Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1902. (79)

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Der  glatte  Verlauf  des  ganzen  Nach·  und  Abschubes
ist  nur  möglich  durch  entsprechenden
Schutz  des  Etappengebietes.

Insbesondere  bedürfen  die  Etappenorte  mit  ihren
Einrichtungen  und  die  in  Anspruch  genommenen  Verkehrsverbindungen
  einer  örtlichen  Sicherung  gegenüber
  feindlichen  Truppen  oder  feindlich  gesinnter  Bevölkerung.
  Schon  das  einfache  Durchbrechen  einer
Straße  und  das  Aufheben  der  dort  befindlichen  Niederlagen
  durch  feindliche  Abteilungen  kann  Unordnung
  aller  Art  und  schlimmere  Folgen  für  die  Versorgung
  mit  sich  bringen.  In  noch  viel  höherem
Grade  gilt  dies  von  der  Störung  des  Bahnbetriebes,
die  bei  mangelhafter  Sicherung  leicht  und  sogar  auf
längere  Zeit  wirksam  herbeigeführt  werden  kann.

Der  Schutz  des  Etappengebietes  wird  zwar  im  allgemeinen
  durch  die  Operationen  und  kämpfenden

ruppen  selbst  erreicht.  Die  besondere  örtliche  Sicherung
  des  Etappengebietes  und  der  Etappenverbindungen
  ist  aber  Sache  eigener  Etappentruppen
  und  erfordert  besondere  Schutzmaßnahmen.
  Die  Etappentruppen  sind  den  Etappenkommandanturen
  nach  Bedarf  zugewiesen  und  werden
von  diesen  zu  Wach-  und  sonstigen  Sicherheitsdiensten
verwendet.  Wichtige  Punkte  Ssind  unter  Umständen
durch  Feldbefestigungen  verstärkt  und  mit  ständigen
Abteilungen  besetzt.  An  Bahnhöfen.  Brücken.  Unterführungen,
  Tunnels  und  sonstigen  Kunstbauten  sind
Sicherheitswachen  und  -posten  aufgestellt  und  entsprechende
  Vorkehrungen  gegen  feindliche  Anschläge  sowie
  gegen  Unternehmungen  aus  der  Luft  getroffen.
Streifzüge  leicht  beweglicher  Truppenabteilungen  dienen
  dazu,  Unbotmäßigkeiten  der  Bevölkerung  und
die  Bildung  feindlicher  Freischaren  zu  verhindern.
Ein  reger  Mutkouillendienst  trägt  zur  weiteren  Sicherung
  des  Etappengebietes  bei.  Alle  Nachrichtenmittel
und  alle  Organe,  die  das  Nachrichtenwesen  zu  fördern
vermögen,  sind  zur  Erreichung  eines  zuverlässigen
Nachrichtendienstes  ausgenutzt;  dabei  ist  besonders
für  sichere  Verbindung  der  benachbarten  Etappenorte,
der  stehenden  Wachen  und,  wenn  irgend  möglich,  auch
der  herumstreifenden  Abteilungen  gesorgt.  Vor  allem
wird  der  Nachrichtenverkehr  innerhalb  der  Bevölkerung
  streng  überwacht.  Beifeindlicher  Haltung  der  Bevölkerung
  sind  besondere  Maßnahmen  gegen  Widersetzlichkeiten
  und  überraschungen  getroffen.

Die  Sicherung  der  Etappenlinien  weiter
rückwärts,  in  den  unter  besondere  Verwaltung  genommenen
  feindlichen  Gebieten  und  im  Heimatgebiet,
ist  Sache  der  Generalgouvernements  und  der  stellvertretenden
  Generalkommandos  und  erfolgt  in  ähnlicher
  Weise  wie  im  Etappengebiet.  —  Der  sichere

Berlauf  der  Heeresversorgung

stellt  an  die  Etappe  gewaltige  Anforderungen,  weil
die  Operationen  durch  die  Rücksicht  auf  die  Ver-III.

  Technik  und  Kriegführung

sorgung  niemals  gehemmt  oder  gar  unmöglich  gemacht
  werden  dürfen.  Deshalb  erfordert  er  vor  allem
eine  vorausschauende  Regelung,  dann  aber  auch  große
Anpassungsfähigkeit  an  die  wechselnden  Verhältnisse
des  Krieges.  Denn  die  ganze  Heeresversorgung  geht
im  raschen  Bewegungskrieg  anders  vor  sich  als  beim
langwierigen  Stellungskrieg,  im  Krieg  auf  dem  g
gangbaren  Flachland  anders  als  im  schwierigen  Gebirgskrieg;
  sie  ist  beim  Vormarsch  anders  als  in  der
Schlacht,  während  ruhigerer  Kampfzeiten  andexs  als
vor  der  Entscheidung.  In  jedem  Fall  aber  handelt
es  sich  für  die  Etappe  darum,  den  Nach=  und  Abschub
in  der  zweckmäßigsten  Weise  sicherzustellen.

Schon  während  der  Versammlung  muß  dafür  gesorgt
  werden,  daß  gleich  bei  Beginn  der  Operationen
ein  regelmäßiger  und  selbsttätiger  Lauf  des  Nachschubes
  einsetzen  kann.  Während  der  Operationen  bilden
die  Etappen-  und  Kraftwagenkolonnen  das  Bindegieh
  zwischen  Eisenbahn  und  Korpskolonnen;  die

raftwagenkolonnen  dienen  hierbei  zu  weitgehender
Entlastung  der  Pferdekolonnen.  Dies  gilt  besonders
beim  Vormarsch.  Bei  längerem  Vormarsch  ist  es  aber
notwendig,  daß  vor  allem  der  Eisenbahnbetrieb  der
Armee  ununterbrochen  folgt.  damit  in  der  geregelten
Zufuhr  aus  der  Heimat  keine  Schwierigkeiten  entstehen.
  Bei  bevorstehender  Entscheidung  ist  die  rechtzeitige
  Heranführung  reichlicher  Munitionsvorräte  die
wichtigste  Aufgabe,  denn  dann  ist  Munition  wichtiger
als  Verpflegung.  Deshalb  werden  alle  verfügbaren
Kolonnen  dem  Munitionsnachschub  dienstbar  gemacht.
Während  der  Kämpfe  geht  die  Munitionszufuhr  unausgesetzt
  weiter.  Dabei  darf  aber  auch  die  Versorng
  mit  Lebensmitteln  keine  Stockung  erleiden;  die
ranken-  und  Verwundetenfürsorge  kommt  dazu,  und
die  Versorgung  der  Kriegsgefangenen  ist  ins  Auge
zu  fassen.  Nach  der  Schlacht  hat  wiederum  der  Munitionsnachschub
  den  Vorrang  vor  allen  Transporten.
  Bei  der  Verfolgung  nach  siegreicher  Schlacht
kommt  zum  erhöhten  Munitionsnachschub  noch  der
Abtransport  zahlreicher  Verwundeter  und  Gefangener
  sowie  der  Kriegsbeute;  dann  wird  aber  auch
der  beschleunigte  Nachschub  alles  Sonstigen  nötig,
und  dazu  bedarf  es  in  erster  Linie  schneller  Weiterführung
  des  Eisenbahnbetriebes.  Beim  Kampf  um
Festungen  und  im  Stellungskrieg  handelt  es  sich  nicht
nur  um  die  Zuführung  des  gesamten  Verpflegungebedarfes,
  sondern  auch  um  den  Transport  von  schwerem
  Geschütz,  sonstigen  Belagerungsmitteln  und  großen
  Munitionsmengen.  Dies  erfordert  den  Ausdan
der  Eisenbahnen  für  den  Betrieb  mit  schweren  Zügen,
die  Anlage  von  Feld-  und  Förderbahnen  und  die
Verbesserung  der  Landstraßen,  namentlich  für  den
Lastenverkehr.  Dafür  ist  aber  der  ganze  übrige  Nachund
  Abschubtransportdienst  wesentlich  erleichtert,
weil  die  Magazine,  Depots,  Lazarette  usw.  zu  ständigen
  Anlagen  eingerichtet  sind.

Das  Sionierwesen
von  Hauptmann  a.  D.  Oefele  in  Würzburg
Hierzu  Tafeln  ?  Pionierwesen  I  und  1I4.
Allgemeines.
Der  Krieg  stellt  die  Truppen  aller  Waffen  vor  Aufaben,
  die  sie  nur  mit  Hilfe  von  Pionierarbeiten  zu
ewältigen  vermögen.  Die  Ausführung  solcher  Arbeiten

  kann  notwendig  werden  nicht  allein  im  Kampf
bei  Angriff  und  Verteidigung,  sondern  auch  bei  Märschen
  und  während  der  Ruhe,  nicht  nur  in  den  stabilen
  Verhältnissen  des  Festungs-  und  Stellungskampfes,
  sondern  auch  beim  Bewegungskrieg  und  in  der
offenen  Feldschlacht,  ganz  vorne  am  Temde  ebenso
wie  im  Rücken  der  fechtenden  Truppen,  bei  der  Tätigkeit
  am  Tag  in  gleicher  Weise  wie  bei  Unternehmun-