Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

März  17.

258  1611  106.

nach  Gülich  kommen,  so  ist  dahin  geschlossen  worden,  man  kan  durch
dieses  werk  den  vorigen  spott,  so  sie  erlanget,  wiederumb  einbringen
und  dadurch  könte  auch  der  konig  in  Hispania  wegen  der  Niederländer,
  Holländer  und  Seeländer  gesichert  werden.“

IH.  Hauptfrage:  1.  Warum  hat  sich  Erzherzog  Leopold  unterfangen,
  die  jülichschen  Lande  zu  überziehen  und  was  hat  er  dabei  gesucht?
—  Als  der  Erzherzog  zum  ersten  mal  nach  Jülich  zieben  sollte,  haben
die  geheimen  Räte  einen  Eid  schwören  müssen,  die  Intention  niemandem
zu  entdecken;  ihm,  T.,  hat  der  Erzherzog  davon  erst  auf  der  Reise
zu  Pilsen  geredet;  dann  ist  T.  von  Leopold  zum  König  von  Frankreich
geschickt  worden,  damit  sich  derselbe  der  jülicher  Sache  nicht  annehme.'
2.  Als  T.  nach  Spanien  geschickt  wurde,  was  sollte  er  dort  im  Namen
des  Erzherzogs  anzeigen?  —  Der  König  möge  darauf  achten,  dass
die  jülichschen  Lande  nicht  Brandenburg  und  andern  in  die  Hände
fielen,  da  diese  mit  den  Holländern  verbündet  und  des  Königs  Feinde
wären.

III.  Hauptfrage:  1.  Weshalb  und  auf  wessen  Geheiss  ist  das
passauer  Volk  in  Oberösterreich  eingefallen  und  wie  wollte
es  hier  seinen  Zweck  erreichen?  —  ‚Sie‘  haben  alle  Mittel  gesucht,
wieder  zu  den  Ehren  zu  kommen,  die  sie  zu  Jülich  verloren  hatten,
darum  hätten  sie  sich  gerne  mit  dem  elsässer  Volk  vereinigt.  Einige
rieten,  den  Weg  durch  das  Land  des  Kurfürsten  von  Sachsen  zu
nehmen  (der  an  der  jülicher  Sache  sehr  interessiert  war),  aber  Althan
riet  nach  Tirol  und  sagte,  der  Durchzug  solle  und  könne  durch  Tirol
geschehen,  da  in  der  Kapitulation  stehe,  der  König  solle  sich  gegen  den
Kaiser  wegen  dieser  Länder  als  ein  Lehensmann  verhalten.  2.  "Warum
haben  die  Passauer,  da  sie  bei  Baiern,  Salzburg  und  anderen  den  Pass
suchten,  ohne  ihn  zu  erhalten,  ihn  nicht  auch  zuvor  bei  König  Matthias
gesucht?  —  T.  hat  sich  den  Pass  durch  des  Königs  Land  nie  belieben
lassen.  3.  War  es  nicht  Absicht  der  Passauer,  sich  Oberösterreichs  zu
bemächtigen?  —  T.  weiss  davon  nichts  und  für  andere  kann  er  nicht
antworten.  4A.  War  nicht  ihre  Absicht,  Matthias  nicht  nur  um  die
Designation  zur  böhmischen  Krone  sondern  auch  um  die  Erbländer
und  Ungarn  zu  bringen?  —  T.  „Lest  es  in  diesem  artikel  bei  seiner
vorigen  aussage  verbleiben:  es  sei  dem  also  und  weis  nicht  anders,
der  kaiser  sei  auch  genzlichen  derselben  intention  gewesen,  und  solches
hette  der  graf  von  Sulz,  der  von  Althaim  und  andere  gerathen;  und
welche  personen  mehr  von  den  rathschlägen  gewust  und  gerne  gesehen
hetten,  dass  man  diese  intention  also  aussführen  möchte,  die  habe
er  vorhin  in  seiner  dritten  aussage,  so  den  14.  martii  geschehen,
mit  namen  genennet.“‘?  5.  Wollten  sie  nicht  auch  die  Böhmen  um
den  Majestätsbrief  bringen?  —  T.  weis3  es  nicht  und  lässt  es  andere
verantworten,

ı  Vgl.  A.  Gindely,  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  S.  38.
®  Vgl.  Tengnagels  dritte  Aussage  in  no.  101,  8.  249.