Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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habe  ihm  durch  den  Kaiserlich  Russischen  Gesandten,  Grafen  Romanzow,  den
vorher  bereits  durch  den  Gesandten  von  Lehrbach  gegangenen  sonderbaren  Antrag
  thun  lassen,  daß  das  Haus  Pfalzj-Baiern  dem  Hause  Oestreich  ganz  Oberund
  Nieder-Baiern,  die  Oberpfalz,  die  Landgrafschaft  Leuchtenberg  und  die
Herzogthümer  Neuburg  und  Sulzbach  gänzlich  abtreten  möchte;  dagegen  des
Kaisers  Majestät  dem  Hause  Pfalz  Ihre  Niederlande,  mit  denen  von  der  Republik
  Holland  zu  erwartenden  Vortheilen,  jedoch  mit  Ausschluß  der  Herzogthümer
  Lurxemburg  und  der  Grafschaft  Namür,  unter  dem  Titel  eines  Königreichs
  Burgund  abtreten  und  dem  Kurfürsten  und  Herzoge  annoch  drei  Millionen
  Gulden  zu  gefälligem  allenfalls  genügendem  Gebrauche  auszuzahlen,  sich
aber  alle  Artillerie=  und  National-Truppen,  sowohl  von  den  Niederlanden  als
von  Baiern,  und  zugleich  das  Recht  in  den  Niederlanden  nach  Gutbefinden
negociren  zu  können,  vorbehalten  wollten,  und  sollte  ein  jeder  Theil  die  auf
jedem  Lande  haftenden  Schulden  übernehmen;  der  Tauschhandel  sollte  geschlossen
werden  unter  der  Garantie  von  Frankreich  und  Rußland,  ohne  von  Preußen
und  dem  Reiche  etwas  zu  erwähnen.“

Es  läßt  sich  denken,  mit  welchem  Widerwillen  Friedrich  der  Große  auf
einen  solchen  Tauschhandel  sehen  mußte,  durch  den  Oestreich  ohne  Zweifel  die
vollständige  Herrschaft  über  Süddeutschland  erworben  und  sein  unbedingtes
Uebergewicht  im  Reiche  festgestellt  hätte.  Es  war  ihm  deshalb  sehr  erwünscht,
daß  Herzog  Karl,  wie  sieben  Jahr  zuvor  beim  Erbfolgestreite,  sich  an  ihn  mit
seinen  Klagen  wendete;  und  gern  beförderte  er  eine  Denkschrift  des  benachtheiligten
  Fürsten  an  den  Hof  zu  Petersburg,  damit  derselbe  wegen  der  Bürgschaft
  des  Teschener  Friedens  den  Kaiser  Joseph  von  seinem  Entwurfe  abzubringen
  suche.

Die  Verpflichtung  lag  zu  offen  am  Tage,  als  daß  Katharina  sich  ihr  hätte
entziehen  können;  deshalb  ließ  sie  dem  König  durch  ihren  Gesandten,  den  Fürsten
  Dolgorucki  in  Berlin,  die  Erklärung  abgeben,  „sie  hätte  diesen  Tauschhandel
als  zuträglich  für  beide  Theile  erachtet,  und  dem  Herzoge  nur  in  dem  Sinne
empfohlen,  daß  derselbe  von  dem  freien  Willen  beider  Theile  abhinge.
In  ähnlicher  Weise  äußerte  sich  Frankreich,  und  da  Herzog  Karl  entschieden
jeden  Vorschlag  der  Art  verworfen,  so  sah  sich  natürlich  der  Kaiser  zum  Rücktritt
  gezwungen,  konnte  aber  zu  einer  Sicherstellung  vor  ähnlichen  Versuchen
nicht  veranlaßt  werden,  sondern  nur  zu  der  Versicherung,  „daß  er  an
einen  erzwungenen  Tausch  nie  gedacht  habe,  noch  jemals  denken
würde.“  Ein  Tausch  der  Art  mußte  aber  um  so  unbilliger  erscheinen,  da  von
den  469  Quadratmeilen  betragenden  östreichischen  Niederlanden  der  angebotene
Theil  nur  290,  der  Flächeninhalt  Baierns  aber  784  Quadratmeilen  betrug,
ohne  daß  Bevölkerung  und  Einkünfte  dies  Mißverhältniß  ausglichen.

Um  den  von  Joseph  II.  gehegten  so  gefährlichen  Absichten  einen  festeren
Damm,  als  den  nur  auf  seiner  eigenen  Persönlichkeit  ruhenden  Schutz  entgegenzustellen,
  kam  Friedrich  der  Große  auf  einen  schon  zu  Anfang  seiner  Regierung

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