Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

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venienz,  auf  Protektion,  auf  moͤglichen  Verstoß  u.  s.  w.,
wie  sie  bei  den  übrigen  Staatsformen  vorkommen!  Welcher
geitverlust  ist  mit  den  hier  öblichen  Formalitätcn,  den  hieraus
  entspringenden  überflüssigen  Arrangemenrs  verbunden  —
welche  Unterdrückung  der  freiesten  Ueberlegung,  der  kühnsten
Ideen!  —  Hier  aber  kommt  man  in  keiner  Minute  um
das  Königs-Gefühl  seiner  Souverainctät,  seiner  Geltung
als  Haupttheil  im  Staate.  Man  zahlt  gerne  mehr  Steuren,
  man  läßt  sich  manchen  Zwang  gefallen,  wenn  man
nur  weiß,  daß  man  so  viel  ist,  als  der  Andere.  2)  Alles
nuimmt  an  Allem  Antheil.  Man  instruirt  sich,  weil
mächtig  auziehende  Interessen  da  sind.  Nicht  der  Tag  der
Landes-Gemeine  selbst  ist's  allein,  der  hier  wohlthätig  wirkt,
sondern  man  spricht,  vorher  und  nachher,  über  die  dort  vorkommenden
  Dinge;  Feder  bekümmert  sich  um  Alles,  denn
es  kann  auf  dem  Landtage  vorkommen,  er  muß  damit  bekannt
  seyn;  alles  was  vorgehr,  kommt  damit  auch  leichter
vor  eines  Jeden  Ohrz  die  Meuschheit  rückt  näher  zusammen.
Politische  Atonie,  das  gefährlichste  aller  Uebel,  ist  hier  nicht
leicht  zu  fürchten.  Wie  kläglich  ist  es  dagegen  in  einem
Staate,  wo  jeder  insularisch  lebt,  nur  für  sein  Vermögen
sorgt,  weil  dieß  der  einzige  Mittelpunkt  seines  Strebens
ist,  indem  er  für  das  Wohl  des  Ganzen  nicht  mitwirken
darf!  Was  hilft  ihm  alles  Sinnen  und  Speculiren?  in
der  Residenz  geht's  doch  beim  Cabinette  so,  wie  die  Geheimen
Räthe  es  wollen;  also,  laßt  die  Gestirne  laufen,  wir  gehen
  auch  unsern  Gang!  —  Aber,  mochte  man  sagen,  wenn
die  Justiz  dafür  sorgt,  daß  dem  Bürger  kein  Unrecht  geschieht,
  und  wenn  er  seinen  Beitrag  an  die  Finanzbehbrde
gegeben  hat,  was  will  er,  was  will  der  Staat  denn  nun
weiter?  —  O,  der  kennt  die  menschliche  Natur  nicht,  wel-