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Wosenheimer Anzeiger
Dienstag. 19. Jum 1915
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Rosenheimer Tagblatt
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Der Rüchzug der Ruseen nach VBefarabien und ihre Verfolgung.
Luneville mit Bomben belegt. — Schwere englische Verluste. — Ein belgisches Spionennest ausgehoben. — Englische Schamlosigkeit
gegen Schweden. — Die Amerikanische Note und die Friedenstätigkeit Bryans. — Bei Szawle 3.350 Rufsen gefangen
und 8 Maschinengewehre erbeutet. — Bei Bolymow 1.660 Russen gefangen, 8 Geschütze und 9 Maschinengewehre erbeutet.
Die Fortschritte in Galizien:
Sienlawa wieder genommen und 5.000 Russen gefangen. — Mehrere Orte Bessarabiens besetzt
und 1.560 Russen gefangen. — Niederlage einer italienischen Brigade am Isonzo. — Die Serben in Albanien. — Neue
Kämpfe auf Gallipoli.
Die fitiegslage.
WIB. Hroßes Hauptgquartier, den
13. Juni. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei Nieuport, Dirmuiden, nördlich Arras
und bei Hebuterne fanden Artilleriekämpfe statt.
Schwächliche Angriffsversuche des Gegners in
den Dünen wurden abgewiesen. Südöstlich Hebuterne
sind Infanteriegesechte im Gange.
Die militärischen Anlagen von Luneoille wurden
mit Bomben belegt.
Cestlicher Kriegsschauplatz.
Nordwestlich Szawle machten unsere Angriffe
gute Fortschritte. Kuze wurde im Sturm genommen,
feindliche Gegenstöße scheiterten.
8 OHziere, 33680 Mann und s malschinengewehre
waren unfere beute.
Südöstlich der Straße Marjampol-Kowno
haben die Kämpfe gegen von Süden herangekommene
russische Verstärkungen erneut begonnen.
Nördlich Praszuyscz wurden weitere 150 Gefangene
gemacht.
Unserem Einbruch in die feindlichen Linien
südlich Bolymow folgten in der Nacht russische
Gegenangriffe, die sämtlich erfolglos blieben.
Die gewonnenen Stellungen sind fest in unserer
Hand.
Unfere Beute nieg an diefer Stelle auf
1660 Gelangenc, 8 Gelchlite (darunter 2
schwere) und 9 maschinengewehre.
Süböstlicher Kriegsschauplas.
Der Brückenkopf von Sieniaw#a wurde gestern
wieder genommen; der Gegner ließ
über 3000 Gefangene in unferer hand.
Nächtliche Gegenangriffe des Feindes scheiterten.
Auch östlich Jaroslau und östlich Przemysl
lebt der Kampf wieder auf.
Die Truppen des Generals von Linsingen haben
Mlyniska genommen; der Angriff auf
Zodaczow ist im Fortschreiten.
Oberste Heeresleitung.
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Der amtliche österreichische Bericht.
Wien, 12. Juni. Amtlich wird verlautbart:
Ruffischer Kriegsschauplatz.
Zwischen Dnjestt und Pruth bekämpften die
Truppen der Armee Pflanzer neuerdings mehrere
russische Stellungen. Die Orte Jezier-
zany und Niezwiska nördlich Obertyn wurden
erstürmt.
Unsere siegreichen Truppen dringen
Czernelica vor und haben dort
östlich Dorodenka den Onjeln#r uberschritten.
Zaleszezyki wurde genommen. Gegen diese
Stadt richteten die Russen abends und während
der Nacht verzweifelte Angriffe, die alle unter
den schwersten Verlusten für den Feind abgewiesen
wurden; auch die Attade eines Kosakenregiments
brach in unserem Feuer vollständig zusammen.
In der Bukomina mußten die Russen
auch die letten Stellungen am Pruth auf.
geben. Sie zleben sich, von unferen Cruppen
schart verfolgt, unter großen verlunen
über die Reichsgrenze zurück.
dle gestrigen Kämpfe der Rrmec Pflanzer
brächteu an 3000 Gefangene ein.
Südlich des oberen Dujestr dauern die
Kämpfe noch fort. Ein russischer Gegenangriff
auf Stanislau wurde abgewiesen. Zurawno,
das infolge Eintreffens russischer Verstärlungen
geräumt worden war, wurde gestern von den
verbündeten Truppen wieder genommen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Einzelgefechte und Artilleriekämpfe am
Isonzo dauern sort. Bisher haben die Jtaliener
auf dem östlichen Flußufer nur bei Mon
falcone und Karfreit an Punklen, die vor un
serer Kampffront liegen, Fuß gefaht. Gestern
erstiegen gegnerische Abteilungen beim Morgengrauen
bei Plava die östlichen Usferhöhen, wurden
aber wieder herabgeworfen.
An der Kärntner Grenze wiesen unsere Trup
pen feindliche Angriffe auf die Uebergänge in
der Gegend des Monte Paralba ab und besetzten
diesen Berg. Ein Versuch der Jtaliener,
den Monte Piano wiederzugewinnen, scheilerte.
Ansonsten schiebt sich der Feind in einzelnen
Grenzräumen allmählich an unsere Stellungen
heran. So steht er in Cortina d'Ampezzo,
Fiera di Primiero und Borgo.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:
pon Höfer, Feldmarschalleutnant.
Wien, 13. Jun. Amtlich wird ver
gegen
WTR.
lautbart
nuffischer Kriegsschauplat.
In Sudostgalizien dringen die Truppen der
Armee Pflanzer weiter siegreich vor. Nach hartnäckigen
Kämpfen wurden gestern Tyemenica,
Tluvacz und die Höhen nördlich Olesza genom-
men. Südlich Czernelica wird gekämpft. Neu:
russische Angriffe gegen Zaleszchli wurden blutig
abgewiesen.
Aus der Bukowina über die Reichsgrenze
vordringend, warfen unsere Truppen die Tussen
aus ihren längs der Grenze vorbereitelen
starken Stellungen zurück. In der Verfolgung
wurden
mehrere Lele Bessarabiens besetzl.
Gestern fielen 1560 Gefangene in die Hände
der Verfolger.
Am oberen Dufjestr greifen die verbündeten
Truppen erfolgreich in der Richtung aus Zyda.
czow an, wo noch starke russische Kräfte das
südliche Dujestrufer halten.
In Mittelgalizien führte ein Angriff österreichisch
ungarischer und deutscher Truppen zur
Besitznahme von Sieniawa und nach Abwehr
eines starken feindlichen Angriffes zur Erstür.
mung samtlicher Stkützpunkte nordöstlich der
Stadt.
Bierbei wurden s500 Ruffen gefangen.
Die sonstige Lage ist unverändert.
Italienischer Kriegsschanplag#.
Am Isonzo fanden in den beiden letzten Tagen
namentlich bei Plava ernstere Gefechte statt.
der dort am 11. Juni von der brigade
Ravenna umernommene versuch, die önlichen
Ulerhöhen zu gewinnen, endete mit
dem Rüchzug des feindes.
Gestern früh überschritten die Jtaliener erneut
den Fluß. Nach heftigen Kämpfen gelang es
unseren Truppen, den sich fortwährend verstärkenden
Feind zurückzuwerfen und die eigenen
Stellungen, vor denen über 400 tote Jataliener
liegen blieben, fest in der Hand zu behalten.
Der Stellv. des Chefs des Generalstabes:
von Höfer, Feldmarschalleutnant.
Dee amerikanische „Cusilania“ Note.
Die deutsche Regierung hat jetzt den Tert der
amerikanischen Note in der „Lusitania““-Angelegenheit
veröffentlicht. Domit ist mancherlei
Gerede der Boden entzogen. Die Note ist nicht
nur kein Ultimatum, sondern sie ist im Gegenteil
auf einen weit versöhnlicheren Ton ge
stimmt, als die erste Note Amerikas zur Lujitania-Angelegenheit;
ja noch mehr: sie enthält
sogar das ausdrückliche, in freundschaftlichem
Sinne gehaltene Anerbieten der Regierung der
Vereinigten Staaten, einen Vermittlungsversuch
zwischen Deutschland und England zu ma.
chen, um eine Milderung des Charakters und
der Formen des Seekrieges herbeizuführen. In
der Sache selbst besteht freilich noch eine erhebliche
Verschiedenheit zwischen den Auffassungen
der amerikanischen und der deutschen Regierung.
Aber diese Meinungsverschiedenheit ist nicht derart,
paok sie eine spätere Verständigung ausschlöf
r. ·
Aus der Note selbst sei folgendes hervorgehoben:
Eurer Exzellenz Note weist bei der Erörterung
der Verluste von amerikanischen Menschenleben
anläßlich der Versenkung des Dampfers
„Lusitania“ mit ziemlicher Ausführlichkeit
auf gewisse Nachrichten hin, die der kaiserlich
deutschen Regierung hinsichtlich des Charakters
und der Ausrüstung dieses Schiffes zugegangen
sind, und Ew. Exzellenz gaben der Befürchtung
Auedruck, daß diese Nachrichten nicht
zur Kenntnis der Regierung der Vereinigten
Staaten gelangt sein konnten. In der Note
wird behaupiet, daß die „Lusitania“ zweifellos
bewaffnet gewesen sei, im besonderen versteckte
Geschütze geführt habe, daß sie mit ausgebildeter
Bedienungemannschaft für die Geschütze
und- besonderer Munition versehen gewesen
sei, Truppen von Kanada befördert, eine
Ladung an Bord gehabt habe, die nach den Gesehen
der Vereinigten Staaten für ein Schiff,
das auch Passagiere befördert, nicht zulässig
gewesen sei, und daß sie ihrem Wesen nach
als Hilfsschiff der englischen Seestreitkräfte gedient
habe.
Glücklicherweise sind dies Augelegenheiten, be-Sglich
deren die Regierung der Vereinigten
Staaten in der Lage ist, der kaiserilch deutschen
Regierung amtliche Aufklärung zu geben. Wenn
die in Eurer Exzellenz Note angeführten Tatsachen
zuträfen, wäre die Regierung der Vereinigten
Staaten verpflichtet gewesen, davon
amtlich Kenntnis zu nehmen, in Ausübung ihrer
anerkannten Pflicht als neutrale Macht und
in Anwendung ihrer nationalen Gesetze. Sie
wäre verpflichtet gewesen, darauf zu ten,
daß die „Lusitania“ für ein angriffsweises Vorgehen
nicht bewaffnet war, daß sie keine Ladung
führt, die durch das Gesetz der Vereinigten
Staaten verboten war, und daß sie, wenn sie
tatsächlich ein englisches Flottenschiff war, keine
Klarierungspapiere als Handelsschiff erhalten
durfte. Die Regierung der Vereinigten Staaten
hat diese Pflicht erfullt und #e Ges
mit gewissenhafler Wachsamkeit durch ihre ordnungsgemäß
bestellten Beamten zur Anwendung
gebracht. Sie ist deshalb in der Lage, der
laiserlich deutschen Regierung zu versichern, daß
diese falsch informiert war.
Sollte die laiserlich deutsche Regierung der
Auffassung sein, daß sie überzeugende Berpiise
besitze, wonach die Beamten der egierung der
Vereinigten Staaten ihre Pflicht nicht gründlich
erfüllt haben, so gidt sich die Regierung
der Vereinigten Staaten der aufrichtigen Hoffnung
hin, daß die kaiserlich deutsche Hgichen
dieses Beweismaterial zur Prüfung a
ten wird. Wie immer auch die Behauptung