Bauchfellentzündung. 501
wenn von letzteren eine Entzündung auf sie übergeht. Auch bei Durchbruch
von Eiter in die Bauchhöhle oder bei äußeren Verletzungen der Bauchdecken
kann eine Entzündung des Bauchfelles entstehen. Diese ist äußerst
schmerzhaft und gefährlich, weil sie zur Verklebung und Funktionslähmung
der Eingeweide führen kann. Es sammeln sich dann Gase in den Darmschlingen
an, ferner ausgeschwitzte Flüssigkeit in den Zwischenräumen; der
Bauch wird immer mehr aufgetrieben, die Atmung der Schmerzhaftigkeit
wegen immer oberflächlicher; das Fieber steigt, je mehr Eiter sich ansammelt;
der Kohlensäuregehalt des Blutes nimmt zu. Der Puls steigt auf 120 bis
140 Schläge; der Kranke wird bläulich und geht unter zunehmender Bewußtlosigkeit
zugrunde. Die heftigen Fälle enden in drei bis sechs Tagen; andere
schleppen sich wochenlang dahin, und wenn nicht starke Infektion vorliegt
(also durch Ansteckung übertragene Entzündung), welcher oft kein Organismus
widerstehen kann, so findet bei unserer Heilmethode immer Ausheilung statt.
Für die Frauen hat die Bauchfellentzündung
noch besondere Bedeutung;
Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke
stehen mit dem Bauchfell in inniger Berührung;
Einspritzungen in die Gebärmutter,
Operationen an derselben, Untersuchung
von Wöchnerinnen mit unreinen
Händen und Instrumenten hatten ungezählte
Fälle von Infektionen zur Folge,
die mit tödlicher Bauchfellentzündung endeten. Es wurden durch solche Eingriffe
giftig wirkende Fremdstoffe eingeführt, welche bei vorhandenen Wunden,
wie bei Wöchnerinnen, deren innere Organe nach Abtrennung der Leibesfrucht
gleichsam eine große Wundfläche vorstellen, auf dem Wege der zahlreichen
Lymphbahnen dem Bauchfelle zugeführt wurden, wo sie eine heftige Entzündung
hervorriefen. Die neueste Zeit hat daher innere Einspritzungen mit Sublimat
und Karbol, welchen beiden Mitteln vor einigen Jahrzehnten in den Kliniken
viele Frauen zum Opfer fielen, innere Untersuchungen der Wöchnerinnen usw.
ganz abgeschafft; auch die Operationstechnik hat solche Fortschritte gemacht,
daß nach Bauchschnitt, um Gewächse zu entfernen oder die Gebärmutter herauszuschneiden,
nur äußerst selten Bauchfellentzündung entsteht. Eine Heilmethode,
welche solchen Eingriffen vorbeugt, gewährt aber sicher noch mehr Vorteile.
Behandlung. Bei den ersten Anzeichen einer Bauchfellentzündung
sorge man sofort für „Ableitung“ und Anregung der Ausscheidungsfähigkeit
des Körpers. Man reiche nur süße Molken, Haferschleim, Apfelsaft, auch
Zuckerwasser von Kandiszucker, um jede Kotansammlung im Darme zu verhüten
und den Kranken doch genügend zu ernähren, und mache ein Bettdampfbad
(siehe dieses), in welchem man ihn etwa zwei Stunden bei offenen
Fenstern „dunsten“ läßt. Dann werde er von zwei Personen über eine Wanne
Fig. 289. Bauchflasche in ein nasses
Tuch eingeschlagen.