3. DER ÜBERGANG ZUR WELTPOLITIK. 41
und an Japan bedeutete, wurde in Berlin nicht ernst genommen.
Rußland begnügte sich auch zunächst mit der Forderung der
fortdauernden Besetzung von Port Arthur und Talienwan und
der Konzession einer Zweiglinie der mandschurischen Bahn über
Kirin—Mukden (russisch-chinesischer Vertrag vom 27. März
1898). Weihaiwei ging nach einer Verständigung mit Japan
in englischen Besitz über, wobei durch eine freundschaftliche
Erklärung des englischen Kabinetts die deutschen Rechte und
Interessen in der Provinz Schantung sichergestellt wurden.
Überhaupt hatte sich Lord Salisbury während der Auseinandersetzungen
nach der deutschen Besetzung von Kiautschou, unbeirrt
durch den inzwischen von der Krügerdepesche hervorgerufnen
Zorn der Öffentlichen Meinung in England (s. weiter
unten S. 5), nicht unfreundlich gegenüber Deutschland verhalten.
Die Berliner Regierung folgte gern seinem wiederholten
Rat, bei Einrichtung der Bai zum Freihafen möglichst liberale
Maßregeln für den Welthandel zu treffen (Bd. XIV S. 3—181).
Überblickt man den Verlauf der Dinge in Ostasien nach
der Intervention Rußlands, Japans und Deutschlands gegen den
Frieden von Schimonoseki, so zeigt sich fortlaufend eine Wechselwirkung
zwischen den Interessen der Großmächte in Europa
und ihren Ansprüchen im Fernen Osten, und das Wort wurde
in politischer Beziehung zur Regel: „Orient und Okzident sind
nicht mehr zu trennen“.
Kehren wir nun vorerst wieder nach Europa und dem Nahen
Orient zurück.
In Kleinasien waren wieder blutige Greuel gegen armenische
Christen verübt worden. Die von den Botschaftern Englands,
Frankreichs und Rußlands geforderten Reformen wurden erst
von der Pforte schroff abgelehnt, dann aber nach dem Erscheinen
eines britischen Geschwaders vor Beirut zugesagt (Juni 1895).
Man mußte darauf gefaßt sein, daß sich die Metzeleien wiederholen
würden. Durch eine parlamentarische Niederlage, die das
Ministerium Rosebery mit Grey als Unterstaatssekretär des Auswärtigen
gegen Ende Juni erlitt, wurde ein neues Ministerium
unter Salisbury als Premierminister und Minister des Auswärtigen