102 Erstes Buch. Die neue Staatsgründung des Großen Kurfürsten.
jahr 1666. In einem Streit zwischen den Niederlanden und dem
kriegerischen Bischof von Münster, Christoph Bernhard von
Galen, hatte er bewaffnet vermittelt. Auch der drohende Aus—
bruch des englisch-niederländischen Krieges hielt ihn in Cleve
fest. Zahlreiche Gesandtschaften umdrängten ihn dort: er sah
sich von allen Seiten umworben und wurde so recht seiner
besseren Stellung inne. Um so weniger glaubte er gehindert
zu werden, wenn er ein ihm von Europa zuerkanntes Recht
für die Zukunft sicherte. So erhielt Sparr, als er die Truppen
nach den Marken zurückführte, den Befehl, Magdeburg zur
Huldigung zu zwingen. Der Administrator wurde eingeladen,
mit seiner Auntorität Hilfe zu leisten, und ließ geschehen, was
er nicht hindern konnte. Die Magdeburger dachten anfangs
an Widerstand und beeilten die Herstellung der verfallenen Befestigungen.
Doch gewannen die besonneneren Elemente unter
dem Bürgermeister Otto von Guericke die Oberhand, zumal
Fügsamkeit bessere Bedingungen verhieß. In dem benachbarten
Wanzleben hatten der Rat und die IZunungsmeister mit Sparr
eine Besprechung. Danach wurde am 28. Mai im Kloster Bergen
ein Vertrag unterzeichnet, der die Formalitäten der dem Kurfürsten
und dem Administrator zu leistenden Huldigung und
die Aufnahme und das Traktament der Besatzung ordnete, der
Bürgerschaft aber ihre Rechte und Freiheiten bestätigte. Am
8. Juni zogen die Kurfürstlichen ein, am 26. huldigte die
Stadt. Nun erst konnte der künftige Anfall dieses wichtigen
Gebieto für gesichert gelten — der erfreuliche Erfolg einer
wohl vorbereiteten und durchgeführten politischen und militärischen
Aktion, welche alle überraschte, die sie zu hindern ein
Interesse oder Lust gehabt hätten.