Der Streit Mavrerteıs’ und Vorraıre’s (1752/53). 343
die ganze Auflage liess er vernichten. Allein VoLTAırE betrog den
König zum zweiten Mal. Er schickte ein Exemplar in’s Ausland, und
bald erschien der » Akakia« auf's Neue, jetzt in Tausenden von Exemplaren,
und wurde mit Schadenfreude vom Publicum gelesen'.
In hellem Zorn flammte Frıeprıca auf: er schrieb VOoLTAIRE:
»\Wenn Eure Werke Statuen verdienen, so verdient Eure Aufführung
die Galeere«, und er liess am Weihnachtsabend 1752 das Libell von
Henkershand auf dem Gensdarınen-Markt zu Berlin verbrennen —
die Freiheit der Wissenschaft stand hier nicht zur Frage”. Damit
war VOLTAIRE Ss Rolle in Berlin ausgespielt. Zwar suchte der König,
nachdem er den Mann »von infamstem Charakter« so hart bestraft
hatte, doch noch einen Ausgleich herbeizuführen; allein VoLTtarre
wollte nicht mehr bleiben. Nachdem er noch einmal vor Frıevrıcn
Komödie gespielt, d.h. den Verdienstorden wieder angelegt, öffentlich
das gegen MAupertuvis geschleuderte Pasquill verleugnet und auch
gelobt hatte, nicht mehr gegen ihn zu schreiben, verliess er im März
Potsdam und die preussischen Staaten, um sofort von Leipzig giftige
Schmähbriefe gegen MaureErtviss, die Akademie, der er die Mitgliedschaft
kündigte, und den König — der »Salomo des Nordens« war
nun zum »Dionysius von Syrakus« geworden — ausgehen zu lassen.
Das drakonische Nachspiel in Frankfurt, das dieser Wortbruch zur
Folge hatte, gehört nicht mehr hierher.
Der furelitbare Angriff auf Maurertuiss — vergebens hatte er
an VOLTAIRE eine Herausforderung geschickt — liess sich durch
T. 20 p. 39): »Vorrare est le plus mechant fou que Jai connu de ma vie; il n'est
bon qu’a lire. Vous ne sauriez imaginer toutes les duplicites. les fourberies et les
infämies qu'il a faites ici; je suis indigne que tant d’esprit et tant de connaissances
ne rendent pas les hommes meilleurs. J’ai pris le parti de MaupErTtIsS, parce que
c'est un fort honnete homine, et que l’autre avait pris a täche de le perdre«.
! Dies in Kürze der Verlauf der Sache; die Darstellungen bei Tuiesau'r
(Souvenirs T. V p. 261 ff.) und Foruey (Souvenirs T.1p.270) lassen sich vereinigen;
der Bericht des Ersteren hat an dem Brief Frieprıcn's an MarrErttis vom 29. Novenber
wenigstens theilweise eine Stütze erhalten.
2 VoLraıre fasste es freilich so auf (s. LuccaHesixı zum 4. December 1780 bei
Bıscuorr S. 187).
® Dass Vorraıre bereits nach einen Jahre trotz der gemeinsten Verleumdungen.
die er über den König ausgesprengt hatte, doch wieder mit ihm anzuknüpfen
suchte und dass dieser nach einigem Zögern ((Euvres T.2o p.45 vom 1.April 17354)
darauf einging. wäre ein Rätlısel, hätte uns MoLıEre nicht im Misanthrope gezeigt.
dass solche Fälle häufiger sind. Aber auch damals vergass Friedrich nicht, dass
VoLraıre etwas an der Akademie und ihren: Präsidenten gut zu machen hatte und
dass die Einstellung aller Feindseligkeiten gegen sie die erste Bedingung des Friedens
sein müsse; s. den Brief vom 16. März 1754 (Auvres T.23 p.3f.).