Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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aufnimmt,  mit  den  reinen  Erkenntnisformen,  die  er  vermöge  subjektiver
Aussichschöpfung  unabhängig  von  aller  Erfahrung  erzeugt,  zu  einer
synthetischen  Einheit  zusammen  fügt.

In  der  idealistischen  Philosophie  kommt  man  erkenntnistheoretisch
zu  einem  Ding  an  sich,  daß  man  die  Anschauungswelt  in  Subjektives
und  Objektives  unterscheidet.  D.  h.  bei  der  Wahrnehmung  eines  Gegenstandes
  durch  die  Sinne  kommen  wir  mit  dem  Objekt  selbst  nicht  in
unmittelbare  Berührung,  sondern  wir  nehmen  das  Objekt  nur  an  der
Veränderung  unseres  eigenen  Zustandes  wahr.  Wenn  wir  beispielsweise
  einen  Gegenstand  mit  unseren  Augen  wahrnehmen,  so  nehmen
wir  unmittelbar  nur  die  Wirkung  der  Lichtstrahlen  auf  unseren  Körper
wahr.  Das  Erkenntnisvermögen  liegt  also  ausschließlich  im  Subjekt
und  das  scheinbar  objektive  Erkenntnisvermögen  ist  nur  in  das  Objekt
hineingelegte  Subjektivität.  Nimmt  man  diese  dem  Objekt,  so  bleibt
der  unserer  Erkenntnis  nicht  weiter  zugöngliche  Träger  der  objektivierten
  Subjektivität  als  das  Ding  an  sich  übrig.

Da  dieser  Punkt  ebenso  wichtig,  wie  schwer  verständlich  ist,  will
ich  ihn  noch  an  einem  Beispiel  weiter  erläutern.  Rehme  ich  z.  B.  einen
roten  Würfel  als  Objekt  und  mich  als  Subjekt,  so  geschieht  die  Wahrnehmung
  in  der  Weise,  daß  das  weiße  Licht,  das  aus  verschiedenen
gesärbten  Lichtstrahlen  zusammengesetzt  ist,  auf  den  Würfel  fällt.  Von
diesen  Strahlen  werden  die  roten  vom  Würfel  aufgesogen  und  die
anderen  zurückgeworfen,  wodurch  er  uns  rot  erscheint.  Das  Zurück--werfen
  der  Strahlen  geschieht  unter  demselben  Winkel,  unter  dem  sie
auffallen,  hierdurch  wird  nun  sowohl  der  Treffpunkt  des  Auges  bestimmt
als  auch  die  starke  oder  schwache  Wirkung  auf  dieses.  Die  objektiven
Faktoren  bei  einer  Wahrnehmung  mit  den  Augen  sind  also  das  Aufsaugen
  und  Abstoßen  der  Lichtstrahlen  vom  Objekt  überhaupt  sowie  die
Art  des  Abstoßens  und  die  dadurch  bedingte  starke  oder  schwache  Wirkung
  auf  unser  Auge.  ,

Vom  Auge  ab  kommen  nur  die  subjektiven  Faktoren  in  Frage,
die  darin  bestehen,  daß  die  Wirkung  nach  dem  Gehirn  als  dem  Nervenzentrum
  fortgepflanzt  wird  und  hier  aus  den  objektiven  Elementen  ein
Körper  von  Länge,  Breite  und  Tiefe,  d.  h.  von  drei  Dimensionen  konstruiert
  und  als  solcher  wahrgenommen  wird.  Die  subjektiven  Faktoren
werden  uns  noch  verständlicher,  wenn  wir  einen  gemalten  roten  Würfel
nehmen:  trotzdem  dieser  mit  der  Leinwand  oder  dem  Papier  nur  eine
Fläche  bildet,  wirken  die  Lichtstrahlen  genau  wie  bei  einem  wirklichen
Würfel.  Hierbei  muß  es  uns  ohne  weiteres  klar  werden,  daß  die  Konstruktion
  eines  Würfels  wie  eines  Körpers  überhaupt  aus  seinen
Flächenelementen  ein  subjektiver  Faktor  ist,  d.  h.  aus  den  einzelnen
Empfindungen  der  Sinne  macht  der  Verstand  ein  Objekt.  Also  genau  ge-