250 55. Weltpolitik. — Deutschland in China.
italienische Minister des Aeußern, Herr Prinetti, nuserem Botschafter ge—
sagt hätte, in der Rede, die ich hier vor einigen Tagen über auswärtige
Fragen zu halten die Ehre hatte, wäre kein Wort, das er nicht unter—
schriebe.
(Hört! hört!)
Und wenn der Herr Abgcordnete Bebel einen Blick auf die Wiener Presse
werfen will, so wird er sich davon überzeugen, daß anch diese meine
damaligen Ansführungen ungefähr in derselben Weise beurteilt. Also ich
kann Herrn Bebel nur bitten, auch in der Hinsicht, was unsere internationalen
Beziehungen angeht, sich nicht allzu viele Bären aufbinden zu
lassen.
(Heiterkeit und Zurufe.)
Meine Herren, die Ausführungen des Herrn Abgeordneten Bebel
über unsere chinesische Politik waren mir wieder ein Beweis dafür, daß
es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern Politiker gibt, und
hervorragende Politiker, und ganze Parteien gibt, die Fragen der auswärtigen
Politik mehr vom Standpunkt ihrer subjektiven Empfindungen
beurteilen, mehr von ihrem Parteistandpunkt aus, vom Standpunkt ihrer
mehr oder weniger, nach meiner Ansicht gar nicht berechtigten Abneigung
gegen die eigene Regierung, als auf Grund des ruhig und klar erwogenen
Staatsinteresses. Wenn der Herr Abgecordnete Bebel im Sommer 1900
Minister des Aeußern gewesen wäre
(Heiterkeit),
so würde er auch nicht geduldet haben, daß die Chinesen die Deutschen
aus China vertreiben, daß sie uns ihre Häfen versperren, daß sie die
deutschen Waren in China nicht mehr zulassen wollten. Und er würde
als Minister namentlich nicht geduldet haben, daß die Chinesen unsern
Gesandten — der, wie ich gegenüber der Kritik des Herrn Abgeordneten
Bebel hervorheben will, in mutiger, ritterlicher Weise gestorben ist, wie
ein Soldat auf dem Schlachtfelde
(Bravol)
— also der Herr Abgcordnete Bebel würde als Minister die schmähliche
Ermordung unseres Gesandten auch nicht ruhig hingenommen, er würde
sic auch nicht geduldet haben. Und wenn er sie geduldet hätte, so würde
das dentsche Volk ihn als Minister nicht lange geduldet haben.
(Sehr gut! rechts und bei den Nationalliberalen.)
Unsere Interessen in China waren und sind viel zu groß, als daß wir
dieselben einfach als quantité néögligeable hätten betrachten und bei der
ersten auftanchenden Schwierigkeit kleinmütig preisgeben können.