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Trotz aller dieser Schritte und der im Jahre 1539 groͤßtentheils im protestantischen
Sinne entworfenen Kirchenordnung kann man nicht sagen, daß
Joachim Ul. sich geradezu für das Lutherthum erklärte. Dies zeigte sich, als
sowohl die römisch-katholischen als auch protestantischen Reichsstände zu einer
Besprechung kirchlicher Angelegenheiten in Hagenau erschienen waren. Obgleich
hier Jene die Gesandten des Kurfürsten unter dem Vorwande, sie seien zu spät
gekommen, gar nicht an ihren Versammlungen Theil nehmen ließen, so enthielten
sie sich nichtsdestoweniger aller gemeinschaftlichen Berathungen mit den
Protestanten. Joachim II. sah sich noch immer als Mittelsperson zwischen beiden
Parteien an, und hatte die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Wirren
trotz aller ungünstigen Erfahrungen noch nicht ganz aufgegeben. Seinen guten
Willen erkannten die Evangelischen, selbst der große Wittenberger Reformator
an. „Ich wollte, sagte er in einem Schreiben an ihn, Ew. Kurfürstliche Gnaden
möchten Papst in Rom sein, dann sollte es in der Religion wohl besser
zugehen und Ihro Kurfürstliche Gnaden würden die Kardinäle und Bischäfe
recht mustern“.
Die märkischen Stände und Geistlichen waren weit strenger in ihren kirchlichen
Ansichten als Luther selbst. Es schien ihnen die neue Kirchenordnung
noch viel zu viel von dem alten verderbten Wesen beibehalten zu haben, und
deshalb gingen unaufhörlich Gesuche um Beseitigung desselben ein. Joachim U.
weigerte sich, diese angeschuldigten Gebräuche ganz wegzuwerfen, weil sie nur
Mitteldinge wären, und den Kern der Glaubenssätze nicht berührten. Ja als
dies Drängen ihm zu heftig wurde, drohte er, seine Hand ganz und gar von
ihnen abzuziehen und sie dem Papste oder dem Bischof von Lebus (dieser Prälat
nämlich war ein leidenschaftlicher Anhänger Roms) überlassen würde, wenn sie
mit seinen Aenderungen nicht zufrieden wären. Wiederum trat Luther dazwischen
und beschwichtigte sie in einem Schreiben an den brandenburgischen Reformator
Probst Buchholzer in seiner naiven, tiefgemüthlichen Weise. „Er möge, räth
er ihm, wenn es dem Kurfürsten gefalle, ein silbernes oder goldenes Kreuz
tragen, ein Sammet-, Seiden= oder leinenes Gewand anlegen, oder deren zwei,
ja drei übereinander ziehen. Habe der Kurfürst an einer Prozession um die
Kirche noch nicht genug, so solle Buchholzer sieben Mal herumgehen; es stehe
dem Kurfürsten sogar frei, zu der Musik zu tanzen wie König David. Durch
dergleichen Dinge könne dem Evangelium nichts zuwachsen noch abgehen, wenn
nur dergleichen nicht als zur Seligkeit nothwendig erachtet würde; und
könnt ich's mit dem Papste und den Papisten so weit bringen, wie wollt' ich
da Gott danken und fröhlich sein“. Luther gewann mit diesem ächt chriftlich
versöhnlichen Ton, zu welchem freilich auch er nur erst durch die Schule eines
langen praktischen und erfahrungsreichen Lebens gelangt war, das vollkommene
Vertrauen des seinen Lehren schon lange ergebenen Fürsten, und bewirkte dadurch,
daß seine Kirchenverbesserung sich immer weiter und reicher in den Ländern
desselben entfalten durfte.