Full text : Geschichte der Hohenzollern.

zu  seiner  Verfügung,  da  ein  Theil  der  Truppen  die  Zugänge  zu  seiner  Stellung
  decken  mußten.  Ein  zweites  östreichisches  Heer,  an  dessen  Spitze  Daun
stehen  sollte,  welcher  damals  noch  krank  in  Wien  lag,  für  den  Augenblick  unter
dem  Befehl  des  General  Serbelloni,  eilte  aus  den  südlichen  Theilen  Böhmens
herbei,  um  an  dem  Kampfe  Theil  zu  nehmen,  erreichte  aber  nicht  vor  der  Entscheidung
  das  Ziel.  Diese  fand  am  6.  Mai  statt.

Sobald  das  Tageslicht  es  erlaubte,  besichtigte  der  König  das  Feld.  Sein
wohlbewährter  treuer  Diener,  der  Feldmarschall  Schwerin,  eilte  zu  ihm  heran,
und  rieth  trotz  aller  Vortheile,  welche  das  Terrain  dem  Feinde  bot,  zur  Schlacht.
Scherzend  gab  der  König  seine  Zustimmung  durch  die  Worte:  „Frische  Eier,
gute  Eier“,  und  ritt  davon,  um  die  nöthigen  Anordnungen  zu  treffen.

Die  Stellung  der  Oestreicher  galt  nach  den  gewöhnlichen  Regeln  der
Kunst  für  unangreifbar.  Ihr  Heer  stand  auf  den  Höhen,  welche  Prag  umgeben,
diese  waren  stark  verschanzt.  Doch  weder  Schanzen  noch  Höhen  boten  den
Stürmenden  die  größte  Schwierigkeit;  was  die  Stellung  als  unangreifbar  erscheinen
  ließ,  das  waren  die  vor  den  Hügeln  sich  weithin  dehnenden  Sümpfe;  der
Boden  war  theils  mit  Schlamm  bedeckt,  theils  mit  einer  Rasendecke  überzogen,
welche  unter  dem  leisesten  Tritte  zusammenbrach.  Nur  hier  und  da  fand  man
schmale  Dämme  oder  auch  nur  Stege,  schwer  herauszufinden  und  jedenfalls
ungenügend,  um  Colonnen  gegen  die  feindlichen  Truppen  heranzuführen.  Auch
dieses  Hinderniß  hielt  den  König  von  seinem  Vorhaben  nicht  zurück,  den  Feinden
jedoch  erschien  der  Angriff  so  unmöglich,  daß  ein  großer  Theil  der  Reiterei,  als
die  Preußen  schon  heranrückten,  zum  Fouragiren  ausgesendet  worden  war,  und
nun  schleunig  zurückbeordert  werden  mußte.  Früh  um  sechs  Uhr  waren  die
Preußen  aufgebrochen;  erst  um  1  Uhr  langten  sie  am  Fuße  der  verschanzten
Höhen  an.  Mit  bewundernswürdiger  Ausdauer  und  Standhaftigkeit  hatte  das
Fußvolk  seine  schwierige  Aufgabe  gelöst.  Bei  jedem  Schritte  brachen  die  Vorrückenden
  durch  die  trügerische  Decke  ein  und  wateten  bis  zum  Knie  in  dem
zähen  Schlamm.  An  manchen  Stellen  konnten  sie  nur  durch  gegenseitige  Unterstützung
  vorwärts  kommen.  Auch  die  Geschütze  schleppten  sie  mit  sich,  doch
gelang  ihnen  dies  nicht  überall;  viele  mußten  sie  zurücklassen,  wie  sehr  fie  auch
ihrer  Hülfe  zum  schweren  Angriff  bedurften.  Endlich  lag  das  gefährliche  Terrain
hinter  ihnen  und  der  Weg  zu  den  Höhen  hinan  war  offen.  Nun  traten  die
Bataillone  zum  Sturm  an,  und  stürzten,  ohne  sich  Rast  zur  Erholung  von  den
schweren  Mühseligkeiten  zu  gönnen,  mit  Ungestüm  auf  die  feindlichen  Schanzen
los.  Hier  wurden  sie  von  einem  entsetzlichen  Kartätschenfeuer  empfangen.  Rottenweise
  stürzten  die  Stürmenden  zu  Boden;  das  Blut  floß  in  Strömen.  Der
furchtbare  Empfang  schreckte  die  Tapferen  nicht  zurück.  Immer  neue  Schaaren
rückten  heran.  Ein  Regiment,  das  des  General  Winterfeldt,  obwohl  ein  großer
Theil  schon  todt  oder  verwundet  den  Boden  bedeckte,  wollte  vom  Kampfe  nicht
ablassen,  da  rückte  ein  anderes  heran,  und  mit  dem  Rufe:  „Kameraden,  laßt
uns  heran,  Ihr  habt  Ehre  genug  gehabt!"  eilten  die  unerschrockenen  Grenadiere