Volltext : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

449
hätte  der  Herzog  Geld  gehabt,  so  würde  er  es  lieber  auf  Beförderung
  seines  Restitutionsgesuchs  angewandt  haben.

Es  war  doch  bläglich,  daß  er  den  Kaiser  bitten  mußte,
nicht  von  ihm  zu  erwarten,  daß  er  einen  Gesandten  nach
Wien  schicke.  Dieser  Aufwand  sey  für  ihn  zu  groß,  er  wönschte
alles  bloß  schriftlich  verhandeln  zu  dürfen.  Alle  Hoheit  eines
Teutschen  Fürsien  war  verloren,  daß  der  Graf  von  Trautmannsdorf
  sich  unterstehen  durfte,  dem  Bruder  des  Herzogs",
der  die  völlige  Restitution  persoͤnlich  in  Wien  negociirte,
geradehin  in's  Angesicht  zu  erklären  „Eberhard  moöchte  wic  an-„dere
  Fürsten  auch  mit  wenig  Land  zufrieden  seyn  lernen;
„Baden  und  Culmbach  sepen  bei  einem  kleinen  Lande  doch  auch
„Fürsten,  man  müsse  sich  schicken  lernen,  sparsamer  Hof  hal-„ten,
  guten  Haushalt  führen,  keine  kosibaren  Kindtaufen
„und  andere  Festins  halten.“  Frcunde  und  Feinde  ärgerten
sich,  daß  Eberhard,  während  sein  Land  von  allen  Parthien
ruinirt  wurde,  während  man  ihn  zu  Wien  berächtlich  wie  einen
  Unmündigen  behandelte,  während  er  selbst  den  Kaiser  bat,
seine-Ingend  anzusehen,  an  Liebeshisforien  deuken  mochte,  aufs
Heurathen  verfiel,  Söhne  und  Tochter  erzeugte,  Er  lernte  in
Straßburg  eine  Wild=  und  Rheingräfin  von.  Salm  kennen,
deren:  Schbnheir  ihn  so  fesselte,  daß  wenn.ihm  schon  die  Schweden
  riethen,  lieber  das  eiserne  Wammes  als  die  Bräutigamsbosen
  anzuziehen  2),  mitten  im'größten  Elend  doch  Hochzeit
gemacht  wurde;  man  konate  der  neuen  Herzogin  jaͤhrlich  nur
wierhundert  Gulden  aussetzen.  «

Das  Ungluͤck  wollte,  daß  die  Herzogin  schon  in  der  Mitte
des  siebren"  Monats  ihrer  Ehe  mit  einem  Prinzen  entbunden

*)  ECigene  Worte,  vielleicht  des  Kanzlers  Drenftirm  S.  Sattler,
v
*  M.  Werte.  V.  Pr.  20