Full text : Das Unterrichtswesen im Deutschen Reich. IV. Band 3. Teil. (6)

Das  mittlere  und  niedere  technische  Unterricht  en  in  Preußen.  3

Vorträge,  theatralische  Aufführungen)  auf  Geist  und  Gemüt  der
Schüler  eingewirkt  wird.

Um  die  Lehrlinge  zu  regen  Wetteifer  anzuspornen,  finden  von
Zeit  zu  Zeit  Schulausstellungen  statt,  bei  denen  die  Zeichnungen  der
Schüler  zu  jedermanns  Ansicht  ausgehängt  werden.  Außerdem  werden
auch  häufig  auf  Veranlassung  der  Innungen,  Handwerkskammern  und
Gewerbeverceine  Ausstellungen  von  in  den  Werkstätten  gefertigten
Lehrlingsarbeiten  veranstaltet,  von  denen  die  besten  prämiert  werden.

Besondere  Schwierigkeiten  verursacht  die  Gewinnung  geeigneter
Lehrer  für  die  Fortbildungsschulen,  namentlich  für  den  Zeichenunterricht.
  Zwar  werden  dazu  so  weit  wie  möglich  auch  Praktiker,  Handwerker,
  Ingenieure  usw.  herangezogen,  doch  sind  solche  Lehrkräfte,
namentlich  in  kleineren  Städten,  nicht  immer  vorhanden  und  auch
nicht  immer  bereit  und  befähigt  zur  Erfüllung  dieser  Aufgabe.  Daher
muß  der  Unterricht  an  den  weitaus  meisten  Schulen  in  die  Hände
der  Volksschullehrer  gelegt  werden,  dic  ihn  nebenamtlich  erteilen
und  dabei  auch  regen  Eifer  zeigen,  aber  nach  ihrer  Vorbildung  mit
der  Eigenart  des  Fortbildungsschulunterrichts  nicht  genügend  vertraut
sind.  Um  sie  mit  der  Methodik  des  Unterrichts  bekannt  zu  machen,
haben  daher  wiederholt  zwanglose  Besprechungen  teils  in  Berlin,  teils
an  anderen  Orten  stattgefunden,  wo  im  Anschluß  an  die  Vorschriften
vom  5.  Juli  1897  die  beim  Unterricht  in  der  Fortbildungsschule  zu
beachtenden  Lehrgrundsätze  erörtert  worden  sind.  Ferner  sind  seit
dem  Jahre  1886  Zeichenkurse  abgehalten  worden,  um  die  Lehrer  mit
dem  in  den  Fortbildungsschulen  zu  treibenden  elementaren  Freihandund
  geometrischen  Zeichnen,  sowie  mit  den  Anfängen  des  Fachzeichnens
  bekannt  zu  machen.  Solche  Kurse  fanden  bisher  in  Berlin,
Düsseldorf,  Hannover,  Elbing,  Posen,  Wiesbaden,  Charlottenburg,
Breslau,  Erfurt  und  Elberfeld  statt;  sie  dauern  jedesmal  6  Wochen
und  zerfallen  in  Unter-  und  Oberkurse;  die  Lehrer  werden  daher  in
der  Regel  zweimal,  einmal  zum  Unter-  und  einmal  zum  Öberkursus
einberufen.  Unter  den  Einberufenen  findet  sich  immer  auch  eine
größere  Zahl  von  Handwerkern  und  anderen  im  praktischen  Berufsleben
  stehenden  Personen,  die  an  Fortbildungsschulen  schon  unterrichten
  oder  künftig  zu  unterrichten  beabsichtigen.  So  nahmen  z.  B.
an  den  in  den  Jahren  1899,  1900  und  1901  abgehaltenen  Kursen
58  Praktiker,  darunter  Maler,  Tischler,  Schuhmacher  und  andere
Handwerksmeister  teil.  Durch  diese  Kurse  sind  von  1886  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  1W1  im  ganzen  3038  Lehrer  im  Zeichnen  ausgebildet
  worden.