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erkennen und zwar muß er letztere an sich selbst erkennen, denn wenn er
sich als Ursache erkennt, muß er folgerichtig auch die Wirkung, die von
ihm ausgeht, erkennen und zwar in deren Eigentümlichkeit, zumal er
die Urbilder der Dinge, die ihm ähnlich sind, in sich hat. Wenn aber
Gott die Kausalität und die Eigentümlichkeit der Dinge erkennt, so
muß er auch notwendig die Summe der Möglichkeiten erkennen.
Eine natürliche Folge der Intelligenz ist der Wille. Der göttlichen
Intelligenz muß deshalb auch ein göttlicher Wille entsprechen.
Denken und Wollen ist real und identisch mit dem Sein, d. h. das
Sein Gottes kommt in der Intelligenz und im Willen zur Außerung.
Sowie die natürlichen Dinge das Bestreben in ihrer vollkommenen
Natürlichkeit haben, so strebt die intellektuelle Natur zu einer vollkommenen
intelligiblen Form des Verstandes, d. h. sie erstrebt das
seelische Gleichgewicht. Gottes Wille ist demnach ein erstrebtes seelisches
Gleichgewicht mit sich und den Dingen der Welt, und zwar indem er
sich selbst als Zweck und die Dinge als Mittel dazu will. Ersteres will
er mit Notwendigkeit und letzteres mit Freiheit, so daß sich im letzteren
Gottes Güte und die Liebe zu den Menschen dokumentiert. Die Güte
Gottes gegenüber den Menschen besteht aber darin, daß er sie als an
seiner Glückseligkeit teilnehmende Wesen ins Dasein gesetzt hat und daß
er als Vorsehung dafür sorgt, daß sie alle das Ziel erreichen.
Als Sein ohne Stoff ist Gott vollkommen und als solcher unveränderlich,
denn nur die Materie bedingt die Veränderung, d. h. aber
auch, er ist ewig. Die Ewigkeit läßt sich auch daraus folgern, daß Gott
ohne Bewegung ist, denn letztere hat sowohl einen Anfang als auch
Ende und beides schließt eine Ewigkeit aus; beides setzt aber auch eine
Materie voraus. Gott ist aber die Ursache der Veränderung der Welt
und da diese stetig vor sich geht, so ist Gott allgegenwärtig und da sie
auch stetig im ganzen Raum erfolgt, so muß er auch allmächtig sein, d. h.
die Allmacht ist die Voraussetzung Gottes als Weltbeweger.
Gott bewegt die Welt aber nicht nur, sondern er hat sie auch
geschaffen, wie Thomas durch folgendes zu beweisen versucht: Alles,
was in irgend einer Art unvollkommen ist, entsteht aus dem, das in
jener Art das Vollkommenste ist. Da nun alle weltlichen Dinge unvollkommen
sind, so haben sie auch kein wirkliches Sein, sondern sie find
nur durch ein vollkommenes Sein. Dieses vollkommene Sein ist Gott
und als solcher die erste Ursache, d. h. der Schöpfer der weltlichen
Dinge. — Es läßt sich nicht verkennen, daß sich Thomas mit dieser
Beweisführung etwas im Kreise dreht, denn er beweist mit der Unvollkommenheit
der weltlichen Dinge das Dasein Gottes als deren erste
Ursache, die aber das Geschaffensein der weltlichen Dinge ohne weiteres
in sich schließt. Er setzt also gewissermaßen voraus, was er beweisen