Nun werden die Kandelaber auf dem Altartisch angezündet,
aber draußen hat jetzt der Tag gesiegt, und das Gesicht der heiligen
Helena erstrahlt hell und rein vor aller Augen. Ihre
Lippen umspielt ein Lächeln voller Milde und Güte und sie, die
Freundin der Wehrlosen und Leidenden, scheint mit Freude so
viel würdige Schwestern und Brüder um sich zu sehen, die ihre
besten Kräfte den verwundeten und sterbenden Soldaten weihen.
Der Gottesdienst war zu Ende, und mein Franziskanerbruder
führte mich in den Säulengang, wo die Schwestern Kaffee mit
feinem Weizenbrot und Marmelade boten. Hier verbrachten
wir bis zum Abschied eine angenehme Stunde.
½10 Uhr fand der protestantische Feldgottesdienst statt. Das
Gotteshaus war eine Straßenecke unter freiem Himmel, ein
sichrerer Platz als das offene Feld vor der Stadt, wo eine große
Menschenmasse immer ein dankbares Ziel für die Bomben der
französischen Flieger abgäbe. Einige hundert Soldaten und etwa
fünfzig Offzziere waren zur Stelle. Ein Oktett der Regimentsmusik
blies einen Choral — wir kannten ihn nur zu gut: „Ein'
feste Burg ist unser Gott“ — und die Kriegsleute stimmten mit
starken, frischen Stimmen ein.
Dann trat auf der untersten Stufe einer Steintreppe der
junge Pastor Marguth aus Hessen hervor. Er trug einen schwarzen
Rock und um den Arm eine weißviolette Binde wie alle Geistlichen
der Feldarmee. Er sprach im Anschluß an den Römerbrief
über die Kraft des Evangeliums, und kam damit auf die welthistorischen
Ereignisse, die aller Gedanken erfüllten. Er sprach
von der unwiderstehlichen Kraft eines Volkes, das in solchen
Zeiten einen Herrscher hat, der in Wahrheit ein Führer ist. Der
Kaiser habe alles getan, um den Krieg zu vermeiden; er habe
den Frieden gewollt, aber da er zum Krieg gezwungen worden sei,
habe er auch gewußt, wo sein Platz sei, und was das Volk von
ihm verlangen konnte. Und im Vertrauen auf dieses Volk habe er
nicht gezaudert, für Deutschlands Existenz und Zukunft loszuschlagen.
Pastor Marguth sprach vom Pflichtgefühl des Volkes als der
Oedin. Ein Bolk in Waffen. ¾l 113