III. Die UIntervenkion in Frankreich. 1790—1793.
Preußens Politik krankte seit Reichenbach an einem inneren
Widerspruch sowohl prinzipieller wie persönlicher Natur: ersteres
insofern der Staat, dessen innere Entwickelung bewußte Feindschaft
gegen die Aufklärung beherrschte, draußen den Beschützer
derer spielte, die ihr nationales und politisches Leben eben nach
den Prinzipien der Aufklärung neu gestalten wollten, und hier
den aufständischen Belgiern, dort den menternden Ungarn Hilfe
verhieß und die Lütticher gegen ihren wortbrüchigen Bischof
schützte. Ein persönlicher Widerspruch lag darin, daß der berufene
Leiter der auswärtigen Politik über deren Mittel und
Ziele anders dachte als der König, der ihm ja auch während
der Reichenbacher Krisis das Steuer aus der Hand genommen
und das Staatsschiff in einen anderen Kurs herumgeworfen
hatte. Dieser Zwiespalt mußte verhängnisvoll werden zu einer
Zeit, wo von entgegengesetzten Seiten herandringende Schwierigkeiten
Preußen zu hindern drohten, seine Kräfte rechtzeitig an
der rechten Stelle ausschlaggebend einzusetzen. Noch hatte zwar
zu Reichenbach der König so gut wie Hertzberg den Schwerpunkt
der Politik im Osten gesucht: ließ sich aber das entworfene
Programm dort durchführen bei der unklaren Stellung Oesterreichs,
das zwar unter Preußens Willen gebengt, aber noch
mit Rußland verbündet war? Zedenfalls mußte Preußen sich
nach dieser Seite frei und Herr seiner Mittel halten. Würde
das möglich sein bei dem Gange, den die Dinge in Frankreich
nahmen?
Sich darein verwickeln zu lassen, lag freilich in den Verhältnissen
Preußens selbst kein Anlaß. So mächtig der Eindruck
war, den die französische Revolution auf das deutsche