man, sich zurückzuziehen und die Stadt capituliren zu lassen, die sonst gewiß
von den Oestreichern angegriffen und geplündert worden wäre, während unsere
Armee die Russen angegriffen hätte. Die Corps des Prinzen von Würtemberg
und des General Hülsen, welche von Koswig herankamen, als Lasey in Potsdam
und Charlottenburg schon eingerückt war, zogen während der Nacht durch die
Stadt, um sich nach Spandau zu begeben.“
Am 8. October schloß der General von Rochow die Capitulation unter
der Bedingung ab, daß die Garnison, d. h. zwei Bataillone vom Garnison=Regiment
von Itzenplitz und die Landmiliz, sowie alle anwesenden Militärpersonen
kriegsgefangen, alle Kriegsvorräthe sowie alles Staatseigenthum dem Sieger zur
Verfügung gestellt, dagegen den Einwohnern Sicherheit der Habe und der
Person zugesagt, und in Betreff der Kriegssteuern mit den städtischen Behörden
verhandelt werden sollte. Letzteres veranlaßte große Schwierigkeit, da die erste
Forderung auf vier Millionen lautete, welche man jedoch dahin ermäßigte, daß
Berlin 1,500,000 Thaler an Contribution, und 200,000 Thaler an Dourceurgeldern,
letztere nebst einem Dritttheil der Kriegssteuer sogleich baar, zwei Drittel
in Wechseln, binnen zwei Monaten fällig, bezahlen sollte. Dafür war aber
vollkommene Sicherheit der Person und des Eigenthums zugesagt; ja die Stadt
blieb bis auf die Offiziere der eingerückten Truppen von jeder Einquartirung
und Lieferung verschont, und überhaupt Alles in dem bisherigen Zustande.
Außerdem hielten die Russen unter Tottleben, sowie die Oestreicher unter Esterhazi
in Potsdam vortreffliche Mannszucht; übel jedoch hausete das Lascy'sche Corps
in Charlottenburg, Schönhausen und Friedrichsfelde, denn unter ihm dienten
viele ehemals bei Pirna gefangene Sachsen, welche ihrem Groll durch Ausschweifungen
aller Art in dieser Zeit Luft machten.
Vor Allen machten sich zwei Männer in der Stadt Berlin bei dieser Gelegenheit
verdient, der schon erwähnte Kaufmann und Fabrikant Gotzkowski, und
der holländische Gesandte van Verelst. Ersterer benutzte seine Bekanntschaft mit russischen
Offizieren, von denen er einigen früher wesentliche Dienste erwiesen hatte,
zur Verminderung der auferlegten Kriegssteuer, sowie überhaupt zur Erleichterung
des durch die Besitznahme der Stadt herbeigeführten Zustandes; der holländische
Gesandte leistete ihm hierbei nachdrücklichen und erfolgreichen Beistand.
Ein gewichtiger Grund der bescheidenen Forderungen von Seiten der
Feinde war auch wohl die Besorgniß vor Friedrichs Ankunft, der, wie wir
aus dem obenerwähnten Briefe wissen, hinreichende Maßregeln für die Sicherheit
seiner Hauptstadt getroffen zu haben meinte. Wirklich blieben fie nur vier
Tage, bis zum 12. Oktober, in Berlin, und sollen sogar schon vor dem Einzuge
in einem besonderen Kriegsrathe die sofortige Räumung beschlossen haben.
Sobald die Kunde von Friedrichs Anmarsch erscholl, da entfernte sich der Feind
in großer Hast, und nicht nur Berlin, sondern die ganze Mark wurde von
seiner Gegenwart befreit; Lascy eilte nach Sachsen, um sich mit Daun zu vereinigen;
die Russen zogen über die Oder, doch auf dem Rückzuge ließen es die