Auf diese Weise hatte Gregor erreicht, was er bezweckte:
1. daß der Papst sich von dem Kaiser faktisch
emanzipierte; 2. daß der Kaiser die Bischöfe nicht einund
absetzen konnte, wie er wollte; 3. daß der Papst das
Recht, über den Kaiser die Exkommunikation auszusprechen,
durchsetzte.
Nun kam es zum Kriege, in welchem der Kaiser nach
Rom ging und den Papst verjagte (1084). Gregor flüchtete
sich sodann zu den Normannen und starb bald darauf,
mit den Worten: „Morior in exilio, quia justitiam
dilexi.‘“
Sein Nachfolger Urban II. führte die päpstlichen Ansprüche
erst vollends durch. Roms Anhänger in Deutschland,
die viel stärker waren als in Italien, stellten zwei
Gegenkönige auf, zuerst Rudolf von Rheinfelden, und
nachdem dieser getötet worden war, Hermann von
Luxemburg, welch letzterer eine gewisse Autorität in
Norddeutschland erlangte. Nachdem auf einem Konzil
zu Quedlinburg die hierarchischen Ansprüche volle
Anerkennung gefunden hatten, gelang es dem Papste
sogar, den Sohn Heinrichs IV., den nachmaligen Heinrich
V., für sich zu gewinnen. Dieser stellte sich am
Ende, damit nicht die ganze Autorität des Hauses in
Trümmer gehe, an die Spitze der Opposition gegen
seinen Vater und nötigte denselben, ihm die Krone ab»
zutreten.
Dadurch wurde die ganze Lage der Dinge verändert:
das Kaisertum war zwar nicht unterdrückt, behauptete
aber nicht mehr jene unbedingte Höhe, die es unter den
Ottonen und noch mehr unter Karl dem Großen eingenommen
hatte. Der Papst spielte jetzt die erste, der Kaiser
nur mehr die zweite Rolle.
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