Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Euruarp  WEIGEL'S  Verdienste  ımn  die  Begründung  der  \kademie.  65

werde‘.  Viele  Gelehrte  waren  für  diesen  Plan  gewonnen,  auch  die
Höfe  wurden  bereits  angegangen.  Schr  merkwürdig  ist  das  Gutachten
  Leissizens  vom  Jahre  1697°.  Die  Verbesserung  des  Kalenders
  will  er  mit  der  Aufrichtung  der  Societät,  deren  Namen  er  übrigens
  beanstandet,  nicht  vermengen;  auch  der  Societät  etwas  andere
Aufgaben  stecken;  vor  allem  aber  erkannte  sein  politisch  geschultes
Auge,  dass  ein  allgemeines  Reichs-Collegium,  mit  jenem  Monopol
ausgestattet,  bei  der  Zersplitterung  Deutschlands  undurchführbar
sei;  denn  jeder  einzelne  Reichsstand  hätte  ja  dann  »über  Privilegia
Imperatoria  nachdrücklich  zu  halten«,  dazu  aber  waren  sie  alle  viel

zu  selbstsüchtig  und  kurzsichtig.  Er  schlägt  daher  —  merkwürdig
genug  —  eine  Art  wissenschaftlichen  Bundesraths  für  Deutschland

vor;  »neben  einer  gewissen  Universal-  Anstalt  im  Reich,  einem  unter
Kais.  Majestät  allerhöchsten  Direction  stehenden  Collegio,  solle  die
Sache  zugleich  particulariter  besorgt  werden,  also  dass  Kais.  Majestät
in  ihren  Erblanden,  einige  der  Kur-  und  Fürstlichen  Häuser  und
andere  mächtige  Stände  oder  auch  ganze  Kreise,  jeder  für  sich  und
dero  Lande,  bei  der  Hofstadt  oder  an  einem  andern  vornehmen  Ort
ein  solches  Collegium  aufrichteten«.

\Welche  Einsicht!  Hier  war  ein  durchführbarer  Plan  geboten!
Diesen  Plan  hat  Leisnız  verfolgt.  Wenn  er  zuerst  in  Berlin,  dann
in  Dresden  und  anderswo  Societäten  aufzurichten  versuchte,  so  lag
stets  die  Absicht  zu  Grunde,  alle  diese  Stiftungen  allmählich  mit
einander  und  dann  auch  mit  den  ausserdeutschen  zu  verbinden.  Von
unten  muss  man  bauen,  dann  wird  man  zum  Ziele  kommen;  die
Errichtung  eines  Collegium  universale  ist  undurchführbar.  Die  Geschichte
  hat  ihm  Recht  gegeben!  Ein  Netz  von  Soeietäten  entstand
im  18.  Jahrhundert  auf  Grund  seiner  Bemühungen,  und  wenn  wir
heute  sehen,  dass  die  Akadeınieen  Einrichtungen  treffen,  um  in
engste  Verbindung  mit  einander  zu  treten,  so  verwirklicht  sich  die
»  Universal-  Anstalt«.

Aber  Ernarn  Wricer  bleibt  der  Ruhm,  nicht  nur  LEiısnız  auf's
Neue  angespornt  und  den  Gedanken  der  Kalenderverbesserung  bei

!  Wie  weit  dieser  Plan  schon  gediehen  war.  ersieht  man  aus  den  acht  Biriefen
  von  \WEıGEL  an  den  Prof.  math.  Jouaxy  Mever  in  Regensburg  (der  letzte  vom
13.  März  1699).  die  sich  in  der  hannoverschen  Bibliothek  in  den  Fascikel  »  LEisiz-Weıser's
  Briefwechsel«  befinden.  vergl.  auch  \WhrneLn  Meyer.  Die  Handschriften
in  Göttingen  (1893)  S.  161;  in  Göttingen  befindet  sich  eine  Samınlung  von  einschlasenden
  Abhandlungen  und  Briefen,  von  dem  oben  genannten  Jonaxn  MEYER  (7  1719
veranstaltet.

®  Abeedruckt  im  Urkundenband  Xr.  21.

Geschichte  der  Akademie.  I.  >