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same in ihrer Lage, daß sie durch ihre weite Entfernung
von der offenen See vor Seeangriffen geschützt und
landseitig durch breite, überschwemmbare Marschflächen
verteidigt werden. So wurden Antwerpen und
das noch leichter zu verteidigende Amsterdam zugleich
zu den Mittelpunkten der Landesverteidigung. Antwerpen
hat in der Verteidi ung vor Ansterbam den
geoßten Vorzg, als Basis für ngriffe den schweren
achteil, daß die Schelde internationalisiert und an
der Mündung durch den befestigten holländischen
Hafen Blissingen gesperrt ist.
Verkehrsgeographisch weitaus am wertvollsten sind
die Küsten der Deutschen Bucht. Inrechtem Winkel
dringt hier das Meer tief in das Land ein und nähert
sich so sehr der Ostsee, daß hier beide Meere durch
einen Seekanal verbunden werden konnten. Der
Dünenwall ist unterbrochen und fehlt zum Teil vollständig.
Drei Ströme, Elbe, Weser und Ems, verdinden
das Hinterland mit der Küste, und da ihre
Sinkstoffmengen unvergleichlich geringer als die des
Rheins sind, so vermögen die in der Helgoländer
Bucht neu verstärkten Gezeitenströmungen die unteretauchten
Flußmündungen offen zu halten, und Seescheffe
können ihre Last tiefer in das Land hineinführen
als sonstwo an den niederdeutschen oder großbritannischen
Küsten. Großartige Flußregulierungen
haben noch beigetragen, die natürlichen Verhältnisse
u verbessern. 90 km vom Meere ist am größten der
lüsse, der die besten Fluß- und Kanalverbindungen
nach dem Hinterlande beut und im innersten Winkel
der Bucht mündet, der größte deutsche Seehafen Hamburg
entstanden, der heute mit Altona, Harburg und
den anderen Vororten 1¼ Mill. Einwohner zählt.
Ebenfalls weit im Lande liegt die Viertelmillionenstadt
Bremen, dessen am Meer gelegener Vorhafen
Bremerhaven mit den angrenzenden Städten Geestemünde
und Lehe es auch auf nahezu 100000 Einwohner
gebracht hat. Am kleinsten der Flüsse, an der
Ems, liegt auch die kleinste Seestadt der Deutschen
Bucht, Emden. So liegen die deutschen Welthäfen
sicher vor feindlichen Flottenangriffen geborgen.
Aber nicht nur die Haupthäfen, sondern die ganze
Flachlandküste bietet feindlichen Angriffen große
Schwierigkeiten. Ein flaches, sturmreiches Meer mit
starken Strömungen und häufigen Nebeln lagert sich
vor, an Belgiens Küsten erschweren zahlreiche, fast
parallel der Küste gerichtete seichte Bänke noch mehr
die Annäherung, zumal wenn im Kriege die Leuchtfeuer
gelöscht und Tonnen und Baken eingezogen
sind. So vermochten sich größere feindliche Sces.
einheiten bis heute nicht der nunmehr im schützenden
Dünensande schwer befestigten belgischen Küste zu
nähern. Das seichte Wattenmeer vor der deutschen
Küste mit seinen gewundenen schmalen Fahrwassern
ist vollends nach Verlöschen der Feuer und Einziehen
der Seezeichen für den des Fahrwassers Unkundigen
nicht zu befahren. Bieten so diese Küsten und namentlich
die Deutsche Bucht günstige natürliche Verhältnisse
für die Verteidigung, so gilt doch nicht dasselbe für
en seewärts zu tragenden Angriff. Eine Flottenverschiebung
kann nur angesichts des Feindes vorgenommen
werden; ein überraschendes Vorbrechen von unerwarteter
Stelle ist ausgeschlossen. Die für große
Schiffseinheiten benutzbaren Mündungen der Elbe,
Weser und des Jadebusens, der den deutschen Hauptkriegshafen
Wilhelmshaven birgt, münden in nächster
Nachbarschaft, und die ebenfalls brauchbare, weiter
entfernte Ems ist durch ihre Mündung an der hollän-II.
Kriegsgeographie und Kriegsgeschichte
dischen Grenze sehr entwertet. Auch können von hier
zu den anderen Häfen Verschiebangen nur über die
offene Nordsee vorgenommen werden. denn das Vait
ist hierfür viel zu seich. Diesen großen strategischen
Nachteil machen die starken Befestigungen der Felseninsel
Helgoland und die Werke der friesischen Inseln
nur teilweise wett. Denn in ihrem Säuze vermag
zwar auch eine große Flotte den taktischen Aufmarsch
unbemerkt vom Feinde zu vollziehen und dann nach
eigener Entschließung west- oder nordwärts vorzugehen;
aber es ändert sich dadurch nichts an der äußerst
ungünstigen Tatsache, daß der Feind genau weiß, die
deutsche Flotte muß aus diesem Winkel kommen und
muß immer wieder dorthin zurückkehren.
Viel mannigfaltiger sind die großbritannischen
Nordseegestade gestaltet, da die Küste hier abwechflungsweist
weichere und härtere Gesteinsschichten anschneidet.
Von felsigen Kliffen gegltrtete Landvorsprünge
bezeichnen jene Strecken, wo härtere Gesteine
mit rasch ansteigenden Höhen ans Meer treten; von
flachem Strande umgebene Buchtungen oder auseglichene,
in starkem Abbruch befindliche niedrige
liffküsten treffen wir im den weicheren Gesteinen.
Nördlich der von Kreidekliffen umsäumten Straße
von Dover, die der durch Molenbau künstlich geschaffene
befestigte Hafen von Dover beherrscht, dacht
sich das Londoner Tertiärbecken sanft gegen die Hoofdenbucht
ab. Seine Hauptsammelader, die Themse,
Englands bedeutendster Fluß, hat nicht vermocht, die
BuMcht, *3 in das Land eindringt, zu füllen, während
der Rhein gegenüber diese Arbeit längst vollbracht
hat. So greift hier heute noch die Nordsee mit
der Themsebucht 23 Seemeilen (sm) weit in das Land
hinein, und neben der Themse gewähren noch eine Reihe
kleinerer untergetauchter Flüsse den Schiffen die Möglichkeit,
noch tiefer in das Becken vorzudringen. Aber
der Themse gebührt der Vorrang nicht nur wegen ihrer
Größe, sondern auch deshalb, weil die tieferen, von
den * ausgefurchten Fahrwasser, die sich zwischen
den zahlreichen Sandbänken der Bucht hinziehen, alle
gegen ihre Mündung zielen und im innersten Winkel
der Bucht, wo die Themse mündet, die Gezeiten die
größten Beträge erreichen. Dort, wo die vom Kontinent
kommende Straße, die zwischen Calais und Dover
den Kanal übersetzt, die Themse erreicht und feste Ufer
das Ausstrahlen von Straßen nach allen Landesteilen
er#möglichen, erwuchs London, die Hauptstadt
des britischen Weltreiches. Bei Flut, die an der London
Bridge 6,8 m Hubhöhe hat (Hamburg 2/ m),
vermögen selbst die größten Seeschiffe bis hierher.
mehr als 70 sm von der offenen Nordsee, zu gelangen.
Durch seine Lage ist London ebenso wie unsere Seestädte
gegen einen Flottenangriff geschützt. und die
Themsebucht bildet mit ihren stark veränderlichen
Sanden und den mit den Winden rasch wechselnden
Wasserständen ebenfalls ein sehr schwieriges Fahrwasser,
wenn die 14 Leuchtschiffe ihren Platz verlassen
Zum Schutze Londons sind die englischen Verteidigungsmaßnahmen
in hohem Grade auf das Themseecken
konzentriert. Zwei Flankenstellungen, der
Kriegshafen Sheerneß und die Marinewersten und
Arsenale von Chatham auf der Südseite der Themsebucht
sowie der Kriegshafen Harwich an der Nordseite,
alle an untergetauchten Tälchen gelegen, dienen
diesen Zwecken. An der Themse selbst liegen unterhalb
London die großen Artilleriearsenale von Woolwich.
Dagegen dienen Southend an der Themsemündung
und die am Eingang zur Bucht an einem Kreidefelsen