man kann wohl eine Kuh aus dem Stall heraus,
aber keine wieder hineinspinnen;
wat nich läpelt, dat nich schäpelt!
Gewiß wird niemand bestreiten:
'n lutten Läpel lett wol nett',
'n groten Läpel schafft doch bät.
Aber wenn man keinen großen hat? Wer an den
langen Winterabenden nichts Besseres zu tun weiß
als Spinnen, der freut sich im Sommer doch all
der langen Leinwandreken, die er ihnen verdankt,
und oft genug wird auch heute noch das Worr
wahr sein:
Dat Spinnen is a klein Gewinmen;
aber wer't nich deet,
mit dem blore (= bloßen) Arschloch geht.
Veel Lüttes makt een Grotes.
Darum muß man auch jede Gelegonheit wahrnehmen:
Man möt den Hasen flahn, wo he fitt;
Wenn em Farka aboda (-Ferkel angeboten) wara,
möt ma'n Sack uphulla. 48)
Holl wiß, wat du hest,
un nimm, wat du kriega kast.
Auch die beste Aussicht ist immer unsicher und trügerischt
Ein hebben is bäter as nägen kriegen;
'n Sparling in de Hand is bäter as 'ne Duw
upt Dak.
Wat de Minsch hett, dat hett he.
Wem alles nicht fein genug ist, der kommt oft zu
spät zu der Erkenntnis:
'n grawen Knust is bäter as ne leddig Fusti
Bäter schlicht führt as god gahn. 49)
Ein guter Wirt weiß auch:
Man möt keen unreigen Water utgeeten,
bed man reigen wedder hett.
Es ist ja sehr schön, stets das Beste, das Neueste
zu haben; aber Tatsache ist:
De knarrm (= knarrenden) Wagen führen am
längsten,
De geflickten Hosen hollen am längsten.
De sick ihrlich will ernähren,
möt väl flicken un wenig vertehren.
48) Aehnlich schrieb Luther in einem Briefe an
Spalatin vom 10. Juni 1525, in einer Zeit, als er
sich schon mit dem Gedanken vertraut machte zu
heiraten, in Hinblick auf die vielen heiratslustigen
Nonnen in Wittenberg: „Wenn sich das Ferkel
beut, soll man den Sack herhalten.“
Dem geschenkten Gaul sieh nicht ins Maull
49) Scherzhaft:
God frühstücken is beter, as wenn eenen söben
Buern goden Dag beeden:
'n godes Frühstück is beter, as'n ganzen Dag
nicks.
Vergleiche auch:
n bäten un wat Gods is bäter as väl un
wat nich dögt.
Unser DPommerland.
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Denn auch
De Tährung möt sick na de Nährung richten:
verlang’' kein Barben to äten,
dor du kum 'n Gründling betalen kannstl
Wohlschmack bringt Bettelsack;
wat de Bur bringt inne Arma,
schleppt he wedde we inne Darma.
Die Schwester der Anspruchslosigkeit
Sparsamkeit:
Häg wat, so hest du watl 50)
Hägup hett wat, Frettup hett nicks.
Sparsamkeit darf aber nicht zur Knauserei ausarten:
Lang fasten is keen Brod sparen;
demm wer lange gehungert hat, ißt nachher desto
mehr — wenn er nicht etwa schon vorher stirbt:
Wat man hägt vör sinen Mund,
frett anne Lüd Katt un Hund. 51)
Schraper ward nich selig. —
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus,
und freier schaut der Bauer in die Zukunft;
Hei hett sin Schop im Dröge
u für Schmatzke 52) up de Ricke.
ist die
Er hat eine schuldenfreie Wirtschaft und noch ein
Stück Geld zurückgelegt. Wo er geht und steht,
merkt er den Vorteil der Wohlhabenheit.
Bar Geld lacht;
Vör Geld kriggt man Zucker.
Vör Geld un gode Wüer is allens to hebben.
Wer Geld hett, kann' Deuwel danzen sehn.
Im RNohr is god Pipen sniden;
wer't lang hett,
lett't lang hängen.
Nun hofft er, die Früchte seiner Arbeit
genießen zu können, und frohlockt:
Vörbi is de Smart, lustig is min Hart.
Aber wie oft geht's auch hier so: „Der Mensch
denkt, Gott lenkt.“
Wenn erst Brot, dann kommt der Tod;
wenn de Hingst Hawe hett, denn starwt hei 53)
wenn de Boom is grot,
denn is de Gärtne dot.
Noch trauriger ist es, wenn die nun Begüterten
50) Spar wat, so hest du wat.
Spare in der Zeit, dann hast du's in der
Not.
Prius Servatius, dein Bonifacius (erst sparen, dann
geben) sagte Herzog Barnim I. von Pommern.
51) Wat man sich afspart an'n Munn,
dat fräten Katten un Hunn;
wer vör morgen spurt,
de spart vör de Hunnen.
52) Auch „Schmauzk“, nicht nur, wie Grimms
Wörterbuch unter „Schmasche“ angibt, ein „feingubereitetes
Lammfell“, sondern auch das eben dem
Lamm abgezogene, das man hier zum Trocknen auf
eine Stange gehängt hat. Es wird abgeleitet vom
polnischen smusik und ist schon 1327 belegt.
in Ruhe