Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1828. (5)

Volkskrieges  hervor.  Da  jedes  Mittel,  welches  den  Feind  vernichten  konnte,
den  öffentlichen  Beifall  fand,  so  stand  Kutusow  nicht  an,  während  er  unter
unablässigen  Kämpfen  zurückging,  bei  diesem  Rückzug  alles  Gebiet  weit  und
breit  zu  verheeren,  um  dem  Feinde  die  Erxistenz  zu  rauben;  außerdem  wußte
der  schlaue  Befehlshaber,  trotz  seiner  rückgängigen  Bewegungen,  seine  Landsleute
  mit  Siegesnachrichten  hinzuhalten.  Ja  er  hatte  sogar  die  Kühnheit,  in
einem  Bericht  über  die  am  7ten  September  gelieferte  mörderische  Schlacht  von
Borodino  sich  den  Sieg  zuzuschreiben.

In  der  That  glücklicher  war  Graf  Wittgenstein,  welcher  Vortheile  gegen
den  Marschall  Oudinot  erfocht,  und  dadurch  diesen,  sowie  Macdonald,  im
Marsche  nach  Petersburg  aufhielt.  Im  Vertrauen  auf  Kutusow's  Siegesnachricht
  machte  am  11ten  September  der  Graf  Lieven  dem  Minister  Hardenberg
die  vertrauliche  Mittheilung,  daß  der  Kaiser  Alerander  den  Krieg,  bis  eine  feste
Grundlage  für  die  politische  Selbstständigkeit  der  europäischen  Staaten  errungen
werden  würde,  fortsetzen  wollte,  wozu  er  natürlich  den  Beitritt  Oestreichs  und
Preußens  wünschte.  Diese  Mittheilung  kam  durch  den  General  York,  welcher
damals,  da  Grawert  zurückgetreten  war,  den  Oberbefehl  über  die  preußischen
Truppen  führte.

Freilich  enthüllte  Kutusow's  Rückzug  und  der  Einzug  der  Franzosen  in
Moskau  am  14ten  September  die  Wahrheit,  doch  der  Brand  der  alten  Czarenstadt,
  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  auf  Rostopschin'’s,  des  Gouverneurs,  Befehl,
  raubte  dem  Kaiser  der  Franzosen  jeden  Vortheil  seines  bisher  fiegreichen
Marsches.

Welch  ein  schwerer  Schlag  hierdurch  das  französische  Heer  traf,  konnte
Niemand  verborgen  bleiben;  deshalb  beharrte  auch  Alexander  in  seiner  kriegerischen
  Stimmung,  und  zeigte  nur  zum  Schein  eine  friedliche  Neigung,  um  den
Gegner  bis  zu  einem  Augenblick  hinzuhalten,  wo  er  den  Krieg  nicht  ohne  noch
größere  Opfer,  wie  schon  gebracht  waren,  fortsetzen  konnte.  Hatte  er  doch  schon
vor  der  Schlacht  von  Borodino  ausgesprochen,  daß  er,  selbst  im  Fall  er  beide
Hauptstädte  des  Reichs  verlieren  würde,  doch  den  Kampf  fortsetzen  wolle.  Je
mehr  sich  der  Gegner  mit  seiner  Hauptmacht  in  das  Innere  Rußlands  hineinwagte,
  und  dieselbe  großen  Unfällen  Preis  gab,  um  so  mehr  wuchs  die  Hoffnung,
  in  seinem  Rücken  mächtige  Feinde  zu  seinem  Sturze  hervorzurufen.  Das
russische  Reich  war  nicht,  namentlich  in  damaliger  Zeit,  mit  den  übrigen  Staaten
des  Festlandes  zu  vergleichen,  wo  das  Kriegsgetümmel  bei  jedem  Schritte  die
Lebensnerven  eines  betriebsamen  Volkes  durchschnitt,  und  dem  Sieger  die  Mittel
zur  Fortsetzung  des  Kampfes  bot,  —  dies  hatte,  wenn  nicht  die  bisherigen  Ereignisse,
  vor  Allem  der  Brand  Moskau's  gelehrt,  und  außerdem  mehrten  sich  jeden
Augenblick  die  Feinde  Napoleons,  während  seine  Bundesgenossen  erlahmten.

Die  Pforte  hatte  im  Sommer  1812  den  Frieden  von  Bukarest  mit  Rußland
  geschlossen  und  so  neue  Truppenmassen  zum  Kriege  frei  gemacht;  die  spanischen
  Kortes  reichten  im  Juli  die  Hand  zum  Bunde  wider  Napoleon,  und