Zur Geschichte der Bolksbildung und des Unterrichts. 951
Oberbeutschland.!) Es gab somit Alumni pontificü# und episcopales, dann
Convictores religiosi und sacculares. Die vom Collegium unterstützten
armen Stadtstudenten aber, über welche die weltlichen Präceptores der untern
Classen die Aufsicht hatten, hießen Pauperes S. Hieronymi ober Ollarü.
Durch den Tod Otto's (f 1573) wäre der Bestand der Universität beinahe
in Frage gestellt worden, hätte nicht sein Nachfolger, Egolf von Knöringen,
derselben gleiche Unterstützung gewährt, wozu noch die Einnahmen der Jefuiten
aus den Universitätstaxen und aus der großartig betriebenen Druckerei
kamen, welche Cardinal Otto ihnen 1568 geschenkt hatte. Auch die Bischöfe
Marquard v. Berg (7 1591), Joh. Otto von Gemmingen (1 1598) und
Heinrich V. von Knöringen (1 1646) unterstützten Universität und Convict
mit regem Eifer. Der letztere darf mit Recht als zweiter Gründer der Universität
betrachtet werden, denn auf sein Betreiben genehmigte endlich das
Domcapitel 1606 sämmtliche von Otto an die Universität gemachte Schenkungen
und gewährleistete den weitern Bestand der Anstalten, während es
zugleich die innere Leitung und selbst die Besetzung der Lehrstellen vollkommen
den Jesuiten überließ. Der Diöcesanklerus aber ward in der Dilinger
Synode von 1610 zur Unterstützung angeregt und zeigte sich nicht säumig;
auch von einigen Klöstern wurden nicht unbedeutende Beiträge zugesichert.
Die Universität stand in der Zeit ihrer höchsten Blüthe und zählte zwischen
600 und 700 Studirende. Im J. 1612 hatte das Convict des hl. Hieronymus
allein über 150 Zöglinge.
Was das Domcapitel bewogen hatte, von seiner früheren Abneigung
gegen die Jesuiten in Dilingen abzustehen, mögen wohl auch die Erfahrungen
gewesen sein, die es seit einigen Jahrzehnten in nächster Nähe machen
konnte. Seit Berufung des P. Peter Canisius zur Augsburger Domkanzel
(1559) hatte sich unter einem Theil der katholischen Bürgerschaft, die Familie
Fugger an der Spitze, mehr und mehr der Wunsch geltend gemacht,
in Augsburg ein Jesuitencollegium zu errichten. Der Bischof Otto
und die Päpste Pius IV., Pius V. und Gregor XIII. unterstützten das
Verlangen, auch Herzog Albrecht V. von Bayern verwendete sich lebhaft dafür;
das Domcapitel sträubte sich aber lange dagegen, theils aus wirklichem
Rechtsgefühl (denn es handelte sich mehrmals um Einräumung von Klöstern,
die von ihren Religiosen keineswegs verlassen waren), theils wohl auch in
der Besorgniß, den vielfach übertriebenen Anklagen über die arge sittliche
Verkommenheit des Augsburger Klerus, mit welchen die Freunde der Jesuiten
ihren Wünschen Nachdruck zu geben sich bemühten, durch allzu willfähriges
Nachgeben einen Schein des Rechtes zu leihen. Ueberdieß sei ja zu
zu Dilingen (wo damals die Jesuiten noch nicht waren, bald darauf aber
0 Diese Gelder flossen, mit kurzer Unterbrechung, bis 1797.