32 Reichsgerichtliche Entscheidungen.
keit des Mitangeklagten Heinrich D. einen Tagelohn von
5 Mk. zahlte, der Vertrag aber nicht, wie dies bei der
Werkverdingung Voraussetzung ist, auf die Uebernahme
der Ausführung eines gesammten Werkes, vorliegend also
auf das Ausdreschen der Frucht als Ablieferung eines
vollendeten Werkes gerichtet war. Hieran änderte sich
auch nichts dadurch, daß der Angeklagte den Heinrich D.
gleichzeitig zur Leitung und Beaufsichtigung des Betriebs
der Maschine bestellt hatte. Denn nur dann, wenn Heinrich
D. als Werkmeister dem Angeklagten Sch. gegenüberstand,
war er der Aufsicht des Letzteren nicht unterworfen.
Verblieb der Angeklagte, wie das Urtheil feststellt, Gebrauchsherr
lediglich im Sinne der Sachmiethe, so verblieb
auch bei ihm das Recht und die Pflicht zur Aufsicht
über den Betrieb der Dreschmaschine und blieb auch er
daher strafrechtlich verantwortlich, wenn er die ihm obliegende
Sorge für seine bei dem Maschinenbetriebe beschäftigten
Arbeiter außer Acht ließ. Es ist also unrichtig.
wenn die Revision behauptet, daß dem Heinrich D. das
alleinige Aussichtsrecht über die Maschine zugestanden
und daß der Angeklagte in die Machtsphäre des Heinrich
D. einzugreifen nicht berechtigt gewesen sei. Da das
Urtheil im Uebrigen sowohl die Fahrlässigkeitshandlung
des Angeklagten Sch. als auch den Causalzusammenhang
seines Handelns mit dem eingetretenen Erfolge der Körperverletzung
der Wittwe L. und die Voraussehbarkeit dieses
Erfolgs Seitens des Angeklagten Sch. unter genügender
Begründung ebenfalls festgestellt hat, so mußte die Revision
verworfen werden. I. Strafsenat. Urtheil vom
9. Oktober 1893.
Redakteur: Dr. Julius v. Staudinger in München.
Verlag: Falm & Eulle (Carkl Enste) in Erlangen.
Druck der k. b. Hof= u. Univ.-Buchdruckerei von Fr. Junge
(Junge & Sohn) in Erlangen.