Verfehmung und Attentat
Der Fall Westerwelle
Die Verantwortung für die Gesetze, welche, wie die Rufer
im Streite behaupteten, die alleinseligmachende Gottes-Kirche
vernichten und damit ihren Gläubigen das Seelenheil abschneiden
sollten, wurde Bismarck aufgebürdet. Für all
das Unheil wurde er persönlich verantwortlich gemacht.
Schon zu Anfang des Jahres 1872 hatte die Polizei allen
Grund gehabt, auf der Hut zu sein, damit nicht irgendein ‚‚gut‘“
römisch-katholischer oder polnischer Fanatiker sich zu einem
Attentat gegen Bismarck aufschwinge. Der Küster an der
St. Hedwigskirche zu Berlin, namens Westerwelle, hatte einen
Pflegesohn ‚dunkler Herkunft‘, der erst Apotheker gewesen
war, dann päpstlicher Zuave, und der sich dann schließlich als
Stellenloser in der Welt herumtrieb. Dieser hatte, kurz vor einer
Reise von Posen nach Berlin, in einem Wirtshausgespräch die
Tage des in Posen so verhaßten Bismarckschen Regimentes für
gezählt erklärt: ‚In Berlin wird es jetzt anders werden!“
Diese Äußerung erregte um so mehr Interesse und Verdacht,
als Westerwelle junior während seines Aufenthaltes in Posen
bei dem Domherrn Prälaten v. Koszmian gewohnt hatte, einem
notorischen politischen Agitator im Geiste der Jesuiten und des
Polentums. Der rodomontierende Vagabund wurde verhaftet;
ın der Wohnung seines Pflegevaters wurde eine Haussuchung vorgenommen.
Die Untersuchung blieb indes so ergebnislos, daß
Westerwelle alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Das
war für die Herren vom Zentrum und ihre Kaplanpresse ein
wahres — Gaudium. ,‚‚Die Witzblätter, Tingel-Tangel-Theater
usw.‘, jubelt noch der Geschichtschreiber P. Majunke, ‚bemäch-