Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

126  Zweites  Buch.  Der  Kampf  um  das  Dasein.

die  er  selbst  gegen  einen  Entsatzversuch  von  Daun  deckte,  unerwartet
  lange  hin.

Aber  inzwischen  schwanden  vollends  die  Besorgnisse  wegen
Rußlands.  Auch  das  Volk  hatte  sie  geteilt:  hatte  doch  in
Preußen  Soltikow  Katharina  Treue  schwören  lassen.  Als  aber
diese  ihre  feierlichen  Erklärungen  wiederholte,  beruhigte  man
sich.  Den  Rückmarsch  der  Russen,  deren  Zuchtlosigkeit  vielfache
Klagen  veranlaßte,  aus  Preußen  und  Pommern  zu  beschleunigen,
ließ  Friedrich  ihnen  ihre  Magazine  ohne  Prüfung  der  QOnalität
  der  Vorräte  abkaufen.  So  hatte  er  sich  zwar  nicht  all  der
Vorteile  versichern  können,  die  er  von  dem  russischen  Bündnis
gehofft  hatte,  aber  es  waren  doch  auch  die  Befürchtungen  unerfüllt
  geblieben,  welche  die  Revolution  in  Petersburg  bei  ihm
erregt  hatte.  Größere  Besorgnis  erweckte  ihm  die  Haltung  Englands.
  Dasselbe  hatte  zwar  Frankreichs  Vorschlag,  die  Lande
seiner  übrigen  deutschen  Alliierten  zu  räumen,  die  preußischen
aber,  Wesel  und  Geldern,  bis  zum  allgemeinen  Frieden  besetzt
zu  halten,  nicht  einfach  abgewiesen,  diese  Bestimmung  vielmehr
trotz  Friedrichs  geharnischten  Protestes  in  den  Entwurf  der
Präliminarien  aufgenommen.  Um  so  mehr  wollte  der  König  in
Dresden  ein  Aequivalent  wiedergewinnen,  zumal  er  besorgte,
die  Franzosen  könnten  abziehend  jene  Plätze  den  Oesterreichern
überliefern.  Nun  fiel  aber  das  heldenmütig  verteidigte  Schweidnitz
  erst  am  9.  Oktober,  und  Friedrichs  Heer  blieb  um  8000  bis
10000  Mann,  das  des  Prinzen  Heinrich  gar  um  etwa  20000  Mann
hinter  der  Sollstärke  zurück.  Letzterer  mußte  schließlich  vor  den
vereinigten  Oesterreichern  und  Reichstruppen  unter  Hadik
weichen,  stellte  dann  aber  durch  den  Sieg  bei  Freiberg  in  Sachsen
(29.  Oktober)  dort  das  Glück  wieder  her.  Ausschwärmend
trugen  seine  Reiter  neuen  Schrecken  bis  tief  nach  Franken.
So  wenig  wie  sonst  im  Reiche  hatte  man  dort  Lust,  sich  für
Oesterreich  zu  opfern.  Andererseits  wurden  am  3.  November  die
englisch-französischen  Präliminarien  in  Fontainebleau  unterzeichnet.
  Lord  Bute  hatte  Preußen  im  Stich  gelassen.  Ja,
er  hätte  es  gern  gesehen,  wenn  Rußland  zu  gunsten  der  Räumung
  Sachsens  auf  dasselbe  einen  Druck  ausgeübt  hätte.  Versucht
  war  das  schon  früher,  aber  erledigt  worden  durch  Fried-