Volkskrieges hervor. Da jedes Mittel, welches den Feind vernichten konnte,
den öffentlichen Beifall fand, so stand Kutusow nicht an, während er unter
unablässigen Kämpfen zurückging, bei diesem Rückzug alles Gebiet weit und
breit zu verheeren, um dem Feinde die Erxistenz zu rauben; außerdem wußte
der schlaue Befehlshaber, trotz seiner rückgängigen Bewegungen, seine Landsleute
mit Siegesnachrichten hinzuhalten. Ja er hatte sogar die Kühnheit, in
einem Bericht über die am 7ten September gelieferte mörderische Schlacht von
Borodino sich den Sieg zuzuschreiben.
In der That glücklicher war Graf Wittgenstein, welcher Vortheile gegen
den Marschall Oudinot erfocht, und dadurch diesen, sowie Macdonald, im
Marsche nach Petersburg aufhielt. Im Vertrauen auf Kutusow's Siegesnachricht
machte am 11ten September der Graf Lieven dem Minister Hardenberg
die vertrauliche Mittheilung, daß der Kaiser Alerander den Krieg, bis eine feste
Grundlage für die politische Selbstständigkeit der europäischen Staaten errungen
werden würde, fortsetzen wollte, wozu er natürlich den Beitritt Oestreichs und
Preußens wünschte. Diese Mittheilung kam durch den General York, welcher
damals, da Grawert zurückgetreten war, den Oberbefehl über die preußischen
Truppen führte.
Freilich enthüllte Kutusow's Rückzug und der Einzug der Franzosen in
Moskau am 14ten September die Wahrheit, doch der Brand der alten Czarenstadt,
aller Wahrscheinlichkeit nach auf Rostopschin'’s, des Gouverneurs, Befehl,
raubte dem Kaiser der Franzosen jeden Vortheil seines bisher fiegreichen
Marsches.
Welch ein schwerer Schlag hierdurch das französische Heer traf, konnte
Niemand verborgen bleiben; deshalb beharrte auch Alexander in seiner kriegerischen
Stimmung, und zeigte nur zum Schein eine friedliche Neigung, um den
Gegner bis zu einem Augenblick hinzuhalten, wo er den Krieg nicht ohne noch
größere Opfer, wie schon gebracht waren, fortsetzen konnte. Hatte er doch schon
vor der Schlacht von Borodino ausgesprochen, daß er, selbst im Fall er beide
Hauptstädte des Reichs verlieren würde, doch den Kampf fortsetzen wolle. Je
mehr sich der Gegner mit seiner Hauptmacht in das Innere Rußlands hineinwagte,
und dieselbe großen Unfällen Preis gab, um so mehr wuchs die Hoffnung,
in seinem Rücken mächtige Feinde zu seinem Sturze hervorzurufen. Das
russische Reich war nicht, namentlich in damaliger Zeit, mit den übrigen Staaten
des Festlandes zu vergleichen, wo das Kriegsgetümmel bei jedem Schritte die
Lebensnerven eines betriebsamen Volkes durchschnitt, und dem Sieger die Mittel
zur Fortsetzung des Kampfes bot, — dies hatte, wenn nicht die bisherigen Ereignisse,
vor Allem der Brand Moskau's gelehrt, und außerdem mehrten sich jeden
Augenblick die Feinde Napoleons, während seine Bundesgenossen erlahmten.
Die Pforte hatte im Sommer 1812 den Frieden von Bukarest mit Rußland
geschlossen und so neue Truppenmassen zum Kriege frei gemacht; die spanischen
Kortes reichten im Juli die Hand zum Bunde wider Napoleon, und