Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1899. (76)

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S.  116.

Auf  Einsicht  der  betreffenden  Akten  hat  der  Geistliche  keinen  Anspruch,  doch  kann  ihm,  soweit
es  sich  um  Strafgefangene  handelt  und  keine  besonderen  Bedenken  obwalten,  auf  seinen  Wunsch  im
einzelnen  Fall  Akteneinsicht  gestattet  werden.

S.  117.
Gemeinsame  gottesdienstliche  Andachten  finden  in  den  amtsgerichtlichen  Gefängnissen  nur  mit
besonderer  Genehmigung  des  Strafanstaltenkollegiums  statt.

S.  118.

Bücher  religissen  und  belehrenden  Inhalts  müssen  in  entsprechender  Zahl  für  jedes  Gesängniß

vorhanden  sein.  Die  zulässigen  Bücher  bestimmt  bei  Neuanschaffungen  das  Strafanstaltenkollegium.
Auch  das  Lesen  anderer,  nicht  zum  Gefängniß  gehöriger  Bücher  und  sonstiger  Druckschristen
von  nicht  zu  beanstandendem  Inhalt  kann  den  Gefangenen  gestattet  werden.

Das  Strafanstaltenkollegium  wird  darüber  wachen,  daß  in  jedem  Gefängniß  jedenfalls  mehrere
Exemplare  der  Bibel,  des  Neuen  Testaments,  nach  der  lutherischen  und  nach  der  von  der  katholischen
Kirche  approbirten  Uebersetzung,  das  in  der  evangelischen  und  das  in  der  katbolischen  Kirche  in
Wurttemberg  eingeführte  Gesangbuch  sowie  einige  geeignete  Erbauungsschristen  vorhanden  find.

Den  Gefängnißgeistlichen  bleibt  unbenommen,  in  Bezlehung  auf  Neuanschaffung  von  Büchern
für  das  Gefängniß  dahin  gehörige  Anträge  zu  stellen.

Dem  Nichter  bleibt  überlassen,  seinerseits  die  Verabfolgung  von  Büchern  an  Untersuchungsgefangene
  zu  überwachen.

VIII.  Bemes##s  im  Freien.

F.  119.

Den  Strasgesangenen  soll  täglich  Bewegung  im  Freien  bis  zur  Dauer  einer  Stunde  gestattet
werden.

Auch  die  Untersuchungsgef  find  nach  Thunlichkeit,  unter  Beobachtung  der  nöthigen  Vorsicht,
  zur  Bewegung  und  um  Genuß  der  freien  Luft  zuzulassen.
F.  120.

Die  Bewegung  der  Gefangenen  in  freier  Luft  ist  von  dem  Gefangenwärter  nach  den  näheren
Anordnungen  des  Gefängnißvorstands  zu  überwachen.

Hiebei  sind  in  erster  Linie  die  bei  den  Gefängnissen  befindlichen  verschlossenen  Hofräume  zu  benützen.
  (Vergl.  oben  8.  8  Abf.  1.)

In  Ermangelung  solcher  Räume  kann  den  Gefangenen,  soweit  es  die  Umstände  erlauben,
sonstige  Bewegung  im  Freien  unter  Begleitung  des  Gefangenwärters  oder  einer  andern  zuverlässigen
Person  gestattet  werden,  wobei  die  Richtung  und  Dauer  solcher  Gänge  von  dem  Gefängnißvorstand
genau  vorzuschreiben  ist.

Bei  Untersuchung  ist  strenge  darauf  zu  sehen,  daß  dieselben  nicht  die  Bewegung  im
Freien  zu  irgend  welchem  lG  mit  Dritten  benützen.