Contents : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

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bei  Luther  und  späteren  norddeutschen  Schriftstellern:
arme  und  füsze  wie  ein  gluu  erz  Dan.  10,  6  mit  der
Glosse  gluu,  hell,  klar,  polirt:  das  sie  glw  und  vein
wie  cin  spiegel  glenzen  Werke  5,  26147;  —  glühend:
dic  augen  rot  und  glw  funkeln  Ausleg.  der  Epist.  1514;
der  ofen  ist  sluh  Bürger  neuseeländ.  Schlachtlied;  cin
feuerbrand  vom  waldbaum  gluh  Freiligrath  2,  232;
im  dichten  staub  und  pulverrauch,  wo  gluh  und  aschig
jeder  hauch  Droste  415.  —  glühen,  in  Glut  siehen
und  setzen,  gemeingermanisches,  nur  gothisch  nicht  bezeugtes
  Wort  ohne  sichere  Urverwandte,  altnord.  gloa,
altengl.  glöwan,  ahd.  gluoen,  cluojen,  mhd.  gluen,
gluejen;  1)  intrauf.,  von  Feuer  durchdrungen,  in  höchster
Hitze  sein:  diu  kraft  des  fiures  gat  in  den  stein,  dazg
er  rehte  gluegende  wirt  Myst.  1,  296;  daz  wan  gluend
gluot  mit  des  poumes  aschen  bedecket  Megenberg
325,  22;  eine  gluende  kole  Jes.  6,  6;  messing,  das  im
olen  gluet  Offenb.  1,  15;  in  den  gluenden  olen  geworsen
  Dan.  3,  6;  gluhender  brand,  gluehend  eisen
Henisch;  zu  asche  gluhn  die  flammen  Geibel  1,  60;
kochend  wie  aus  ofens  rachen  gluhn  die  lufte  (bei
einer  Feuersbrunst)  Schiller  Glocke  199;  es  gluhte
der  mittag  Stolberg  1,  91;  bildlich  von  leuchtenden
Farben:  das  morgenrot,  abendrot  gluht;  vo.  im
dunkeln  laub  die  goldorangen  gluhn  Goethe  W.  Meister
3,  1;  von  Körperteilen  in  Empfindung,  Erregung,  Krankheit:
  gluhende  ungen,  wangen,  gesichter,  hände;  die
vollen  ndern  gluhn  Laune  des  Verliebten  8;  die  gluhende
wange  der  freude  zu  bleichen  Schiller  Kab.  3,  4;  sanft
gluhten  die  bethauten  wangen  Künstler  207;  zum  tauben
himmel  fleht  ihr  gluhend  angesicht  Zerst.  Trojas  71;
ihre  blicke  gluhn  zusammen  Heyse  3,  133;  ihre  stirnen
gluhn  Freiligrath  2,  130;  von  dem  Sitz  der  Emfindung
  und  dieser  selbst:  er  solde  heim  ze  der  Gwegen
heimucike,  dar  sin  gedanc  ie  gluete  Servatius  1626;
hütte  meine  scele  nicht  gegluht  (vor  Zorn)  Goethe
Tasso  2,  4;  un  dieser  gluhenden  brust  soll  mein  berz
wieder  erwarmen  Schiller  Fiesko  1,  10;  (daß)  zürtlich
  noch  die  herzen  gluhn  Klage  der  Ceres;  aus  allem,
was  ich  von  ihm  gelesen  habe,  gluht  einc  warme  scele
heraus  JMosen  Brief  1837;  dann  will  ich,  dasz  in
glohnden  rausch  Scheherezade  dich  versetzt  Freiligrath
  1,  169;  ein  gluhendes  luslgefuhl  Wildenbruch
  Nov.  76;  vom  Menschen  selbst:  so  gluhet  fröhlich
heute  Goethe  Bundeslied;  fantasie  gluhender  poeten
Schiller  2,  341;  wie  du  jetet  gluhst:  WHauf
10,  38;  mit  Augabe  des  Grundes  oder  Zweckes  einer
solchen  Empfindung:  er  gluht  vor  eifer,  begeisterung:;
sein  volles  auge  gluhte  von  mutb  und  hoffnung  Goethe
Iphig.  1,  4;  dic  heiszen  lippen  gluhten  nach  mehr
(Küssen)  Laune  des  Verliebten  8;  (ein  Herz)  gluht  four
der  ahnen  gesetze  Schiller  Spaz.  77;  mein  herz  gluht,
an  dem  seinigen  zu  schlagen  Jungfr.  1,  2;  dafür  dichterisch
  mit  Acc.:  sein  auge  gluht  zorn,  mut;  da  kömnn
er.  .  Eluht  heitre  freude  Lessing  Nath.  3,  7.  2)  tranf.,
glühend  machen:  gluejen  ..  muoz  eg  (das  Eisen)  sich
läzen  Barl.  211,  26;  eisen,  silber  glüben  bei  Schmieden
Adelung;  vgl.  durchglumen.  —  In  Zusammensetzungen:
  Gübbserct,  n.  nur  glühendes  Feuer,  unterschieden
  vom  tlammenscucr.  —  Glühhitze,  k.  aize  eines
Körpers,  daß  er  glüht;  eisen  in  gluhbitze;  bildlich:
die  gluhbitze  ihres  hasses  Döllinger  acad.  Vorträge
1,  339.  —  Glühofcn,  m.  Ofen  zum  Glühen  von  Körpern.
  —  Glühwein,  m.  gewürzter  heißer  Wein,  der  den
Körper  durchglühen  soll.  —  Glühwurm,  m.  Leuchtwurm.

Glummen,  für  glimmen  (s.  d.):  glimmen,  glummen,
tunkel  leichten  Henisch;  ein  glummend  tocht  Luther
von  der  Winkelmesse  1531;  mit  Umlaut:  das  glumende
tocht  Matth.  12,  20.  Dazu  als  Iterativ  glumscu,  schwach
fortglimmen:  gewurz  welches  auf  ein  wenig  kolen  glumsct
B.  d.  Liebe  1914  (auch:  von  dem  glunsenden  feuwer  185,);
noch  jetzt  in  gewöhnlicher  Rede:  das  feuer  glumst  nur.

glühen  —  glumsen.

Glut  —  Gnade.  1214

Elnt,  f.  sehr  hoher  Grad  von  Hitze,  ahd.  mhd.  gluot,
altengl.  glẽd;  in  älterer  Spr.  gern  bezogen  auf  die
Träger  derselben,  die  glühenden  Kohlen:  sol  einen  napt
vol  glut  vom  altur  nemen  3.  Mos.  16,  12;  es  schmidtt
einer  das  eisen  in  der  zangen,  erbeitet  in  der  glut
Jes.  44,  12;  eine  glut  ..  dabei  man  sich  werme  17,  14;
glut,  gluhend  kol  Henisch;  auch  in  neuer  Spr.  noch,
in  der  Haushaltung  den  topf  auf  dic  glut  setzen,  kartoffeln
  in  der  glut  braten,  bichterisch:  du  schurest  gluth
auf  gluth  Goethe  Tasso  2,  3;  dasz  ich  ..  dir  die
kustanien  aus  den  gluthen  kratze  Faust  II  1;  —  den
Zustand  bezeichnend:  es  brennet  liechter  lohe  und  beller
glut  Luther  von  den  Jüden  1543;  zu  neuer  glut  fachst
du  die  flammen  an  Grillparzer  3,  227;  der  sonne
glut;  auf  Empfindungen,  und  das  was  sie  verrät,  übertragen:
  ir  (der  Liebe)  glut  ist  fewrig  Hohel.  d,  6;  scht
da  die  verse,  die  er  schrieb  und  seine  glut  gesteht
Schiller  Gang  nach  d.  Eisenh.;  dein  auge  (ist)  gluth
Grillparzer  2,  11;  der  lippen  fleberische  gluth  56;  dic
flammende  gluth,  die  mir  .  die  wangen  bedeckt  4,  87;
einen  in  glut  bringen,  setzen,  eincs  glut  anfachen;  die
heilige  glut  der  begeisterung;  im  Plur.:  von  der  lust,
die  drückend  schwer,  stehn  die  wangen  ihr  in  glulen
Keller  Werke  10,  86.  —  Zusammensetzungen:  glutheiß,
  klühend  heiß:  mit  des  danks  gluthheiszer  khrüne
Hofleist  Käthchen  v.  Heilbr.  5,  11.  —  Glutpsanne,  k.
Pfanne  mit  glühenden  Kohlen.  —  gintrot,  rot  wie  Glut
oder  Glühendcs.  Z„

Gnade,  k.  Neigung,  Herablaung  im  Gothischen
und  Altenglischen  nicht  vorhandenes  Wort,  altnord.  nãd,
Plur.  nähir  Gnade  und  Ruhe,  altsächs.  näba  und  ginäha
Hilse,  Huld,  ahd.  ginäda,  auch  schon  gnäda,  mhd.  genüde
und  gnäde;  zum  Verbum  goth.  nipan  beisthen  gestellt,
als  dessen  sinnliche  Bed.  neigen,  sich  nicderbeugen  augenommen
  wird,  weil  im  Subst.,  nicht  nur  im  Nordischen,
sondern  auch  mhd.  der  Begriff  auch  der  Nuhe  sich  zeigt,
in  Wendungen  wie:  daz  si  (die  Menschen)  an  dem
sunnen  tage  gräde  unt  reste  haben  Geunesis  in  den
Fundgr.  2,  16;  unz  ich  den  nicht  vunden  hän,  8so
muog  ich  gnäde  und  ruowe  län  Iwein  5946;  namentlich
  in  der  Formel  din  sunne  get  ze  genüdeen  (=  zur
Ruhe,  unter,,  die  sich  noch  im  älteren  Nhd.  vielfach  fortsetzt:
  alsbuld  die  sonn  zu  gnaden  gangen  war  B.  d.  Liebe
125  ;  nun,  schau.  die  sonn  zu  gnaden  gent  Spee
Trutn.  143.  Sonst  ist  die  Bed.  in  der  neueren  Spr.

mehr  als  in  der  älteren  verengt,  —  herablassende  Gewogenheit:

  1)  Gottes  gegen  Menschen:  zumene  gotliche
gnade  Die.;  ich  wil  singen  von  der  gnade  ics  herrn
ewiglich  Ps.  99,  2;  in  verengtem  theologischem  Sinne:
das  gnade  eigentlich  heiszet  gottes  hulde  oder  gunst,
die  er  zu  uns  treget  bei  sich  selbs,  aus  welcher  er  geneiget
  wird,  Christum  und  den  geist  mit  seinen  guben
in  uns  zu  gieszen  Luther  Vorrede  auf  die  Epistel  an
die  Römer;  gottes  gnade  war  bei  jm  Lunc.  2,  40;  die
ghade  unsers  herrn  Ihesu  Cbristi  Röm.  16,  20;  es  is!
das  heil  uns  kommen  her  aus  gnad  und  lauler  gule
Wackernagel  Kirchenl.  3,  31;  der  dem  solche  Gabe  zu
teil  geworden,  ist,  stcht  in  der  gnade,  bei  ihm  ist  die
gnade  zum  durchbruch  gekommen;  stand,  zeit,  reieh
der  gnade,  u.  a.  2)  des  Menschen  gegen  Menschen,  in
älterer  Spr.  auch  des  Glcichen  gegen  Gleichen,  Gunst:
sit  nieman  min  genäde  büt  Walther  55,  7;  balten
genade  bei  dem  ganzen  volk  Ap.  Gesch.  2,  17;  auf  gnade
arbeiten,  bei  Handwerlsgesellen,  gegen  das  was  ihm
der  Meister  zutwillg  gibt  Adelung;  im  Mhd.  das
einfache  ge#näcle  als  Bitt=  oder  Danksormel,  vgl.  guaden;
—  besonders  aber,  wie  jetzt  allein,  des  Höheren  gegen
den  Niederen:  nieman  denne  got  und  die  herren  gnäde
tün  mogen  Kulmer  Recht  3,  56;  der  fursten  gnade  misbrauchen
  Stücke  in  Esther  6,  2;  sein  (des  Königs)  gnade
ist  wie  ein  abhendregen  Spr.  Sal.  16,  15;  es  heißt  um
gnade,  gnade  bitten  (Jer.  14,  11.  1.  Macc.  13,  15),  gnade