I. Die tierärztliche Hochschule in Berlin.
I. Gründung und Entwicklung.
Als im 18. Jahrhundert in Deutschland die Naturwissenschaften
wieder aufblühten und infolgedessen auch die Landwirtschaft einen
kräftigen Aufschwung nahm, wurden die Verluste, welche die häufig
wiederkehrenden und sich schnell verbreitenden Viehseuchen verursachten,
um so schwerer empfunden, als man bestrebt war, durch
Einrichtung einer rationellen Tierzucht die Viehbestände zu verbessern
und zu vermehren. Aus den Bestrebungen, diese Verluste abzuwenden,
entstand die Anregung, in Berlin der Tiermedizin eine Pflanzstätte
zu errichten. Der Generalstabsmedikus Cothenius wies schon
im Jahre 1769 auf die Notwendigkeit der Gründung tierärztlicher
Bildungsanstalten hin. Aber erst 20 Jahre später erreichte es der
Öberstallmeister Graf v. Lindenau unter der Regierung Friedrich
Wilhelms II, daß geeignete Männer nach Wien und Alfort geschickt
wurden, um sich für das Lehrfach der Tierarzneikunde vorzubereiten.
Inzwischen wurden in einem der größten und schönsten Gärten Berlins,
der für die Anstalt erworben war, die nötigen Gebäude errichtet.
Am 1. Juni 1790 ist die Tierarzneischule, die der Leitung des Oberstallmeisters
Grafen v. Lindenau unterstellt war, eröffnet worden. Der
Professor der Medizin Naumann, der Professor der Chirurgie Sick,
der Apotheker Ratzeburg, 2 Prosektoren und 2 Lehrschmiede hatten
den Unterricht zu erteilen. Die Hauptaufgabe der neuen Anstalt war,
tüchtige Fahnenschmiede für die Armee zu bilden. Zu diesem Zweck
hatte jedes Kavallerieregiment geeignete Zöglinge in die Anstalt zu
senden. Außerdem wurden vom Marstallamt Scholaren, die sich zu
Beamten und Rofärzten für die Königlichen Gestüte und Marställe
ausbilden sollten, in die Anstalt geschickt. Endlich wurden auch
sogenannte Freischüler oder Extrascholaren zum Unterricht zugelassen.