Volltext : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Das  Corpus  Inscript.  Graec.  und  die  Aristoteles-  Ausgabe  (1820-1830).  725

liches  Privileg  geschützt  zu  sehen,  ALTENSTEIN  schlug  jedoch  das
Gesuch  ab  (14.  Januar  1828):  die  grösste  Verbreitung  des  sicheren
Textes  sei  wünschenswerth,  übrigens  könne  ja  die  Akademie  selbst
sofort  Handausgaben  veranstalten.  Tangsaın  wurde  seit  dem  Jahre
1827  gedruckt;  über  den  Index  verhandelte  man  bereits  im  Jahre
1829/30,  und  BEkkER  wurde  ermächtigt,  junge  Gelehrte  heranzuziehen,
  um  ihn  möglichst  schnell  herzustellen.

Aber  diese  Unternehmungen  und  andere,  welche  die  Akademie
unterstützte',  sowie  die  spärlichen  Gutachten,  zu  denen  sie  aufgefordert
wurde’,  füllten  ihr  Interesse  nicht  aus.  Dieses  war  vor  Allem  durch

ı  Seit  1826  erhielt  Grarr  Unterstützungen  für  die  Ausarbeitung  eines  deutschen
  Wörterbuches;  300  Thlr.  wurden  Borr  (1826)  bewilligt  zu  einer  auf  die
Herauswabe  des  indischen  Gedichts  Maha  -  Bharata  sich  beziehenden  Reise  nach  London.
  In  demselben  Jahre  kaufte  die  Akademie  die  Zusammenstellung  der  seit  100  Jahren
  in  Berlin  gemachten  meteorologischen  Beobachtungen  von  MäÄpLer  (im  folgenden
  Jahr  überreichte  ihr  MÄpLer  seine  meteorologischen  Beobachtungen  aus  den
Jalıren  1800-1825  und  wurde  dafür  honorirt)..  Auch  von  den  Erben  Gronau's
wurde  die  von  ihm  nachgelassene  Samınlung  meteorologischer  Beobachtungen  (1827,
für  den  Preis  von  200  Thlr.)  gekauft.  Für  die  ıneteorologischen  Versuche  PocsEx-DoRFF’s
  wurden  zahlreiche  Instrumente  angeschaflt  (1827)  und  ihm  gestattet,  seine
Beobachtungen  in  den  von  ihm  (1824)  gegründeten  »Annalen  der  Physik  und  Cheimie«
abzudrucken.  Zu  den  magnetischen  Versuchen  SEEREcK's  wurden  zweimal  je  400  Tlıaler
  bewilligt.  Der  »Privatgelehrte  Hr.  Sreinere  erhielt  eine  Unterstützung  von
300  Thlr.  zu  den  Druckkosten  seines  Systems  der  synthetischen  Geometrie  (1827).
Zur  Anschaffung  chemischer  Instrumente  und  Materialien  wurde  Mirschertica  die
Summe  von  1335  Thlr.  bewilligt  (1827.  1829).  Zur  Herausgabe  seiner  Abbildungen
etruskischer  Denkınäler  erhielt  Prof.  Grruarp  in  Rom  700  Thlr.  —  Für  die  Reise
des  Sohnes  des  Secretars  Irsman,  GEorG  Aporpa,  nach  Brasilien  scheint  die  Akademnie
  Mittel  nicht  bewilligt  zu  haben.  Er  sandte  aber  seine  wissenschaftlichen
Beobachtungen,  besonders  die  magnetischen,  der  Akademie  ein;  s.  Abhandlungen  1830
S.1II.  —  In  das  Jahr  1829  fällt  die  Gründung  des  Archäologischen  Instituts,  hauptsächlich
  durch  Bunsen’s  Bemühungen,  der  den  Kronprinzen  von  Preussen  dafür
zu  interessiren  wusste.  Es  ist  bezeichnend,  dass  die  Akademie  an  dieser  grossen,
zukunftsreichen  Schöpfung  ursprünglich  gar  nicht  betheiligt  gewesen  ist.  Nırrunr
hatte  sich  nicht  in  Rom  heimisch  zu  machen  verstanden  —  er  hatte  es  übrigens
bereits  seit  mehreren  Jahren  verlassen  —,  und  die  Philologen  der  Akademie  waren
keine  Archäologen  und  wussten  die  Bedeutung  der  Autopsie  und  des  unmittelbaren
Studiums  der  Denkmäler  nicht  zu  schätzen.  Die  Direction  des  Archäologischen  Instituts
  bestand  ursprünglich  aus  dem  Herzog  von  Bracas,  Bunsen,  FEA,  GERHARD,
Krsrxer,  MiıLLıngEen,  Nıppy,  PAnorkA,  THORWALDSEN  und  WELCcKER;  vergl.  (MicHaAr-Lıs)
  Geschichte  des  deutschen  archäologischen  Instituts  1829-79.  Berlin  1879.

?  Im  Jahre  1829  z.B.  (19.  Januar)  schrieb  Arrensteın  an  die  Akademie:
»Des  Königs  Majestät  haben  mittelst  Kabinetsordre  vom  1.  December  eine  Commission
  zur  Prüfung  militärwissenschaftlicher  und  technischer  Gegenstände  anzuordnen
  geruht,  und  des  Hrn.  Kriegsministers  Excellenz  hat  mir  den  Wunsch  geäussert,
  dass  diese  Commission  zur  möglichst  vollständigen  Erreichung  ihres  Zwecks
die  Gutachten  auch  der  Mitglieder  der  Königlichen  Akademie  der  Wissenschaften