Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

152  31.  Erste  Forderung  für  die  China-Expedition.  (Schluß.)

Während  der  vergangenen  Jahre  haben  Deutschland  und
China  immer  die  freundschaftlichsten  Beziehnngen  gepflegt.  China
ist  Deutschland  zu  allergrößtem  Danke  verpflichtet  auch  dafür,  daß
durch  dessen  Vermittlung  nach  dem  japanischen  Kriege  die  Provinz
Liaotong  dem  chinesischen  Besitz  erhalten  wurde.  Im  Sinne
dieses  Dankgefühls  hat  China  in  der  Erledigung  der  Kiautschon—
Angelegenheit  den  deutschen  Wünschen  bereitwilligst  Rechnung
getragen  und  die  dortige  Garnison  nach  Chefoo  verlegt.  Seit
dem  Abschluß  des  Kiantschon-Pachtvertrages  sind  denn  auch  alle
Meinnungsverschiedenheiten  zwischen  den  beiden  Regierungen  völlig
geschwunden.
Dann  heißt  es  mit  Bezug  auf  meinen  Zirkularerlaß,  meine  diplomatische
Arbeit,  die  bei  Herrn  Bebel  einc  wenig  freundliche  Beurteilung  gefunden  hat:
Es  wurde  von  Ew.  Exzellenz  die  öffentliche  Erklärung  abgegeben,
  daß  die  Befreiung  der  Gesandtschaften  und  die  Unterdrückung
  des  Aufstandes  der  Zweck  der  nach  Peking  entsandten
Expedition  sei,  und  daß  weder  die  Aufteilung  Chinas  noch  die
Verfolgung  von  Sonderinteressen  in  der  Absicht  der  verbündeten
Mächte  liege.  Ueberall  in  China  ist  dieser  Absicht  Ew.  Exzellenz
das  Dankgefühl  der  Beamten  und  der  Bevölkerung  entgegengebracht
  worden.  Hierdurch  ist  es  gelungen,  die  mit  den  Aufständischen
  sympathisierenden  Elemente  niederzuhalten  und  dadurch
die  militärischen  Maßnahmen  der  Verbündeten  im  Norden  zu
erleichtern.
Nun  betont  er  noch  ganz  besonders,  wie  er  nach  wic  vor  das  freundlichste
  Entgegenkommen  in  Deutschland  genießt,  und  wie  sehr  er  hofft,
die  früheren  Verhältnisse  baldmöglichst  ganz  wiederhergestellt  zu  sehen.  —
Also  unsere  Politik  gegenüber  China  ist  nicht  eine  unfreundliche,  eine
gransame  oder  harte.  Dieser  Brief  des  chinesischen  Gesandten  bedeutet
—  um  ein  Wort  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel  zu  gebrauchen  —  das
allerschärfste  Desaven  gegenüber  allem,  was  der  Herr  Abgceordnete  Bebel
über  unsere  Chinapolitik  gesagt  hat.

Nun  ist  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  wieder  zu  sprechen  gekommen
auf  die  Reden  Seiner  Majestät  des  Kaisers  in  Bremerhaven  und  in
Wilhelmshaven.  Dabei  ist  ihm,  gewiß  unwillkürlich,  eine  Verwechslung
untergelanfen;  denn  ich  habe  —  ich  glaube  es  war  am  Dienstag  :)  —
nur  gesprochen  von  der  Rede  Seiner  Majestät  des  Kaisers  in  Bremer-3)

  Vgl.  oben  S.  148  f.