Marschall Ney kommt nach Königsberg.
Mitte Dezember 1812.
Wenige Tage nach jenem 14. Dezember, an welchem
die letzten Trümmer der französischen Armee unter dem
Marschall Ney den Niemen überschritten, trat in das kleine
Simmer des Generals Dumas, der in Königsberg darniederlag,
ein rauhbärtiger, von Rauch geschwärzter Mann mit
versengten Brauen und in einen Lumpen von Mantel gehüllt.
„So, Dumas, da wäre ich endlich!“ — „Ja, mein Sott,
wer sind Sie denn?“ — „Wie, General Dumas, Sie kennen
mich nicht?“ — „lein, wahrhaftig nicht; wer sind Sie?“ —
„Unn, ich bin die Nachhut der großen Armee, der Marschall
Michael Ney. Ich habe an der Brücke von Kowno den letzten
Schuß getan, habe meine Waffe in den Uiemen geworfen und
mich dann so, wie Ihr mich seht, hierher gemacht.“
(AUnch Rehtwisch, Rapoleon in Rußland.)
Tlausewitz über die russische Derfolgung.
Nie hat eine Derfolgung im großen mit solcher Tätigkeit
und Anstrengung der Kräfte stattgefunden wie in diesem Feldzuge.
Freilich waren die russischen Generale oft zaghaft in
dem Zugenblick, wo sie die Flüchtlinge greifen sollten, aber
darum war ihre Uätigkeit des allgemeinen Nachrückens doch
bewundernswert; man muß nur den Maßstab nicht aus
den Kugen verlieren. In den Monaten Uovember und
Dezember nach einem angestrengten Feldzuge zwischen Schnee
und Eis in Rußland, entweder auf wenig gebahnten UNebenwegen
oder in der ganz verwüsteten hauptstraße, bei einer
sehr großen Schwierigkeit der Derpflegung, dem flüchtigen
Feinde 120 Meilen weit innerhalb fünfzig Tagen folgen,
ist vielleicht beispiellos; und um das Ganze dieser großen
Anstrengung mit einem Worte auszudrücken, dürfen wir nur
sagen, daß die russische hauptarmee 110000 Mann stark von
Tarutino abmarschiert und 40000 Mann stark bei Wilna angekommen
ist. Das übrige war tot, krank, verwundet oder
erschöpft zurückgeblieben.
(elausewitz, Der Feldzug 1812 in Rußland.)
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