Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Leiesız  in  Berlin  (1709).  157

wesen,  um  den  Druck  der  Miscellanen  —  er  begann  im  Mai  1709
wirklich"  —  einzuleiten  und  nach  dem  Seidenwerke  zu  schen’.  Seine
Aufnahme  war  eine  kühle  gewesen;  aber  er  durfte  nicht  bleiben,
denn  in  Hannover  war  man  über  ihn  erbittert.  Er  war  ohne  Wissen
seines  Landesherrn  unter  falschem  Namen  mehrere  Monate  in  Wien
gewesen  und  musste  nun  zurückeilen,  um  sich  zu  entschuldigen.  Die
Verhältnisse  der  Societät  fand  er  fortschreitend,  LA  Croze  beruhigt;
einige  Monate  später  erhielt  die  Societät  in  dem  berühmten  Arzt
Horrnann  aus  Halle  einen  sehr  willkommenen  Zuwachs  und  wurde
das  Observatorium  wirklich  übergeben  (August  1709*);  aber  die
feierliche  Einrichtung  der  Gesellschaft,  die  für  den  ıı.  Juli  1709

!  Siehe  Paren  an  Leisviz  vom  17.  Juni  1709,  Secr.-LEisx.  Nr.  86  vom  Juli
1709,  dazu  Nr.  88.  94.  95.  104-108,  feıner  Cuseau’s  ı2  Briefe  aus  dem  Jahre  1709.
Aus  diesen  Schreiben  geht  hervor  —  was  übrigens  an  sieh  klar  ist  —,  dass  Leısxız
  Zueignung  und  Vorrede  verfasst  hat.  Auch  auf  die  beizugebenden  Tafeln  (es
ergab  sich  die  stattlielie  Zahl  von  31)  erstreckte  er  seine  Sorge  —  von  ihm  stammt
die  Anordnung,  sie  so  einzuheften,  dass  man  sie  und  das  Buch  zugleich  aufschlagen
könne  —,  und  dem  schönen  Titelkupfer  wandte  er  seine  besondere  Aufinerksamkeit
  zu,  s.  Nr.  81.  93.  99.  106.  Der  Meister  WERNER,  der  das  Bild  erfunden  und
zu  stechen  begonnen.  wurde  durch  schwere  Krankheit  an  der  Ausführung  gehindert.
Eine  Verzögerung  des  Drucks  trat  auch  dadurch  ein,  dass  Cuxeau  —  durch  neue
Örtvex'sche  Händel  schwer  gekränkt,  s.  u.  —  im  November  1709  einen  Schlaganfall
erlitt;  zwar  fing  er  schon  Ende  Januar  wieder  für  die  Societät  zu  arbeiten  an,  war
aber  seitdem  viel  von  Schmerzen  geplagt  und  nur  noch  wenig  brauchbar,  s.  Secr.-Leigex.
  Ni’.  97-100  (1.  Februar  1710).
®  Siehe  seinen  Brief  an  die  Kurfürstin  Sormie  aus  Berlin  vom  Januar  1709
(Krorr,  9.  Bd.  S.294  ff.)  —  es  ist  derselbe  Brief,  in  welchen  er  der  Frau  Kırca
mit  hohen  Lobe  gedenkt:  »Je  ne  pense  presque  ici  qu’a  ce  qui  sert  &  l’accroissewment
  des  sciences  (folgt  ein  kurzer  Bericht  über  das  Seidenwerk).  C'est  nne
affaire  que  la  feue  reine  favorisait  fort,  et  maintenant  le  prince  royal  la  protege
dans  les  occasions  (das  sollte  sein  Verweilen  in  Berlin  beim  hannoverschen  Kurfürsten
  entschuldigen).  Je  suis  apres  &  parcouriv  quelques  memoires  servant  aux
sciences,  qu’on  a  presentes  a  la  societe,  et  dont  elle  pnbliera  des  Eechantillons.
Mais  cela  ne  w’arretera  que  peu  de  jours,  et  je  me  depecherai  pour  me  trouver
  prompteinent  a  Hanovre,  conforınament  aux  ordres  et  aux  intentions  de  Monseigneur
  l’Electeur,  ayant  plus  d’envie  qne  qui  que  ce  soit  de  voir  mon  ouvrage
acheve«.

®  Siehe  seine  Bemerkung  unter  La  C'roze's  Brief  Nr.2ı  der  Hannov.  Sauınlung;
  aber  im  Jahre  1709  hatte  La  C'roze  noch  einmal  Grund  zu  bitteren  Klagen,
liess  sich  aber  diesmal  schneller  beruhigen  und  räunte  ein,  dass  er  plus  d’une  fois  avec
trop  de  rivalit&  geschrieben  habe  (s.  seine  Briefe  vom  23.  Septeinber  und  30.  October
  1709).  Von  da  ab  wird  der  Briefwechsel  wieder  ein  rein  wissenschaftlieher
und  bezog  sich  vornehmlich  auf  Linguistik.  Iın  Brief  vom  16.  December  1709  tleilt
La  Croze  folgende  wichtige  Entdeckung  mit:  »Je  vous  assure  «que  j’ai  reconnu,
qu’on  peut  retablir  en  plusieurs  endroits  la  vcritable  lecon  des  LXX  par  le  moyen
de  l’Armenien«.

*  Siehe  Secr.-Leisx.  Nr.90  vom  24,  August  1709.