171
4, 3; mit aufgehobenem zeigelinger (Geberde der Warnung)
Freytag Soll 2, 123. 2) in Fällen, wo der
beutigen Spr. nur noch das weniger scharf Richtung
estimmende erheben genehm ist: hub jre stimme auf
und weinet 1. Mos. 21, 16; älter auch ohne Obj.: die
eEapeläan .. huoben uf und sungen Dietr. Flucht 699;
den beeber, krug, die kandel (Garg. 77) aufheben, an
aufheben.
hier ohne Obj.: dõ huob er üf unde trane Weinschwelg;
zinsen, steuern, gefälle: täglich aufzuheben gebabt
funfzig pfunt golts Aventin 1, 659; ein groszes losamentgelt
aufheben Simpl. 2, 80; vermittelst deren ich
(ein Bettler) viel allmosen aufhebe 3, 307; bildlich, noch
bei Schiller: mit meinem protegé .. babe icb freilich
wenig ehre aufgehoben (erlangt) an Goethe 1797; wie
ganz eigentlich: hoch, zu bergen aufgehoben, schwillt
das meer Hero; refl. sich erheben zum Fortgehen: er
huop sich dOf vil höhe und floug in anderiu lant Minnef.
Frühl. 9; nachdem sich die wolke aufhub 4. Mos. 9, 17;
abt bedt sich auf Goethe Götz 1. 3) in den alten
Fechtschunlen werden vor Beginn des Fechtens die Waffen
der Gegner auf den Boden gelegt Waßmannsdorff
Fechtschul. 17 6) und aufgehoben: (wer) zu thun ein
günglin hett ein lust, der heb auf ebd.; das hieß
auch ein aufhebens machen (Ayrer 1003), was mit
gewissen rühmenden Worten geschah; ein auf ebens
macht wie die handwerksburseh in den fechtschulen
Schuppins 604; davon das jetzt verblaßte ein aufheben,
aufhebens machen, rühmen, prahlen: läszt den
Arclino von den angeführten stanzen . cin auszerordentliches
aufbeben machen Lessing Laok. 20; immer
so viel aufhebens und prablens davon machen Wieland
Danischm. 13; kein mensch hat davon ein aufhebens
gemacht Bismarck Reden 2, 76. 4) aufgehoben
und ergriffsen werden im Lager, Hinterhalt, Versteck
liegende Scharen oder Einzelne: wo sie des feinds
Jachten möehten uffheben Wickram Goldfad. 835; in
. mit ainer mumerci bei seinem gemabel im het auf-Zzuheben
Zimm. Chr. 2, 51; dasz wir keinen augenblick
sieber sind, aufgehoben zu werden Schiller Ränb. 1,2;
die Oestreicher konnten gestern . den könig und uns
alle ausbeben Bismarck Brief 1866. 5) aufheden, ergreifen
zum Bewahren, daher bewahren selbst: sol die
asehen aufbeben (vom Brandopfer) 3. Mos. 6, 10; buben
auf wus uberig bleib von brocken Matth. 14, 20; Doris
will ich . für Sie aufheben (als Fran) Gellert 4,
224; geld aufzuheben Lessing Minna 1, 1; den
jäger? den hat der herr aufzuheben gegoben 3, 2; wer
weisz wo mir sonst ein gluck aufgehoben ist 5, 1, wie
anfsparen; die vermählung bleibt gelegeneren tagen
aufgehoben Schiller Iphig. 1, 1. 6) einem etwas aufheben,
eine Handlung aufgreisen und tadeln, viel in
älterer Spr., und noch 17. Ih.: einem aufzuheben oder
vorzurucken, wann er so vieler soldaten blut unnutzlich
verschwendet Simpl. 3, 243: nachher untergegangen.
7) aufbeben und wegnehmen des Tischtuches bezeichnet
Beendigung der Mahlzeit, ebenso den tisch aufheben,
Speifen abtragen Galmy 15; daher die tafel aufheben
(Schiller #, 315) Bewirtung für geschlossen erklären;
von da verblaßt beendigen, abschaffen, in Wirkung vernichten,
belagerung, gesctze, verträge, bundnisse, anstalten
u. a.; waren alle ämpter abtan, aller ander ge.
walt aufgehebt Aventin 1, 321; habt also gottes gebot
aufgehaben Matth. 15, 6; wird aufheben die schmach
seines volkes Jes. 25, 8; briefwechsel nicht aufheben
Gellert 4, 223; innere freiheit aufbeben Schiller
10, 341; gebrechen aufheben, lindern Goethe
Wanderj. 2, 2; sprichwörtlich aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
8) bei der alten Weise des Rechnens auf dem
Bret wurde der Zahlpfennig aufgehoben zur Begleichung
der Rechnung, daher noch jetzt zehn gegen zehn hebi
sich auf, und freier in manchen Wendungen: sechuld
und strafe heben sich gegen einander auf; alle strafe
2
172
hebet sich auf Goethe Rein. 12; mit dem wucherer
aufzuheben Schiller 4, 324; als ich auf immer mit
der krone aufgeboben Karl. 3, 10; Sie haben auf meine
unkosten gelacht, jetzt lache ich auf die Ihrigen, und
so beben wir gegen einander auf Neffe 2, 8. — Aushebung,
s. Handlung des Aufhebens, in allen Bedentungen.
— ausheften, heftend auf etwas befestigen,
spitzen; einem narren schellen auf die kappe; übertragen
einem etwas, Erlogenes anhängen: dieser Sicilianer
soll uns meinethalben nur ein mühreben aufgebesftet
haben Schiller 4, 259. — aufheitern, zur
Heiterkeit bringen, refl. vom Wetter: der himmel beitert
sich auf; die gauze natur bat sich aufgeheitert Schiller
2, 349; refl. und trans. von Antlitz und Stimmung:
einen aufbeitern; detrübnis aufheitern Goethe l5,
1233; heitre dich auf Schiller Ränb. 3, 2. Intranf.
das wetter heitert auf, oberdeutsch. — aufhelfen, in die
Höhe helfen: nu half erm (er ihm) as bi der haut Erec
(9388; in frischem Bilde, auch bei Unglück, Sünde: wenn
der reiche fallen will, so helsen jm seine freunde nuf
Sir. 13, 25: die uns aufhillft, wenn wir fallen Opitz
2, 63; ich hoffe, ich werde mir aufhelsen Freytag
Journ. 4, 1. Ungewöhnlich mit Acc.: dasz ein einziger
krämer auch nur einen einzigen handwerker aufgeholsen
habe Möfer Phant. 1, 23. — aufhellen, zur
Helligkeit bringen, refl. der himmel hellt sich auf; von
Antlitz, Stimmung, Verständnis, refl. und tranf.: scin
gesicht hellt sich auf; was in ihr (der Welt) wirklich
aund was nichtig, ist vor mir ewig aufgchellt Rückert
Liebesfr. 1, 14; rüthselhaftes aufzuhellen Müllner
Schuld 2, 1. — aufhenken, wie aufhungen, oberdeutsch:
soldaten, die ihn aufbenken Schiller Fiesko 5, 10.
— aushetzen, hetzend aufbringen, hunde werden auf das
wild aufgehetzt; viclsach freier: das volk gegen das
königthum aufgebetzt Goethe 30, 22.
Aufhissen, in die Höhe ziehen, Schifferausdruck nach
niederd. uphissen (s. bissen), die segel, die flagge. —
aufhocken, intrans. auf den Rücken jemandes steigen:
hockt auf! Goethe Sat.; trans. auf den Rücken nehmen,
einen, eine last; landwirtschaftlich garben, in
Mandeln setzen. — aufhöhen, höher machen, die erde um
eine Pflanze: eine strasze, pflasterung; als Künstlerausdruck
beim Auftragen von Farbe: wie man auf dunkelm
grunde die liehter aufböht Goethe; federzeichnung,
die liobter mit weisz aufgehöbt Heyse Par. 1, 151.—
aufhorchen, horchend sich einem oder etwas zuwenden,
zuerst von Frisch verzeichnet; üueh dem die mitternacht
aufborcht Klopstock Mess. 6, 293; begierig horcht
ich auf Goethe Tasso 2, 1; für zuhören: ich bin mude,
doch will ich aufhorchen Platen gläs. Pant. 1. — aufhören,
1) hörend sich zu einem wenden: höre auf ausculka
tieler. 2) gewöhnlich ablassen, eine angefangene
Thätigkeit nicht sortsetzen; in dieser Bed. schon im mhd.
als a#t hurren neben einfachem he#ren häufig; ein früh
verblaßter Ausdruck, am wahrscheinlichsten aus der Spr.
des alten Feldlebens, in welchem die zu einem Kriegszuge
vereinigte Schar durch das Hcerhorn nicht nur zum Angriffe,
sondern auch zum Zurückkommen vom Sckwärmen
und zum Bezug des Nachtlagers gerufen wurde (letzteres
z. B. altengl. Exodus 132). aufhören gieng demnach
zunächst auf das Beachten dieses Signals, und damit
zugleich auf Ablassen vom Vordringen, woraus der allemeine
Sinn des Abstehens von einer begonnenen
hätigkeit erwuchs; in verschiedener Fügung, einer, ctwas
hört auf: Ileinz hor doch auf! Fastn. Sp. 385; ch iel
sinke in die nichtigkeit, so klein aufhöre, der so gros:
begonnen Schiller Wallenst. 1, 7; es mussen aufhören
die weissagungen, und nufhören die sprachen 1. Cor.
13, 8; aufhörcn in einer rede, mitten in einer thätig
keit, mit der arbeit; als er aufgehört zu reden Luc. 5,4;
bör auf mit deinem gram zu spielen Goethe Faust I
(dafür in nicht gewählter Rede: endlich #ugte gott, Jasz
Anfhebung — aufhören.