248 Geschlechtsleben.
lichen, mageren Mädchen mit Vorliebe auf. Auch die Behandlung der
ausbleibenden Menstruation bei Zirkulationsstörungen wird daselbst be—
sprochen.
Unter dem „Wechsel“ versteht man den übergang ins Matronenalter,
den Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit mit dem Versiegen der monatlichen
Blutung. Sie tritt unter normalen Verhältnissen zwischen dem 46. und 52.
Jahre ein. Obwohl man annehmen zu müssen glaubt, daß befruchtungsfähige
Eier anch nach dem Verschwinden der Menstruation noch ausgeschieden werden,
oder daß sie schon abgehen, bevor letztere eingetreten ist, weil man beobachtet
hat, daß sowohl Fünfzigerinnen ohne Menstruation noch schwanger wurden
als auch junge Mädchen, die überhaupt noch gar nicht menstruiert waren, so ist
der gewöhnliche Zustand doch der, daß die Fruchtbarkeit vom 45. Jahre an
abnimmt und daß dort, wo beispielsweise während der Säugungsperiode
keine Menstruation auftritt, auch keine Schwangerschaft sich einstellt.
Doch diene allen Frauen zur Warnung, daß diese Sicherheit keine absolute
ist, indem schon recht häufig junge Franen in andere Umstände kamen,
noch während sie das letztgeborene Kind säugten und bevor die Periode wieder
eingetreten war.
Daß während der Schwangerschaft und Säugeperiode die Menstruation
vollständig ausbleibt, deutet darauf hin, daß die Natur damit einerseits eine
Sparsamkeitseinrichtung geschaffen hat, andererseits aber das Schwergewicht
nur auf die Hauptaktion des betreffenden Individuums legt, nämlich auf die
Ernährung des wachsenden Nachkommens, und daß sie eine andere Tätigkeit
der Fortpflanzungsorgane zu dieser Zeit gar nicht wünscht. Jede Frau sollte
daher während Schwangerschafts= und Säugeperiode keinen geschlechtlichen
Verkehr haben, um alle ihre Kräfte nur dem einen Hauptzwecke zu widmen.
Findet er dennoch statt (wie meistens, weil die Männer selten so lange
Abstinenz ertragen), so übt dieser sicher einen Reiz in diesem Sinne auf
die inneren Organe ans. Der unterbrochene Abgang reifer Eier stellt sich
neuerdings wieder ein, und neue Schwangerschaft erfolgt, bevor noch der
Organismus Zeit und Kraft gefunden, auch die Menstruation abermals in
Gang zu bringen. Daß dies aber eine Schädigung der Frau und unter
Umständen auch des Kindes bedenutet, liegt eigentlich deutlich auf der Hand;
trotzdem beugt man ihr so selten vor. Kein Wunder, wenn heutige Frauen
von jeder Geburt so sehr angegriffen werden und nach vier oder fünf Kindern
verausgabt scheinen!
Auffällig ist auch der Umstand, daß Fünfzigerinnen, die den Wechsel
gut überstanden haben, immer noch Geschlechtstrieb besitzen und normales
Empfinden beim Begattungsakt. Sie sehen matronenhaft aus, ja oft schon
greisenhaft; das Zeichen der Fortpflanzungsfähigkeit, die Monatsblutung, ist
versiegt, und dennoch besteht ein Verlangen nach Anfnahme des Samens, die
doch zwecklos scheint. In vielen Fällen besteht sicher eine gewisse Nerven-