Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Wie  wenig  immerhin  solche  Verordnungen  mit  den  Grundsätzen  unserer
heutigen  freieren  Handelsverhältnisse  übereinstimmen  und  ohne  Zweifel  die  jetzige
Cultur  auf  die  nachtheiligste  Weise  fesseln  würden,  so  ist  doch  nicht  zu  leugnen,
daß  in  jener  Zeit  einer  noch  sehr  mangelhaften  Entwickelung  aller  Gewerbsund
  Handelsverhältnisse  mancher  große  Segen  daraus  hervorging.  Der  König
selbst  sah  sich  als  Regulator  aller  dieser  Dinge  an,  um  so  mehr,  da  die  unsichere
politische  Stellung  Preußens  die  möglichste  Unabhängigkeit  von  dem  Auslande
ihm  zur  ersten  Pflicht  machte.  Zu  festen  Preisen  mußte  ihm  das  Getreide  für
den  Kriegsstand  in  seine  Speicher  geliefert  werden,  in  welchen  der  Ackerbauer
bei  wohlfeilen  Zeiten  Absatz  fand,  die  sich  aber  sogleich  öffneten,  wenn  theure
Jahre  auf  der  Masse  der  geringeren  Unterthanen  lasteten;  denn  die  Sorge  für
die  Armen  erschien  ihm  als  erste  und  heiligste  Pflicht,  der  zu  Liebe  von  den
Besitzenden  und  Wohlhabenderen  er  auch  Opfer  zu  verlangen  sich  berechtigt
glaubte;  denn  nicht  der  Staat,  welcher  die  meisten  Millionaire,  sondern  der,
welcher  die  wenigsten  hungernden  Proletarier  hat,  erschien  ihm  der  glücklichste.
Allein  ein  solches  System  fordert  einen  höheren  Genius,  welcher  jeden  Augenblick
  mit  klarem  Bewußtsein  über  den  Verhältnissen  schwelt  urd  die  Härten
solcher  Maßregeln  zu  mildern  weiß  —  ein  solcher  jedoch  war  Friedrich  der  Groͤße.

Er  selbst  giebt  in  seinen  Schriften,  wo  er  über  die  Theuerungsjahre  von
1771  und  1772  spricht,  Auskunft  über  seine  Einrichtungen;  „der  König,  sagt
er  dort,  hatte  große  Magazine,  sowohl  in  seinen  Erbländern,  als  in  Schlesien,
angelegt;  76,000  Wispel  waren  aufgeschüttet,  um  die  Armen  auf  ein  Jahr  zu
unterhalten,  9000  Wispel  blos  für  Berlin.  Diese  Anstalten  retteten  das  Volk
vor  der  Hungersnoth.  Das  Heer  wurde  aus  den  Magazinen  ernährt,  und
außer  dem  unter  das  Volk  vertheilten  Korne  ward  noch  zur  Saat  aus  denselben
  geliefert.  Auch  im  folgenden  Jahre  war  die  Ernte  schlecht;  wenn  aber  der
Scheffel  Roggen  in  den  preußischen  Staaten  zwei  Thaler  galt,  so  war  das  Elend
benachbarter  Staaten  noch  weit  drückender.  In  Sachsen  und  Böhmen  galt  der
Scheffel  fünf  Thaler.  Sachsen  verlor  in  der  erzgebirgischen  Hungersnoth  1772
an  100,000  Einwohner,  Böhmen  180,000,  und  40,000  Bauern  fanden  Auf—-nahme
  in  den  Staaten  des  Königs."“  Wer  wird  nicht  den  Segen  dieser  Staatswirthschaft
  bereitwillig  anerkennen,  zu  einer  Zeit,  wo  der  Handel  und  Betrieb,
sich  selbst  überlassen,  diese  väterliche  Fürsorge  noch  nicht  ersetzen  konnte.

Hieraus  erklären  sich  auch  die  auf  älteren  Grundlagen  ruhenden  Verbote
gegen  Auf=  und  Vorkauf  der  nothwendigen  Lebensbedürfnisse  vom  Jahre  1747
an,  um  den  Consumenten  möglichst  unmittelbar  von  dem  Producenten  kaufen
zu  lassen,  und  dadurch  jeglichem  Wucher  zu  wehren.  Wie  in  Betreff  der  nothwendigen
  Lebensmittel,  trug  der  König  Sorge,  daß  den  armen  Leuten  in  den
Städten  das  Brennholz  nicht  vertheuert  würde.  Im  Jahre  1766  wurde  eine
Brennholzgesellschaft  für  Berlin  und  Potsdam  auf  sechs  Jahre  gegründet  und
17783  erneuert.  Schon  vor  dem  Ablauf  ihres  Privilegiums,  im  Januar  1785,
beschloß  der  König,  den  Brennholzverkauf  für  eigene  Rechnung  zu  übernehmen