182 Dreizehnter Vortrag.
die Bestimmung in Absatz 5, wonach nur das Reich auf fremde
Schiffe und Ladungen höhere Abgaben legen darf als auf in—
ländische.
2) Dem Prinzip, daß ganz Deutschland ein Handelsgebiet
ist, entfließt der Rest. Die Kauffahrteischiffe aller Bundesstaaten
werden zu einer einheitlichen Handelsmarine erklärt.
Zur Kauffahrtei gehören sämtliche dem Erwerb dienenden
Schiffe, nicht nur die Handelsschiffe im engeren Sinne, sondern
auch Transport= und Fischereifahrzeuge. — Dieser Handelsmarine
ist in Artikel 55 das Recht einer gemeinsamen Flagge beigelegt,
und zwar in den Reichsfarben schwarz-weiß-rot, welche Farben
auch die Kriegsmarine führt. Was zur deutschen Handelsmarine
gehört, hat nach Artikel 54, Absatz 3, das Recht, in allen Seehäfen
und auf allen natürlichen und künstlichen Wasserstraßen Deutschlands
gleichmäßig zugelassen und behandelt werden zu müssen, so daß
der Unterschied in der Einzelstaatsangehörigkeit der deutschen Schiffe
rechtsunerheblich ist.
Eine kräftige Handelsmarine ist nicht nur ein wirtschaftlich
wichtiger Faktor, indem sie den überseeischen Handel in Verbindung
mit Deutschland hält und damit ein günstiges Anteilsprozent an
dem transozeanischen Gewinn sichert, sondern zugleich eine Reserve
an Wehrkraft zur See.
Jenen Einräumungen entspricht eine gewisse Kontrolle über
den Zustand von Schiffen und Mannschaft. Absatz 2 dieses
Artikels sagt, daß „das Reich das Verfahren zur Ermittlung der
Ladungsfähigkeit der Seeschiffe zu bestimmen, die Ausstellung der
Meßbriefe, sowie der Schiffszertifikate zu regeln und die Bedingungen
festzustellen“ hat, „von welchen die Erlaubnis zur Führung
eines Seeschiffes abhängig ist“. Nicht jeder darf ein solches führen;
dazu ist der Nachweis der Qualifikation durch eine Prüfung nötig,
über welche neuestens (1904) genaue Vorschriften ergingen. Unter
Meßbrief versteht man die behördliche Beurkundung des Nettound
Bruttogehaltes eines Schiffes in Kubikmetern und englischen
Registertons. Das Schiffszertifikat ist das Legitimationspapier
darüber, daß das Schiff die deutsche Nationalität und das Flaggenrecht
besitzt und demgemäß eingetragen sei.
Die ganze Materie ist durch eine Reihe von Spezialgesetzen
ausgebaut. Hierher gehören Flaggengesetz, Schiffsregister-, Strandungs-,
Seemannsordung u. s. w. Auf dem Verordnungswege,