101
v. Chr.
50
v. Chr.
1 — 6 —
3. Untergang der Cimbern. 101 v. Chr. Indessen stiegen die Cimbern über
die Alpen. Marius stellte sich ihnen in der Po-Ebene entgegen. Die Cimbern
bildeten ein großes Viereck, dessen vorderste Reihen sich mit Ketten aneinander
gebunden hatten. Es war ein heißer Tag, und die Sonne schien ihnen noch dazu
ins Gesicht; auch trieb ihnen der Wind den Staub in die Augen. Bald mußten sie
weichen, und die meisten von ihnen wurden erschlagen. Wer fliehen wollte, den
töteten die Weiber, die, in schwarze Kleider gehüllt, auf der Wagenburg hinter den
Kämpfern saßen. Als sie den Untergang ihrer Männer vor Augen sahen, warfen
sie ihre Kinder zur Erde, ließen sie von den Hufen der Tiere und den Wagenrädern
zermalmen und gaben sich dann selbst den Tod.
2. Bermann, der Befreier der Deutschen. 9 n. Chr.
1. Kümpfe der Römer Cäsar, Drufus und Aberius gegen Deutschland. Be-
reits 50 v. Chr. hatte der römische Feldherr Julius Cäsar Gallien bis an den
Rhein erobert. Kaiser Augustus wollte nun auch noch ganz Deutschland unterwerfen.
Das Römische Reich war damals das größte Weltreich und hatte eine riesenhafte Aus-
dehnung. Es gehörten dazu Italien, Spanien und Portugal, Frankreich, England, die
Schweiz, Griechenland, Agypten, Kleinasien und Palästina.
Zuerst schickte Augustus seine beiden Stiefsöhne, Drusus und Tiberius,
nach Deutschland. Diese eroberten den südlichen Teil des Landes bis zur Donau.
Am Lech gründeten sie Augsburg. Während nun Tiberius an der Donau blieb,
ließ Drusus 50 Burgen (Cöln, Koblenz, Trier, Straßburg, Worms usw.) am Rhein
anlegen und unternahm von hier aus vier Heereszüge nach Deutschland. Zurletzt
drang er bis zur Elbe vor.
Hier stellte sich ihm — wie die Sage berichtet — ein riesenhaftes Zauberweib entgegen
und sprach drohend zu ihm: „Wohin, unersättlicher Drufsus? Es ist dir nicht beschieden, alle
diese Länder zu schauen; kehre um, du stehst am Ziele deines Lebens!“ Erschreckt kehrte Drusus
um; beim Übergang über die Saale stürzte er mit dem Pferde, brach ein Bein und starb bald
darauf. (Gedicht: Drusus'’ Tod.)
Hierauf setzte sein Bruder Tiberius sein Werk fort und unteriochte durch List
und Verrat alle deutschen Bölker zwischen Rhein und Elbe. Uberall suchten nun
die Römer römischen Götterdienst, römisches Recht und römische Sitten einzuführen.
Viele Deutsche traten in römische Kriegsdienste, und die Söhne der Edeln wurden
nach Rom geschickt, um dort erzogen zu werden.
2. Barns. Im Jahre 6 n. Chr. schickte der Kaiser Augustus seinen Feldherrn
Varus als Statthalter nach Deutschland. Dieser errichtete an der Weser ein festes
Lager und behandelte ganz Norddeutschland wie eine römische Provinz. Er hob
die alten Schiedsgerichte auf und setzte römische Richter ein, die in ihrer Sprache
und nach ihrem Gesetz das deutsche Volk richteten. Auch legte er Steuern auf, die
bis dahin kein freier Mann gezahlt hatte. Wenn er durch das Land zog, ließ er
nach römischer Weise Beile und Rutenbündel vor sich hertragen zum Zeichen, daß
er Macht über Leben und Tod habe. Ja, es kam vor, daß freie Deutsche mit
Ruten gepeitscht oder wohl gar mit dem Henkerbeile hingerichtet wurden, während
die Todesstrafe bei ihnen sonst nur auf Landesverrat und auf Feigheit im Kriege
festgesetzt war. Das alles erfüllte die Deutschen mit Ingrimm.
3. Hermann. Bald kam dem bedrängten Lande der Retter; das war Her-
mann, der Sohn eines Cheruskerfürsten. Die Cherusker, d. h. Schwertmänner,