemattet fast beständig, wälzen sich hin und her, sind empfindungslos
und sehr abgefallen. Ohren, Hörner und Hufe sind meist kalt; der
Puls ist kaum fühlbar, das Athmen schnaufend, ächzend und beim Eintritt des
Todes mit halbgeöffnetem Maule. Aus der Nase stellt sich ein mußfarbiger, übelriechender,
bräunlicher oder aschgrauer, dünnflüssiger, oft mit wässerigem Blute
vermischter Ausfluß ein. An den Stellen, wo sich Abschärfungen zeigen, fällt die
Oberhaut der Schleimhaut in Stücken ab. Unter Mastdarmzwang mit Hervordrängen
der hochrothen oder dunkelblauen Schleimhaut des Mastdarms wird häufig,
aber in kleinen Portionen, eine übelriechende, schwarzbraune Flüssigkeit, oder weißer,
hallertartiger Schleim, der sich bis zur Erde zieht, abgesetzt.