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überhaupt keine Majorität im Reichstage erlangt haben, wenn sie dieser
Unterstützung durch die liberale Partei nicht hätte Rechnung tragen
wollen. Die Entfremdung gegen den Fürsten Bismarck hatte bei den
Führern der Konservativen vielleicht schon im Jahre 1866 in Prag begonnen,
als eine konservative Deputation dem Streben des damaligen
Ministerpräsidenten, den inneren Konflikt bei der Rückkehr nach Berlin
zu schließen, durch den Versuch einer Einwirkung auf den König entgegentrat
und bei gewissen Stimmungen des hohen Herrn auch Anklänge
fand, obschon die Deputation nicht anzugeben wußte, welche Gestaltung
der zukünftigen Entwickelung Deutschlands ihr nach den Ereignissen des
Jahres 1866 vorschwebte, wenn bei der Heimkehr des siegreichen Heeres
der seit bald sechs Jahren schwebende Konflikt unverändert fortgesponnen
werden sollte. Ob die Gegnerschaft gegen die Regierungspolitik, welche
in den letzten sechsziger Jahren bei den Konservativen öffentlich zum
Ausbruch kam, (z. B. in den Kämpfen um den hannöverschen Provinzialsonds
und Aehnliches) an die Prager Vorgänge und an die Indemnitäts-Wendung
in der Thronrede in bewußter Weise anknüpfte, lassen
wir dahingestellt sein; jedenfalls waren die Angriffe gegen den Ministerpräsidenten
schon damals lebhafter als mit freundlichen Beziehungen der
konservativen Fraktion und mit deren Unterstützung verträglich war.
Nach dem französischen Kriege, beispielsweise bei Gelegenheit des Schulaussichtsgesetzes,
stiegen die Angriffe, welche von konservativer Seite gegen
den Ministerpräsidenten gerichtet wurden, zu einer Schärfe, die zum
vollständigen Abbruch des persönlichen Verkehrs zwischen dem Fürsten
Bismarck und seinen früheren Freunden führte. Die Stimmung und
die Absichten der konservativen Führer kennzeichneten sich später (1875)
durch ihren Niederschlag in den bekannten Aera-Artikeln der Nathusiusschen
„Kreuzzeitung“, in der bekannten Demonstration der Deklaranten
und schließlich am schärfsten in der „Reichsglocke“ und dem Verhalten
ihrer Freunde und Mitarbeiter. Letztere gehörten fast ausschließlich der
konservativen Fraktion an, soweit sie nicht zu Hofkreisen und zu dem
damaligen Hausministerium in Beziehung standen; sie bemühten sich
während des Präsidiums des Grafen Roon, diesen von seinem Freunde,
dem Minsterpräsidenten zu trennen und letzteren auch unmittelbar bei
Sr. Majestät dem Könige als einen „Gegner der Armee“ zu verdächtigen.
Daß das Vakuum, welches die Konservativen seit dem französischen
Krieg zwischen sich und ihrem früheren Mitarbeiter, dem Reichskanzler,
ließen, von der liberalen Seite bereitwilligst ausgefüllt wurde, war nicht
zu verwundern, und die Folge bestand darin, daß liberale Einflüsse in
der Gesetzgebung, durch welche das Reich befestigt und ausgebaut wurde,