Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

XIV  Vorwort

des  Jahres  1915  aber  noch  nicht  geschildert,  da  dieser  im  Zusammenhang
mit  der  deutsch--österreichischen  Offensive  des  Jahres  1917  dargestellt  werden
soll.  Neu  ist  im  dritten  Band  die  an  die  Spißze  gestellte  Schilderung
des  Seekrieges  vom  Beginn  der  Feindseligkeiten  bis  zum  Frühling  1915,
von  der  ich  im  Vorwort  des  zweiten  Bandes  nichts  sagee,  weil  ich  den
tragenden  Gedanken  nicht  preisgeben  wollte,  aus  dieser  Perspekeive  den
Krieg  noch  einmal  vom  Beginn  bis  zu  der  am  Ende  des  zweiten  Bandes
stehenden  Winterschlacht  in  Masuren  zu  überblicken,  um  zugleich  in  seine  ursächlichen
  Zusammenhänge  und  in  seine  tragischen  Tiefen  zu  leuchten.  Da  der
Umfang  des  dritten  Bandes  den  des  ersten  und  zweiten  Bandes  übertrifft,
mußte  ich  diesmal  darauf  verzichten,  Auszüge  aus  den  Betrachtungen  zur
Kriegslage  des  „Bund“  beizugeben,  doch  sei  erwähnt,  daß  die  Auschauungen,
  die  in  diesen  Betrachtungen  niedergelegt  wurden,  in  der  Darstellung
selbst  nicht  verlassen  worden  sind.

Der  vierte  Band  wird  zunächst  die  Feldzüge  des  Jahres  1916  und  1917
umfassen,  also  die  Entwicklung  bis  zum  letzten  großen  Intervall  darstellen,
in  dem  der  Weltkrieg  noch  mit  etwelcher  Aussicht  auf  eine  minder  schwerc
wirtschaftliche  und  gesellschaftliche  Erschütterung  und  eine  weniger  katastrophal
  wirkende  Amgestaltung  des  europäi#schen  Kontinents  beendet  werden
lonnte.  Wird  der  vierte  Band  hierdurch  vollständig  in  Anspruch  genommen,
so  bliebe  einem  fünften  Band  die  Darstellung  der  Ereignisse  vom  November
  1917  bis  November  1918  und  die  Schilderung  der  Kolonialfeldzüge
  vorbehalten.

Die  Frage,  ob  der  Verfasser  zu  einem  längeren  Schlußwort  genöligt
wird,  um  die  im  ersten  Bande  gegebene  Darstellung  „Zur  WVorgeschichte
des  Krieges“  gewissermaßen  einer  Durchsicht  zu  unterziehen  und  dabei  auch
die  sogenannte  Schuldfrage  zu  erörtern,  läßt  sich  heute  noch  nicht  beant.
worten,  doch  ist  gewiß,  daß  darüber  nur  dann  mit  Nutzen  geschrieben  werden
kann,  wenn  sich  die  Archive  aller  Mächte  gleich  weit  öffnen,  wie  sie  sich
im  Jahre  1914  alle  gleich  eng  öffneten.

Der  Weltkrieg  hat  vier  Jahre  und  elf  Monate  gedauert.  Deutschland
hat  vier  Jahre  und  zwei  Monate  mit  den  Waffen  Widerstand  geleistet  und
focht  wie  Osterreich-=  Ungarn,  wie  das  von  ihm  zuvor  besiegte  Rußland,
wie  Bulgarien  und  die  Türkei,  bis  zur  völligen  Erschöpfung.  Es  ist  den
vereinigten  Anstrengungen  der  ganzen  gegen  das  artfremde  Deutsche  Reich
gerichteten  politischen  Welekoalition  erlegen.

Die  neue  politische  Machtverteilung  bestäligt  die  Vorherrschaft  Englands
  und  der  von  angelsächsischen  Anschauungen  getragenen  Vereinigten
Staaten  von  Amerika.  Das  darf  man  angesichts  der  triumphierenden  geschichtlichen
  Rückkehr  Frankreichs  an  den  Rhein  nicht  übersehen.  Insofern
entspricht  der  Ausgang  des  Krieges  der  politischen  Entwicklung,  die  den
alten  Kontinent  mehr  und  mehr  in  ein  nachgeordnetes  Verhältnis  zu  dem