5. Italien.
3. Jan. Cirrulardepesche Ricasoli's über die Tragweite der letzten Beschlüsse
des Parlaments und über die innere Lage des Landes:
„. .. Ich wage nicht, das mit so großer Mehrheit ausgesprochene Votum der
Kammer als ein Zeichen des Vertrauens in die Personen zu betrachten,
welche die Landesangelegenheiten leiten. Dieses Votum, und darin liegt
seine hohe Bedeutung, ist die ausdrückliche und wiederholte Sanktion eines
Programmes, welches die gesunde Vernunft und die Hoffnung als dasjenige
bezeichnet, welches allein Italien zu seinem Endziel führen kann, die Schwierigkeiten
unseres gerechten und ruhmreichen Unternehmens vermindert und
die öffentliche Meinung Europa's uns immer geneigter macht. Das Parlament
hat gezeigt, daß die italienische Nation, obschon zum Theil ein Neuling
in einem freien und eigenen Leben, dennoch weder der praktischen Klugheit
noch der Beharrlichkeit entbehrt, welche bisher ihre Schritte bei der
Erwerbung eines unabhängigen Vaterlandes bezeichneten und daß die Itallener
immer vereint nach demselben Ziele streben werden, ohne sich durch Hindernisse
und Opfer abhalten oder durch hochherzige Ungeduld antreiben zu lassen.
Dieses ist der wirkliche und wahre Sinn der neuesten Parlamentsbeschlüsse.
In der römischen Frage hat die Kammer nicht allein das Votum vom
27. März 1861 bestätigt, sondern noch verstärkt. Trotz der Schwierigkeiten,
denen wir begegneten, hat sie aufs Neue erklärt, daß Rom für die Einheit
und Ruhe Italiens nothwendig ist. Allein zu gleicher Zeit zog sie die Dokumente
in Betracht, welche die Regierung des Königs vorgelegt hatte, und
sprach sich dahin aus, daß die italienische Nation ihrer Religion aufrichtig
ergeben und bereit ist, mit größter Sorgfalt die sichersten Garantieen zu
geben, welche die katholischen Gewissen für die Würde und Unabhängigkeit
des hl. Vaters wünschen können. Nicht minder fest und gemäßigt hat sich
die Kammer in der venetianischen Frage erwiesen. Indem sie der
Sorgfalt des Ministeriums die Rüstungen empfahl, wollte sie damit keinen
voreiligen Konflikt provoziren, sondern nur Europa kund geben, daß JItalien
seine Kräfte in Einklang bringen wolle mit den Erfordernissen der Lage,
und im Uebrigen den abwägenden Berathungen der Regierung die Beurtheilung
der Konjunkturen und der Mittel überlasse, die ihr günstig erscheinen
könnten, um in wirksamer Weise die Revindikation dieses Theiles des italienischen
Landes zu betreiben.. Jenes Heer, welches nach der Behauptung
unserer Gegner unmöglich zusammenzubringen oder zu halten wäre,
weil es aus verschiedenen Elementen gebildet ist, beweist durch brüderliche
Einigkeit, Instruktion und Disciplin, daß die Italiener aller Provinzen zum
Waffendienst tauglich sind. Die Lasten endlich, welche unsere Finanzen
zu tragen haben, übersteigen die Mittel nicht, über welche die Nation zu
verfügen hat, und Italien wird in kurzer Zeit zeigen, daß es reich und
patriotisch genug ist, um allen Erfordernissen seiner nationalen Wiedergeburt
zu genügen. Wenn man daher einen unparteiischen Blick auf unsere Lage
und unser Verfahren wirft, wird man erkennen, daß Italien ernstlich seine
Unabhängigkeit konstruiren will und auch dazu befähigt ist. So ist unsere