Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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deutlich  sein.  Beide  Eigenschaften  träfen  in  der  italiänischen  Sprache
zusammen.  Da  man  aber  diese  aus  bekannten  Gründen  nicht  für
den  fremdsprachlichen  Unterricht  wählen  könne,  so  ziehe  er  die  einfacheren
  Formen  der  französischen  Sprache  den  deutlicheren  der
lateinischen  vor.  —  Die  Syntax  sei  für  die  Bildung  des  logischen
Denkens  noch  wichtiger  als  die  Formenlehre.  Aber  auch  in  dieser
Beziehung  habe  das  Lateinische  keinen  Vorzug  vor  dem  Franzöfischen.
In  modernen  Sprachen  seien  die  Gedanken  nicht  minder  scharf
ausgeprägt  als  in  den  antiken;  Fehler  gegen  die  Logik  träten  da,
wo  die  Formen  abgestumpft  seien,  viel  leichter  und  deutlicher  hervor
  als  bei  den  vollen  Formen  der  alten  Sprachen.

Redner  deutete  sodann  noch  auf  eine  Anzahl  syntaktischer  Erscheinungen
  in  der  lateinischen  und  in  der  Fanesuichen  Sprache
hin,  die  er  mit  einander  vergleichen  könne,  und  bemerkte,  daß  auch
die  verschiedene  Art,  wie  die  lateinische  und  andererseits  die  franösische
  Grammatik  betrieben  werden  könne,  für  den  Anfang  des
semd  prachlichen  Unterrichts  mit  dem  Französischen  spreche.  ·

och  mehr  spreche  dafür  der  verschiedene  Inhalt  der  Uebungssätze,
  an  welchen  man  die  lateinische  und  andererseits  die  franzöfische
Grammatik  einüben  könne.  Im  Französischen  könne  man  dabei  an
das  anknüpfen,  was  dem  Knaben  bekannt  sei,  die  Beispiele  aus  dem
ihn  umgebenden  Natur=  und  Menschenleben  entnehmen,  später  zur
Geschichte  übergehen  und  solche  Theile  derselben  wählen,  die  in
deutscher  Sprche  bereits  durchgenommen  seien  u.  s.  w.  Dies  sei
ein  natürlicher  Unterrichtsgang;  er  entspreche  der  allmählichen  Entwickelung
  des  Schülers.  Im  Lateinischen  dagegen  sei  ein  ebenso
natürlicher  Unterrichtsgang  nicht  möglich.  Es  gebe  kein  für  neunjährige
  Knaben  passendes  lateinisches  Elementarbuch,  weil  es  kein
solcheh  geben  könne.  Denn  entweder  entnehme  der  Verfasser  die
Beispiele  dem  gewöhnlichen  Leben;  dann  komme,  weil  das  Lateinische
  eine  todte  Sprache  sei,  etwas  Unnatürliches  heraus;  oder
man  entnehme  die  Beispiele  den  alten  Classikern  oder  bilde  sie
diefen  nach;  dann  sei  ein  Doppeltes  möglich:  entweder  beständen
die  Beispiele  aus  Sentenzen,  welche  für  die  Knaben  unverständlich
seien,  oder  sie  enthielten  Notizen  aus  der  älteren  Geschichte  und
Geographie,  welche  die  Schüler  oft  in  Einer  Stunde  durch  alle
Jahrhunderte  der  griechischen  und  römischen  Zeit  und  durch  alle
Länder  der  alten  Welt  führten  und  in  ihren  Köpfen  jene  Gedankenlosigkeit
  und  Verwirrung  hervorbrächten,  die  man  beim  geschichtlichen
  Unterricht  nur  zu  sehr  zu  beklagen  habe.

Auch  für  die  weitere  Lectüre  sinde  sich,  wenn  man  mit  dem
Lateinischen  beginne,  kein  passender  Stoff.  Bücher  wie  den  Weller'schen
Herodot  wähle  man  nicht,  weil  sie  modernes  Latein  enthalten.
Man  1[—  vielmehr  Chrestomathien  mit  Stücken  aus  Justin
u.  s.  w.,  sowie  den  Cornelius  Repos,  über  deren  Werthlofigkeit  für