Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1830. (21)

Aummer  75

er

Rosen#elmer  Anzelger

WMiltwoch,  3JI.  März  1915

 

der  Ossiziersmangel  in  der  russischen  Armee
immer  mehr  fühlbar  wird,  hat  das  Oberkommando
  angeordnet,  daß  die  Regimentslommandeure
  besonders  intelligente  Leute,  die  sich  während
  des  Krieges  bereits  ausgezeichnet  haben,
ohne  weiteres  zu  Offizieren  ernennen  können.
Bedingung  ist  nur,  daß  sie  außer  der  Elementarschule
  noch  eine  andere  höhere  Schule  besucht
haben  und  möglichst  die  deutsche  Sprache  beherrschen.
  (3Z.)

Noen  den  38eri.  Sriegsschanmäher.

Der  amtliche  österr.  Bericht.

WTB.  Wien,  29.  März.  Amtlich  wird  verlautbart:
  Die  Kämpfe  in  den  Karpathen  dauern
  fort.  Ein  gestern  durchgeführter  russischer

Angriff  auf  die  Höhen  westllich  von  Banyavoeigy
  wurde  na#ch  mehrstündigem  Kampfe  unter
  großen  Verlusten  füc  den  Feind  zurüdgeschlagen.
  Die  Regimenter  der  vierten  Kavallerietruppendioision
  haben  sich,  wie  in  den  vorangegangenen
  Gefechten  die  Truppen  der  ersten
Landsturm=  Infanterie  Brigade,  beispielgebend
geschlagen.  Wiederholte  überlegene  feindliche
Vorstöstee  wurden  von  ihnen  blultig  abgewiesen.
Nördlich  des  Uzoler-  Passes  scheiterten  Nachlangrisse
  der  Russen  im  wirksamsten  Feuer  unserer
  Slellungen.  An  der  Front  in  Südostgalizien
  (eschützlampf.  Russische  Kräste.  die  östlich
  von  Jallefzezrcli  über  den  Dujeitr  vor—
slieten,  wurven  nach  bestigem  Kampf  über  den
Fluß  zuruckgeworfen.  In  Russisch-Polen  und
Westgalizien  Nelienwe  ise  Geschützlampf.  Ein
russischer  Rachtangrisff  an  der  Losesina  in  Polen
scheiterte  volllommen.

Das  Rin,gen  in  den  Karpalhen.

Wien,  29.  Marz.  Die  Nat#richten  von  den
Karpathen  lauten  nicht  ungünflig.  Der  Gegner
stlött  bei  seinen  Verichen,  vori  zürinnen.  überall
  auf  vorbereite#c  Findernisse,  wmobei  er.  um
nur  in  ihre  Näl.e  zu  kommen,  furchtare  Opfer
bringen  muß.  Einige  Kilomeler  Vordringens
losiezren  ihm  merrere  Taufend  Leute  im  Odavatal.
  worauf  er  wieder  zurück  mußte  in  der  Ertenninis,
  in  eine  vordereirele  Stellung  geraten
zu  sein.  Die  Wiederaufnahme  des  Kampfes
am  Tuilaeinschnilt  ist  in  kürzester  Jeit  zu  er—

warlen,  da  der  Gegner  neue  Verftärtungen
herannolt.  Auch  beim  Uzfoler  Paß  dürsie  die
endgültige  Abwei#ung  russischer  Durchbruchs-Zeit

  benöligen.  In  Ost-=Lalinen
  streisen  die  österreichis  ungalischen
Truppen  bereits  den  Dujefir  aufwärts  und
dringen  vor,  trondem  der  (begner  ein  ganz  neucs
Heer  an  Veritärkungen  heranzog.  S  scheint,
daß  die  Russen  Geilungsoesfahnugen  der  Linie
Brest-Litomslt  abwäris  in  den  Karpalhen  ein.
setzen,  um  die  Entscheidung  zu  erzwingen.  (3.)

veriuche  noch  einige

Die  russische  Massc.

Berlin,  29.  März.  Der  militärische  Mitarbeiter
  des  Berliner  Tageblaties,  Major  Morath,
  draltet  aus  dem  öflerreichisch-ungarischen
Kriegspresseguartier:  „Die  gewaliige  Defensive
  Oesterreich-Ungarns,  an  der  sich  Rußlands
Riesenheere  bislang  erichöpft,  i#lt  unseren  Verbündeten
  aufgezwungen  worden,  nachdem  sie
wiederholt  den  Angriff  auf  galizischen  und  polnischen
  Voden  vorgetragen  haiten.  Ein  stilles
Heldentum  ringl  seit  geraumer  „eit  in  den
Karpathen  gemen  eine  furchibare  Uedermachi.
Es  iünt,  wie  ich  hier  hervorheden  will.,  der  Oeffenilichieit
  no  nich:  allgemem  belannt,  daß  im
ersten  Stadi###  #Krieges  der  weitaus  überwiegende
  Tou  der  103  russischen  Infanterie-Der

  neue  Bankdirektor.

####  ven  Reinboll  Orimansz.
1n  Machb#  verhenn.)

Es  war  ohne  Suoruel  ein  aufruhiger  Ausdruck
  seiner  Geimalec,  aber  er  wirtee  auf  Donna
Maria  durchaus  nuht.

„Genug  von  eilfen  Auzeinandersepungen!“
sogte  sie  aweisen  weniger  Worte
solche  Dinge  ilne  turrde  u.  desto  besser  in  es
für  ihr  Gelingden.  Sorge  nut  daß  Nodewaldt
morgen  unfkere  Tertullz  lcht  —  für  heute
hat  er  sich  ju  leiei  dere:  ¾5r  entichuloigt  —,
und  laß  daun  alles  übrige  meine  Sorge  sein!
Auch  diesen  Pedro  Alvare;  nehme  ich  zunachst
auf  mich.  Ich  werde  noc)  vor  dem  Essen  zu
dem  Prastdenten  fabren,  um  den  Haftbesehl  zu
erwirken

Manuel  del  Vasco  wollte  antworten,  aber
in  dem  nämlichen  Moment  öffnete  sich  die  Tür,
und  Fsabellas  Geftalt  wurde  zwichen  den  Vorhungen
  sichtbar.  Sie  kam  eben  zurecht,  um  zu
seoen,  wie  #yr  Bater  seiner  Gemahlin  voll  ritlerlicher
  Aruigleit  di  8  Hand  lüszte,  aber  das  spöttische
Ktunjeln  ihrer  Oberlinne  verriet,  daß  es  nicht
gerade  ehrerdieige  Empfsindungen  waren,  welche
dieser  Anblick  in  ihrem  bkindlichen  Derzen  wachrief.

11.  Kapitel.

Die  heutige  Tertulia,  zu  der  Sennor  Manuel
  del  Vasco  den  Bantoirektor  jo  dringend
eingeladen  hatte,  daß  eine  zlolehnung  sast  unmoglich
  gewesen  ware,  war  eine  von  jenen
glänzenden  Gesellschaften,  waie  46  nur  ingrößeren
Zwischenraumen  an  die  e  der  gewohnten
zwanglosen  Zusammenkänf  *  greien  Wieder
war  in  den  prachtigen  Naumen  eine  aroße

  

ernichtung  vornahm,
geil,  selbst  der  Hölle  zu  entrinnen.

 

 

Divisionen  und  39  Kavallerie  Divisionen  auf
die  österreichisch-ungarischen  40  Infanterie=  und
11  Kavallerie-Divisionen  sich  warf,  um  sich
(io  war  wenigstes  der  russische  Plan)  nach,
deren  Zermalmung  dann  geien  Dentschland  zu
wenden.  In  zaieer  TLapserk#eil,  unier  den  allerschwierigsten
  Voinnundge.  der  Kriegsührung,
haben  die  Tio#en  uunserer  Verlündeten  ihr
Blut  stronmmeise  vergassen.  Aber  sie  haben  diese
im  großen  Nanen  dr  ölllichen  Kriegführung
ihnen  zugesaln:
den  Feind  w#nrend  acht  Monaten  ausgehalten.

Ebenso  wie  in  Galizien,  zeigt  sich  auf  dem
en  Kricgeschuplan  ein  Wechnördlichen

  d.  u#l#
sel  der  am  isssweisen  und  desensiven  Kriegführung,
  unerussische
  Mar##r,

deutschen  Al#ause

wels
ZUrudnut.“

4  #

Ptgemusl.

rgaug  der  Festung
Przemyusl.

Wien,  20.  Mär:.  Rea  Noda  schreibt  in
der  „N.  Fr.  Pr.“  über  den  Untergang  der
Festung  Przemust:  Die  Vorgänge  der  Früh,
lingenacht  von  Sonnag,  den  21.  auf  Moning.
den  2.  Marl,  in  ihrer  antliten  Größe  haben
ihresgleichen  in  der  Sage,  cter  nicht  in  der
Ceschichte.  An-  alicn  vier  Winden  ders  Him
mels  torte  dus  runsisene  W.  rürr.  der  russische
Sturm,  alie  vier  Fronen  jolugen  ihn  ab.
Bäche  Blufes  rannen  von  den  eleet  ven  Pri:
musl.  Das  ginn  bis  Schlag  5  Uhr  *P  (Flo.i
junf  geschah,  was  Kusmanel  besodlle:  1..
Die  Infanterie  schoß  ihre  Magazine  aus,  rer
ließ  die  Bruilwehren  und  lief  zurück  in  5%
Intervalle.  An  zwölf  Siellen  bar##  die  Erde.
molf  Flammenberge  sliegen.
von  Przemysl  lagen  in  Schull.  Man  hatte
sämtliche  modernen  Geschütze  schon  am  Abend
aus  den  vorteren  itien  genommen  und  zur
Sprengung  ergerichtei.  Der  Ariillerielamf  der
letzten  Nacht  wurde  hur  mit  1861  er  Kanonen
gefüllrl.  Die  Gürielwerte  waren  mit  je  l###
Kücgraium  Elrasit  unterminiert.  Man  hatte
für  so  viele  Objielte  nickht  Züundichmüre  geung
und  mußte  die  einzelne  lutz  bemessen;  wer  die
halie  nur  drei  Minuten
Die  Sappeure
  meldeien  sich  freiwillig  zu  der  lebensgesährlichen
  Arbeit.  Die  vier  Siodaschen  Drei-(.hi.in



Der  Unte

  

tiger  Mörker  wurden  mil  Pulversack  und  Bombe  1!

geladen,  das  Rohr  mit  Ekrasik  nachgefüllt  und
sest  mit  Erde  verdämmi.  Man  löste  den  Schuß
lei  Null  Grad  Elevation  und  alles  flog  in

Adome.  Nohr,  Lafeite  und  Betting,  Haubitzen.
Sch  nellseue  rlanonen,  Munition,  Autos,  Aero—
plauc.  Scheinwerier,  Ferurohre  was  dem

Feind  nur  irgend  dienen  konnte,  wurde  vernichlel.
  Die  Onsanterie  sching  sogar  ihre  Gewehre
  ktrumm.  Als  der  Gürtel  mit  aller  Ar—
mierung  zermalmt  war,  näherte  sich  das  Vernichtungswer!
  der  Siadt.  Die  drei  Brücken
flogen  in  die  Lust.  Die  Depots  und  Magazine
brannten.  Die  Leitungen  hingen  zerrissen,  die
BVahnstation“  mit  allen  Einrichlungen,  die  militärischen
  Galr  iken  und  Veiriebe  wurden  zertrümmert.
  Die  Polizei  hatle  die  Einwohner
aus  den  gesährdeten  Bezirlen  weg  in  Sicherheit
  gebrach!t.  standen  in  Scharen  auf  dem
Tatarenhügel  und  blicklen  angstgelahmt  in  den
jüngiten  Tag  der  Festulig.  Die  rusisischen  Gejangenen
  standen  unter  Komm:  ando  eines  Po-Sie



Schlohterg,  darunter  ein  Nezimemsar  und
fünf  Offiziere;  zwei  von  ihnen,  deren  Helden-Anahl

  bedeurenver  Persömichleiten  versammen,
und  auf  den  ersien  Blick  hatte  der  Eintretende
wohl  den  Eindruck  gemimnen  müässen,  daß  die
allgemeine  Slimmung  die  einer  sorglosen  Heiterleil
  sei.

Bei  näherer  Beobachtung  aber  mußte  man
doch  wahrneymen,  daß  heute  hier  nicht  alles
sei  wie  sonn.  Eine  gewisse  Unruhe,  eine  erwarkungsvolle
  Spannung  schien  auf  der  ganzen
Geseilschaft  zu  liegen.  und  nur  um  einen  einzigen
  Gegenstand  schien  sich  in  all  den  verschiedenen
  Gruppen  das  Gespräch  zu  bewegen.
Hier  in  leisem,  behutsamem  Flüsterton,  dort
mit  echt  südlicher  Lebhaftigkeit  wurde  die  herausfordernde
  Haltung  erorlert,  welche  die  dem
Pröstdenten  seindlich  gesinnte  Presse  in  den
letzen  Tagen  angenommen  hatte,  und  man
konnte  die  verichiedenartiasten  Vermutungen
über  die  unmittelbar  bevorstehenden  Ereigulsse

 

ren.

Der  Präsident  war  heute  nicht  anwesend,
und  auch  von  den  Ministern  hatte  sich  nur  ein
einziger  eingesunden,  ein  stattlicher  Herr  in
Generalöunisorm  und  mit  einem  unveränderlichen
  überlegenen  Lächeln  auf  dem  wohlgenährten
  Antlig.  Er  nahm  die  Gefahr,  von  der
die  Regierung  nach  der  Meinung  eines  großen
Teiles  der  Anwesenden  bedroht  war,  offenbar
nicht  ernst.

Auf  alle  Fragen  nach  den  Maßregeln,  die
man  getroffen  bade,  um  einem  etwalgen  Aufstande
  wirksam  zu  begegnen,  hatte  er  immer
dieselbe,  zursrichc  klingende  Antwort.  daß
man  imstande  sel,  jeden  Versuch  einer  Revolution
  schon  im  Keime  zu  ersticken,  und  daß  die
Widersacher  Seiner  Exzellens  geradezu  r—
witzig  sein  müßten,  wenn  sie  es  überhauynt
zu  einem  für  sie  völlig  Cublicklosen  unfn

vr  ur  befsondere  Ausgabe  erfülit  und

jedesmal  ist  es  auch  dort  die
die  hoffnungsvolliten

Die  Gürtelsorts

mut  man  dadurch  anerkannte,  trugen  ihre  Wafsen.
  Die  schanderhaften  Explosionen  ließen  die
russischen  Stürme  süllstehen,  sogar  die  Artilteriebeschießung
  stodte  zum  großen  Teil.  Nur  im
südwestlichen  Seitor  versuchlen  die  Russen  den!
Angriff  weilerzurranen.  Doch  kaum  waren  die,
Trümmer  der  Gürtelforts  hoch  aus  den  Eruplionswollen
  herabge  fürzt.  da  erschienen  basserliche
  Ossiziere  mit  weisten  Fahnen  auf  dem
Schutilegeln  und  erllärten:  Exzellenz  Kusmanek.
lönne  Przemno!  nicht  länger  hallen  und  überlasse
  alles  Fernere  der  Nitterlichkeit  seiner
Feinde.  Das  Wort  gebol  den  Stürmen  Einhalt.
  Die  Russen  senilen  grüßend  die  Säbel.,
In  anderthalb  Stunden  war  die  Katastrophe.
von  Przemysl  vollendet.  Rittmeiĩter  v.  Lehpiann
  halte  sie  mitangelehen  und  stieg  nun  im!
Flugzen  auf.  Er  wurde  von  den  Russen  nicht

schossen.  DSie#  Sonne  war  aufgegangen  und!
beleuchtete  unzählige  Rauchfäulen,  die  bis  zu-#
  Meter  Höhe  aus  dem  bPrennenden  Ilion.
wallten.

—

Die  Behandlung  der  Besatzung  von

Przemyol.

Maila  und,  23.  März.  Der  Vertreter  des
Blatlee  „Sera“  meldel,  daß  der  russische  Generalissimus
  besohlen  habe,  die  Besagung  von
Pr.  emnel  besender  ehrenvoll  zu  behandeln.  Die.
gesangenen  OÖssiziere  solllen  nicht  in  die  öfllichen
  Gouvernements  abgescholen  werden,  sonder
  in  Mitteirutzland  Unierkunst  sinden.  Auch
sollen  sie  Eisn#er  nicht  geilattele  Vergünstigungen
erhalten.  schätzt  die  russischen  Verluste
der  beiden  Belagerungen  von  Przemysl  auf  drei
Armcelorte,  all#o  aus  ungefähr  120000  Mann.

Schmuhige  silberne  Kugeln

Ei:  Brief  des  englischen  Admirals  Peare.
dreu  T###li  von  Smyrna,  der  im  „Tanin“
Fressentlie-  wurde,  macht  begreifliches  Auf
feln  28  eionder=  übel  wirlt  eine  Sielle,  wo“
Velagerer  den  türlischen  Statthalapostrophiert
  und  zu  bestechen
versuckhl.  der  ihin  ale-  lungtür:  ischer  Führer  persoulich
  *n  im  ist.  Dieses  erhebt  den  Brief  zu
einem  bnczieniscken  Dolumen  von  bistori
sschem  Werie.  Die  halbamtliche  türlische  „Agence
Mili“  stellt  als  Talsachen  fefl:

Am  9.  März  sandte  Pears  an  den  Gouver
neur  von  Smyrna  eine  Aufforderung  zur
Uebergabe,  worin  er  ausführte,  daß,  da  die
Forts  zum  Schweigen  gebracht  worden  seien,
sämtliche  Vesefligungen  und  Balierien  ihm  be
dingungslos  ausgeliefert  werden  müßien  und
daß  die  Fahrrinne,  die  den  Zutritt  zum  Ha
seneingang  ermögliche,  von  Torped  und  Mi
nen  gesäubert  werden  soll.  Der  Admiral  wies
darauf  hin,  daß  die  Verbündcten  in  dem
Wunsche,  unnühes  Blulvergießen  zu  vermeiden,
und  der  Sladt  die  Kriegsgrenel  zu  ersparen,  an
die  Menschlichteitsgesühle  des  Wali  appellierten,
  um  so  die  Annahme  ihrer  Vorschläge  her
beizuführen,  ohne  zu  milttarsche  Operationen
greisen  zu  müssen.  Die  Aufforderung  verwier
sodann  darauf,  606I|  Enver  Pascha  und  seine
Anhänger,  verführt  von  Deutschland,  das  von
leinem  freundlichen  Gedanken  gegen  die  Türkei
beseelt  sei,  das  Land  in  die  jetzige  verzweiselte
Lage  hineingezogen  hätten,  daß  die  osmanische
Regierung  unter  dem  Einfluß  salscher  Freunde
sich  von  England  und  dessen  Verbündelen  ent.
fernt  und  Jahrhunderte  alie  Freundschafts.
bande  zerrissen,  und  daß  dies  das  Unglüd  über
die  Tuürlei  gebracht  habe.  Die  Russen  ruck
ten  siegreich  im  Kaulafus  vor,  die  klürkischen
Operationen  in  Aegypten  seien  gescheilert,  und
Koustantinopel  selbst  che  ror  dem  Fall,  turz:
der  Sieg  wende  lich  den  Verbündeten  zu,  den
einzigen  wahren  Freunden  des  Islams.  Nach

kampfe  kommen  ließen.

Rodewaldt  hatte  diesen  politischen  Gesprächen
  bie  und  de  ein  wenig  gelauscht;  da
er  aber  überall  uir  dieselben  allgemeinen
Redenkarten  vernahm,  aus  denen  sich  ein  klares

ild  der  Sachlage  ni.ßt  gewinnen  ließ,  wurde
er  des  Geschwätzes  überdrüssig  und  wandte  sich
dem  Musiksaale  zu,  der  wie  immer  den  Verlammiungsort
  für  die  jüngeren  Damen  und

von  den  össentlichen  Angelegenheiten  minder
lenr  in  Anspruch  genommenen  Verehrer  bildete.

Natüriich  w##r  Sennorita  Isabella  wieder
die  schönfte  Blute  in  dem  reizenden  Mädchenkranze
  —  ja.  Werner  hatte  sie  bisher  kaum  in
einem  6.  verlührerischen  Kostüm  çgesehen  wie  an
diesem  Abend.  sich  nicht  sonderlich  beeilt,
  die  Tochter  des  ho  zu  beprüßen:  denn
er  hielt  sich  nach  den  Erfahrungen  der  letzten
8  eines  kühlen  und  Sleichgüreigen.  Empkanges

wiß.  Allein  er  war  lebbast  überrascht,  als
*  sie  plötzlich  —  sie  konnte  seiner  eben  erst.  an.
ichtig  geworden  sein  —  raschen  Schrirtes  auf
ich  zukommen  sah.

Sie  begrüßte  ihn  so  herzlich  und  liebene.
würdig,  ols  hötte  sie  niemals  auch  nur  die
ringste  Versämmung  gegen  ihn  gehegt.  Tra#bho
und  munter,  wie  in  den  ersten  Tagen  dhirh
Klenmgsean,  Plaubente  sie  von  allen  möglichen
  Dingen,  und  keine  taktlose  Frage  nach
den  1esachse  seines  häufigen  Ausbleibens  sehte
ihn  m  Berlesenhes

standen  noch  in  angeregter  Unterhaltung

  Fäbisienen.  als  der  größte  Tell  der  Gesellschaft
  in  den  Musiksaal  eintrat,  um  dem  von
Sennor  del  Vasco  mit  hochtonenden  Worten
un  ten  th  einer  berlihmten  Sängechen,
  die  sich  heute  unter  den  Gästen

#e  al  beite  4  wußte  Isabella

 

Se#a“

—–  —  —

u

   
   
    

de

 

 

 

 

 

wür

 

 

dieser  Einleitung  sprach  der  Admiral  den
Wunsch#  (aus,  daß  der  Wali  seine  Bedingungen
annehme,  wodurch  die  Möglichleit  geschaffen
b  in  weitere  Verhandilungen  einzukrelen,
und  versprach,  die  Bevölkerung,  die  durch  das
Bombardement  gelitten  habe,  zu  entschädigen.
Schlbehlich  hieß  es,  daß  der  Admiral  die  Aut:
wort  bis  zum  nächsten  Morgen  erwarie.  Da
dieses  Anerbieten  von  dem  Gonverneur  Nahmi

 

Bey  formll  abgelehnt  wurde,  machte  der  eng

lische  Parlamentär,  ein  Beamter,  der  noch  vor
lurzem  als  Inspektor  in  Dienslen  der  osmani:
schen  negierun  gestanden  hatte,  im  Namen
des  Alischen  izeadmirals  den  Vorschlag,  daß
der  Wali  das.  Wiel  abgeben  solle,  daß

Smyrna  nicht  als  Flotienbasis  von  einer  anderen

  Macht  benützt  werde.  Auch  dieser  Vorchlag
  slief  auf  entschiedene  Ablehnung.

Wir  fügen,  sagt  die  halbamtliche  Stelle  weiter,
  diesem  Dolument  k#inen  Kommentar  hinzu
  und  bemerlen  nur,  daß  die  von  englischer
Seite  ausgestellte  Behauptung,  die  Türlei  sei

—

von  ihren  salschem  Freunden  in  den  Krieg  hinneingezogen

  worden  und  Handle  unter  dent
schem  Einflusse,  einer  Aufllärung  bedarf.  Die

Türtkei,  die  sich  Nechenschaft  darüber  gab.  welcher

  Animosilät  sie  von  der  Seite  der  Tripelentente
  ausgesetzt  war,  hat  mit  ihren  lapferen
Verbündeten,  Deutschland  und  Oesterreich  Ungarn,
  gemeinsame  Sache  gemacht,  um  mit  ihnen
für  ihre  bedrohte  Erxistenz  zu  kämpfen.  Was
die  Behauptung  betrifit,  daß  die  Dreiverbands.
mächte  die  wahren  Freunde  des  Islams  seien,
so  sind  Aegypten,  Marokto,  Persien.  Algerien
und  Tunesien,  sowie  die  von  der  russischen  Ne
gierung  verübten  Greueltaten  lebende  Beispiele
dafür,  um  den  Zynismus  zu  beurleilen,  von
dem  die  englischen“  Behauptungen  erfüllt  ind.
r  „Tanin“  Iragt  zu  dem  Bestechungs
plan:  Mit  solchen  Mitteln  also  in  die  große
englische  Armada  aus  dem  Mittelmeer  aur.
gefahren,  um  Festungen  zu  erobern?  Man  muß
zugeben,  daß  die  ottomanischen  Fortogeschosse
ino  besondere  auf  die  Köpfe  der  seindlichen  Ad
mirale  eine  Wirlung  ausübten.  Der  Wali  von
Smyrna  hat  den  englicchen  Admiral  leiner
Antwort  gewürdigt  und  dessen  Angebot  dem
Grohßwesir  zur  Kenntnis  gebracht.
½

Der  Kampf  um  die  Dardunelien.
Die  bloßgestellte
Meerengenpolitil  Euglande.

Konstantinopel,  29.  März.  In  einem
Artilel,  der  sich  mit  den  Eragen  besaßt.  die
sich  aus  der  Besehung  von  Tenedos,  Imbros
und  eines  Teiles  von  Ler  unos  seitens  England-,
ergeben,  siellt  der  „Tanin“  fest,  daß  Griechenland,
  ohnmächtig  sich  dem  zu  widersetzen,  darin
eine  ausgezeichnete  Belehrung  findel,  die  ihm
die  Politik  Englands  enthüllt  und  das  sich
dennoch  als  Beschützer  der  Neutralen  ausspiel!.
Die  Vesetzung  der  Infeln  bilde  den  ersten  Alt
eines  von  England  in  Szene  gesetzten  Theater.
slückes.  Seitdem  England  gegen  seinen  Willen,
nur  um  Nußland,  das  gerade  mitten  im  Kriege
mit  dessen  Einstellung  drohte,  zufrieden  zuslellen,
  zugestinunmt  hatie  an  der  Verwirkliczung
der  russischen  Aspirationen  auf  Konstantinopel
und  die  Meerengen  mitzuarbeiten,  beschlos,  es
in  Fortsetzung  der  seit  Jahrhunderten  befolgten
Poliik,  die  darauf  gerichte  ist,  die  russische  Ausdehnung
  nach  Süden  zu  verhindern,  gegen  bie
Besitznahme  der  Meerengen  durch  Rußland  retbtzeitige
  Maßnahmen  zu  ltreffen,  von  denen  die
erste  die  Besetzung  der  nicht  sehr  bedeutenden
Inseln  Tenedos,  Imbros  und  Lemnos  in,  das
durch  seinen  DOasen  Mudros  die  Jnsel  Malta
an  Bedeutung  weit  kuurtrürnt  Zehzt,  da  diese
Wahrheiten  aufgedeckt  sind,  könnten  die  Neutralen
  leine  unlogischere  Haltung  einnehmen,

es  einzurschten,  daß  sie  mit  Werner  in  die  #1e
der  1  Patio  hinausjührenden,  we:  sche-Sainekcnr
  ean  gettüe  kan
ls  der  Begleiter  Ver  Söngerin,  der  wieder

ein  Neger  war,  präludierend  die  erĩten  Attoirde
anschlug,  flüsterte  sie  dem  Bankdirektor  zu:
„Valsen  Sie  uns  ein  wornig  binausgehen,  jofern
Sie  co  über  sich  gewinnen  lönnen,  auf  den
künstlerischen  Genuß  zu  verzichten.  Ich  liebe
diese  —l  nicht  und  ich“  —  sie  zanderte
ein  wenig  —  „#ch  möchte  auch  ein  baar  Worte
unter  vier  *  mit  Ihnen  sprechen.

Natürlich  ließ  sich  gegen  einen  jolchen  Vorschtes
  kein  Widerspruch  erheben:  Werner  reichte

z  den  Arm,  und  sie  traten  in  den  halb  dunklen,
angesehm  kühlen  Votio  binaue,  sicher,  daß  ihre
Entsernung  nur  von  seör  wenigen  wahrgenommen
  worden  .  Die  letzten  Worte  JIsabellas
  hatten  Werner  mit  einer  leisen  Empfindung
  des  Unbehagens  erfüllt;  denn  er  hatte
das  unbestimmte  Gefühl,  daß  die  Eesferuntrne.
welche  sie  ihm  zu  machen  wünschte,  ihn  in  eine
peinliche  Lage  verseten  würden.  Schweigeno
erwartete  er,  was  sie  ihm  sagen  würde,  aber
auch  Isabella  schien  "*6  jetzt  nicht  mehr  sehr  eilig
damit  zu  haben.  Sie  wandte  sich  der  leise
plötschernden  Vontäne  emnttlen  es  gartenartigen
  Hofraumes  zu,  und  als  sie  dort  angekommen
  waren,  ließ  sie  ihre  Hand  von  Werners
Arm  berabglelten,  um  sich  behend  auf  den  ziemlich

  hohen  marmornen  Rand  des  Springbrunnens
  hlinaufzuschwingen.
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