Der Frankfurter Fürstentag 217
König Wilhelm, dem es anfangs schwer geworden, den
Kongreß nicht zu besuchen, hielt jetzt fest und treu zu dem
Manne, der sein erstes Meisterstück gemacht hatte. Denn das
war es. Nicht Osterreich, sondern Preußen hatte zu Frankfurt
einen vollen Sieg errungen. Der Erfolg war bald nach allen
Seiten hin sichtbar. Als der König auf der Rückreise von
Baden-Baden (31. August) nach Berlin so nahe an Frankfurt
vorüberfuhr, daß sein entschlossener Wille, sich nicht zu beteiligen,
aufs klarste zutage trat, da wurden die meisten, jedenfalls
die mächtigeren deutschen Fürsten von Unbehagen erfaßt
bei dem Gedanken an den Reformentwurf, der sie, wenn
Preußen fern blieb, Österreich auslieferte in einem Verbande,
in dem sie nicht, wie bisher, durch die Rivalität der beiden
Großmächte gedeckt waren. Das Wiener Kabinett hatte gehofft,
die übrigen Bundesfürsten würden auch ohne Preußen
zu ihm stehen. Diese aber wollten an Osterreich gegen Preußen
und an Preußen gegen Ssterreich eine Stütze haben und als
eigentliches inneres „Deutschland“ ein „Schiedsamt“ zwischen
den Großmächten ausüben, Deutschland würde also zum Sklaven
des ganzen mittelstaatlichen Elends, der sogenannten „Bamberger“
und „Würzburger“ geworden sein; und als Häuptling dieser
Bamberger wäre Graf Beust gerade der rechte Mann gewesen.
Die deutsche Trias — Österreich, Preußen, die Mittelstaaten
war dieser Leute Ideal. Mit diesem war's vorläufig zu Ende.
Die vorgeschlagene Organisation des Bundes lehnte Preußen
ab. Am 15. September erstattete das Staatsministerium an
den König Bericht, in dem die Gedanken aus Bismarcks
Badener Denkschrift aus dem Jahre 1861 wiederkehrten. Sie
liefen darauf hinaus, daß die Frankfurter Vorschläge die
wahren Bedürfnisse und Interessen der deutschen Nation nicht
berücksichtigten, sondern partikularistischen Bestrebungen dienten;
es müßten andere Grundlagen auf dem Wege von Ministerkonferenzen
gesucht werden. Volle Parität Österreichs und
Preußens sei Vorbedingungz ebenso ein Vetorecht Preußens gegen
Kriegserklärung; die Berufung „einer wahren, aus direkter
Beteiligung der ganzen Nation hervorgehenden Nationalver=