264 Buch III. Kap. 7.
endlich ihre Geschichte der Kolonisation von Neu-England
sind bleibende Leistungen. Die unabsehbare Reihe
deutscher Dichterinnen neuerer Zeit eröffnete in der Rokokoperiode
Luise Karsch, deren zu seinem Lobe aufgewandte
Musenkunst Friedrich der Große bekanntlich sehr
unköniglich mit zwei Thalern belohnte. Eine Enkelin
von ihr war Helmina von Chech, deren vielumgetriebenes
Leben einen interessanteren Roman ausmacht, als irgend
einer der von ihr geschriebenen ist. Die Ahnmutter aller
deutschen Romandichterinnen aber ist Marie Sophie Laroche,
welcher wir noch weiterhin begegnen werden. Sie
war 1731 zu Kaufbeuren in Schwaben geboren und starb
1807 zu Offenbach. Ihre jetzt gründlich verschollene
„Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ (1771) war
einst ein Buch von europäischer Berühmtheit. An schriftstellerischer
Fruchtbarkeit haben später nur noch ganz wenige
Frauen mit ihr zu wetteifern vermocht. Am nächsten ist
ihr Karoline Pichler gekommen, auch im Erfolg, der jetzt
allerdings auch schon wieder ein verschollener ist.
Andere literarisch gebildete oder literarisch selbstthätige
Frauen haben vermöge einer bevorzugten gesellschaftlichen
Stellung am Ende des vorigen und zu Anfang
unseres Jahrhunderts auf die Kulturbewegung einen sehr
bedeutenden Einfluß ausgeübt. So jene Fürstin Amalia
von Gallizin, welche zu Münster eine Art mystisch-philosophischen
Hofes hielt, an welchem die Hemsterhuis, Fürstenberg,
Hamann, Jakobi und Stolberg verkehrten und
auf welchen freilich ein Mann wie Voß mit Abneigung
und Argwohn blickte, als auf einen Sammelpunkt der