Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

46  Schlacht  bei  Wörth.

aus  noch  einen  letzten  verzweifelten  Versuch,  durch  wüthende  Kavalle—
rieangriffe  die  Deutschen  wieder  in  das  Thal  hinabzuwerfen,  aber  die
stolzen  Panzerreiter  sanken  wie  die  Halme  des  Feldes  unter  dem  ver—
nichtenden  Feuer  der  deutschen  Batterien.  Kurz  nach  3  Uhr  wurde
Fröschweiler  vom  5.,  11.  Korps  und  den  Würtembergern  zugleich  ge—
stürmt,  Tausende  von  den  niebesiegten  Franzosen  wurden  gefangen,
und  der  berühmte  Herzog  von  Magenta  eilte  mit  den  Resten  seines
Heeres  in  wilder  Flucht  nach  Reichshofen.

Doch  auch  hier  jagte  ihn  preußische  und  würtembergische  Kavallerie
wieder  auf,  und  große  Beute  wurde  von  den  flinken  Reitern  gemacht.
Das  Zelt  des  Marschalls,  seine  Orden,  die  Kriegskasse  mit  einer
Viertelmillion  fiel  in  ihre  Hände.

Die  Deutschen  bezahlten  den  herrlichen  Sieg  mit  einem  Verlust
von  3500  Todten  und  Verwundeten,  die  Franzosen  verloren  das
Doppelte,  und  außerdem  10000  Gefangene.  Einige  vierzig  Geschütze,
6  Mitrailleusen  und  zwei  Adler  fielen  in  die  Hände  der  Sieger.
Das  ganze  Korps  des  Marschalls  war  völlig  zersprengt,  kaum
8000  Mann  brachte  er  wieder  zusammen,  und  erst  in  Chalons  sam—
melten  sich  die  Reste  dieser  algerischen  Kerntruppen,  mit  welchen  Napoleon
  seinen  Spaziergang  nach  Berlin  hatte  unternehmen  wollen.

Das  ganze  Elsaß  lag  zu  den  Füßen  des  Siegers,  und  mit
Jubelruf  marschirte  König  Wilhelms  tapferer  Fritz  weiter,  immer
tieser  in  das  Herz  des  stolzen,  gedemüthigten  Frankreich  hinein.

Doch  nicht  für  den  Kronprinzen  allein  war  der  6.  August  ein
leuchtender  Ehrentag,  auch  andre  preußische  Regimenter  hatten  an
demselben  Tage  sich  mit  herrlichem  Ruhme  bedeckt,  und  zwar  an  demselben
  Orte,  wo  vier  Tage  früher  der  Kaiser  Napoleon  zu  Ehren
seines  Jungen  jenes  elende  Theaterspiel  hatte  aufführen  lassen,  welches
jedem  Sachkundigen  nur  ein  verächtliches  Achselzucken  abgewinnen
konnte.  «

Die  Stadt  Saarbrücken  war,  wie  schon  oben  gesagt,  von  Preu—
ßen  nur  schwach  besetzt  gewesen,  weil  man  noch  nicht  genug  Truppen
zur  Hand  hatte,  um  starken  französischen  Abtheilungen  mit  Erfolg  die
Spitze  bieten  zu  können.  In  der  Zeit  vom  2.  bis  4.  August  vollzog
sich  jedoch  der  Aufmarsch  unserer  1.  und  2.  Armee  in  großartigem